Long COVID, Autoimmunerkrankungen und die Rückgewinnung der Regulation
Obwohl seit der COVID-19-Pandemie Jahre vergangen sind, leiden viele Menschen auch nach überstandener Infektion weiterhin unter verschiedenen gesundheitlichen Beschwerden.
Dieser Zustand, der umgangssprachlich als „Long COVID“ oder „Post-COVID-Syndrom“ bezeichnet wird, kann sich durch Müdigkeit, Muskel- und Gelenkschmerzen, „Brain Fog“, Vergesslichkeit, Schlafstörungen, Herzklopfen, Atemnot, Verdauungsprobleme und sogar neu auftretende Autoimmunerkrankungen äußern.
Heute wissen wir, dass COVID-19 nicht nur eine Lungeninfektion ist. Die Erkrankung kann das Immunsystem, das Gefäßsystem, die Mitochondrien – die Energiekraftwerke unserer Zellen –, die Darmflora und insbesondere das autonome Nervensystem beeinträchtigen.
Aus diesem Grund hängt das Problem bei vielen Patienten nicht nur mit dem Virus selbst zusammen, sondern auch mit den nach der Infektion gestörten Regulationsmechanismen.
Keine Krankheit, sondern ein Regulationsverlust
Der menschliche Körper verfügt über ein hoch entwickeltes Regulationssystem, das ständig bestrebt ist, das Gleichgewicht aufrechtzuerhalten.
Die wichtigsten Akteure dieses Systems sind: das autonome (vegetative) Nervensystem, das Immunsystem, das hormonelle System, die Darmmikrobiota sowie die extrazelluläre Matrix (ECM) – also der Bindegeweberaum zwischen unseren Zellen.
Bei gesunden Menschen kommunizieren diese Systeme fortlaufend miteinander und halten sich gegenseitig im Gleichgewicht. Schwere Infektionen, chronischer Stress, Störfelder, Störungen der Darmflora und toxische Belastungen können dieses Kommunikationsnetz jedoch stören. Genau dieses Bild sehen wir bei vielen Patienten nach COVID-19: Der Körper ist genesen, doch das Regulationssystem hat sein früheres Gleichgewicht noch nicht wiedererlangt.
Warum ist das autonome Nervensystem so wichtig?
Unser Herzschlag, die Darmtätigkeit, die Weitstellung der Blutgefäße, die Immunantwort und selbst das Ausmaß von Entzündungen werden weitgehend vom autonomen Nervensystem gesteuert. Ein Problem, das wir nach COVID häufig beobachten, ist die Dysautonomie. Dabei gilt:
- Der Sympathikus arbeitet überaktiv,
- Der Parasympathikus wird geschwächt,
- Die regulierende Wirkung des Vagusnervs nimmt ab.
In der Folge bleibt der Betroffene in einem dauerhaften Alarmzustand. Herzklopfen, Schlafstörungen, weitverbreitete Schmerzen, Angstzustände, chronische Müdigkeit und Schübe von Autoimmunerkrankungen können die Folge sein.
Warum nehmen Autoimmunerkrankungen zu?
In den letzten Jahren fällt die zunehmende Häufigkeit von Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, rheumatoider Arthritis, Psoriasis und Lupus auf. Einer der Gründe dafür ist die lang anhaltende, unregelmäßige Aktivierung des Immunsystems. Nach COVID-19 kann Folgendes auftreten:
- Eine erhöhte Zytokinproduktion,
- Eine Überempfindlichkeit des Immunsystems,
- Eine erhöhte Darmdurchlässigkeit,
- Eine Störung des Gleichgewichts im autonomen Nervensystem.
Diese Faktoren können gemeinsam den Boden für den Beginn autoimmuner Prozesse oder das Aufflammen bestehender Erkrankungen bereiten.
Darmflora: das vergessene Organ
Heute wissen wir, dass unser Darm nicht nur für die Verdauung zuständig ist. Etwa 70 % unseres Immunsystems stehen mit dem Darm in Verbindung. Nach COVID entwickeln viele Patienten eine Dysbiose, eine Candida-Belastung, eine Histaminintoleranz, eine Glutensensitivität, eine Laktoseintoleranz oder ein Leaky-Gut-Syndrom.
Ist die Darmflora gestört, sind nicht nur das Verdauungssystem, sondern auch das Immun- und das Nervensystem betroffen. Deshalb ist die Wiederherstellung der Darmflora eines der zentralen Behandlungsziele bei Long COVID und Autoimmunerkrankungen.
Die ECM-Reinigung und die Bedeutung des Bindegewebes
Eine der Strukturen, auf die sich die Regulationsmedizin besonders konzentriert, ist die extrazelluläre Matrix (ECM). Die ECM ist jener Bindegeweberaum, in dem Zellen leben, sich ernähren und miteinander kommunizieren. Chronische Entzündungen, Schwermetalle, Toxine, chronische Infektionen und metabolische Abfallstoffe können diesen Raum mit der Zeit belasten. Eine Belastung der ECM kann in Verbindung stehen mit:
- Weitverbreiteten Muskelschmerzen,
- Fibromyalgie-ähnlichen Beschwerdebildern,
- Müdigkeit,
- Verzögerter Gewebeheilung,
- Chronischer Entzündung.
Deshalb reicht es nicht aus, lediglich Symptome zu unterdrücken – auch die Reinigung und Neuordnung des Zellzwischenraums muss unterstützt werden.
Warum ist die Neuraltherapie wichtig?
Die Neuraltherapie ist keine reine Schmerzbehandlung. Sie ist eine Regulationstherapie, die auf die Neuregulierung des autonomen Nervensystems abzielt. Insbesondere:
- Anwendungen am Ganglion stellatum,
- Regulation des Vagusnervs,
- Anwendungen im Zwerchfellbereich,
- Segmenttherapien,
- Behandlung von Störfeldern,
können zur Wiederherstellung des Gleichgewichts im vegetativen Nervensystem beitragen. Die klinische Erfahrung, die wir seit vielen Jahren beobachten, zeigt: Verbessert sich die Regulation des autonomen Nervensystems, beginnt auch das Immunsystem ausgeglichener zu arbeiten.
Störfelder dürfen nicht übersehen werden
Wurzelbehandelte Zähne, Kieferentzündungen, Operationsnarben, Traumata und chronische Infektionsherde können einen dauerhaften Stress auf das vegetative Nervensystem ausüben und die Regulation stören. Deshalb ist es besonders bei chronischen Erkrankungen wichtig, Störfelder zu untersuchen und, wenn nötig, zu behandeln.
Die grundlegenden Behandlungsschritte
Ein erfolgreicher Ansatz bei Long COVID und Autoimmunerkrankungen umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Regulation des autonomen Nervensystems,
- Wiederaufbau der Darmflora,
- Abklärung von Histamin-, Gluten- und Laktoseintoleranzen,
- Reduzierung der Candida-Belastung,
- Entzündungshemmende Ernährung,
- Ausgleich von Vitamin- und Mineralstoffmangel,
- Unterstützung der mitochondrialen Funktion,
- Reduzierung der Schwermetall- und Toxinbelastung,
- Unterstützung der ECM und des Bindegewebes,
- Neuraltherapie und gegebenenfalls Akupunktur,
- Regulierung von Schlaf und Stressmanagement.
Schlusswort
Long COVID und Autoimmunerkrankungen sind nicht ausschließlich Erkrankungen des Immunsystems. Diese Beschwerdebilder sollten auch als gemeinsames Problem des autonomen Nervensystems, der Darmflora, des Bindegewebes und der zellulären Regulationssysteme betrachtet werden.
Echte Genesung ist oft nicht nur durch die Unterdrückung von Symptomen möglich, sondern durch die Wiederherstellung der gestörten Regulation.
Die Regulationsmedizin und die Neuraltherapie betrachten Krankheit nicht nur auf Organebene, sondern bewerten den Menschen als Ganzes.
Ziel ist es nicht nur, die Krankheit unter Kontrolle zu bringen, sondern die körpereigene Heilungsfähigkeit erneut zu aktivieren.
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Diagnose, Behandlung oder Beratung. Personen mit Symptomen von Long COVID oder einer Autoimmunerkrankung wird empfohlen, eine ärztliche Fachperson zu konsultieren.