Neuraltherapie – Mehr als eine Injektion: Antworten auf die häufigsten Fragen meiner Patientinnen…
Wenn Menschen heute im Internet nach Neuraltherapie suchen, begegnen ihnen meist dieselben Fragen.
- Hilft Neuraltherapie?
- Ist sie gefährlich?
- Welche Nebenwirkungen gibt es?
- Wie wirkt Procain?
- Kann Neuraltherapie bei Angstzuständen helfen?
Dass diese Fragen immer wieder gestellt werden, überrascht mich nicht. Seit mehr als drei Jahrzehnten begleite ich Menschen mit chronischen Schmerzen, funktionellen Erkrankungen und komplexen Regulationsstörungen. Und fast jeder neue Patient stellt zunächst dieselben Fragen.
Das eigentliche Problem ist jedoch nicht die Frage selbst.
Das Problem ist, dass die meisten Antworten im Internet die Neuraltherapie auf eine Spritze reduzieren.
Dabei beginnt ihre eigentliche Wirkung lange bevor die erste Injektion erfolgt.
Neuraltherapie ist keine Schmerzspritze
Viele Menschen glauben, die Neuraltherapie bedeute lediglich, ein Lokalänasthetikum gegen Schmerzen zu injizieren.
Diese Vorstellung greift viel zu kurz.
Die Neuraltherapie versteht den menschlichen Organismus als biologisches Netzwerk. Nervensystem, Bindegewebe, Mikrozirkulation, vegetatives Nervensystem, Immunantwort und Zellkommunikation stehen in ständigem Dialog miteinander.
Krankheit entsteht häufig dort, wo dieser Dialog verloren gegangen ist.
Unsere Aufgabe besteht deshalb nicht darin, Schmerzen zu überdecken, sondern die gestörte Kommunikation wiederherzustellen.
Genau darin liegt der Unterschied zwischen Symptombehandlung und Regulationsmedizin.
Warum verwenden wir Procain?
Eine der häufigsten Suchanfragen lautet:
„Procain Neuraltherapie“
Viele Menschen glauben, Procain sei lediglich ein Betäubungsmittel.
Tatsächlich besitzt Procain weit mehr Eigenschaften.
Es beeinflusst die elektrische Stabilität der Zellmembran, verbessert lokale Regulationsvorgänge, unterstützt die Mikrozirkulation und kann neurogene Entzündungsprozesse positiv beeinflussen.
In meiner täglichen Praxis interessiert mich Procain deshalb nicht wegen seiner kurzen Dauer der Betäubung.
Mich interessiert seine Fähigkeit, gestörte biologische Regelkreise wieder in Gang zu bringen.
Hat Neuraltherapie Nebenwirkungen?
Auch diese Frage begegnet mir nahezu täglich.
Keine medizinische Behandlung ist vollständig risikofrei.
Entscheidend ist jedoch, dass die Neuraltherapie bei korrekter Indikationsstellung und fachgerechter Durchführung zu den sehr sicheren Verfahren der Regulationsmedizin gehört.
Vorübergehende Reaktionen sind möglich, etwa:
- Leichte Druckempfindlichkeit,
- Kleine Hämatome,
- Kurzfristige Müdigkeit,
- Vegetative Reaktionen.
Diese verschwinden meist innerhalb kurzer Zeit.
Schwerwiegende Komplikationen sind selten und stehen fast immer im Zusammenhang mit unzureichender Ausbildung oder fehlerhafter Technik.
Deshalb sage ich meinen Kolleginnen und Kollegen immer wieder:
Nicht die Nadel heilt.
Nicht das Procain heilt.
Die Erfahrung des Arztes entscheidet über die Qualität der Behandlung.
Kann Neuraltherapie bei Angst helfen?
Eine Suchanfrage, die in den letzten Jahren deutlich häufiger geworden ist, lautet:
„Neuraltherapie bei Angst“
Wer diese Frage stellt, sucht meist keine Psychotherapie.
Er sucht Ruhe.
Das vegetative Nervensystem spielt bei Angst, innerer Unruhe, Schlafstörungen und chronischem Stress eine zentrale Rolle.
Besonders folgende Regionen können Regulationsstörungen unterhalten:
- Ganglion stellatum,
- Zwerchfell,
- Halsfaszien,
- Narben,
- Darm-Nervensystem.
Die Neuraltherapie ersetzt keine psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung.
Sie kann jedoch helfen, das vegetative Nervensystem wieder in eine bessere Balance zu bringen.
Und manchmal beginnt die eigentliche Veränderung genau dort.
Warum reicht eine einzige Injektion selten aus?
Viele Menschen erwarten eine sofortige Heilung.
Diese Erwartung ist verständlich.
Chronische Erkrankungen entstehen jedoch meist über Jahre hinweg.
Deshalb braucht auch die Regulation Zeit.
Neuraltherapie ist kein Wettlauf gegen Schmerzen.
Sie ist ein Prozess, bei dem der Organismus lernt, verlorene Regulationsfähigkeit Schritt für Schritt zurückzugewinnen.
Nicht jede Sitzung lindert den Schmerz sofort.
Manchmal verbessert sich zuerst der Schlaf. Dann die Verdauung. Dann die Energie. Und erst danach verschwindet der Schmerz.
Diese Reihenfolge ist keineswegs ungewöhnlich.
Die wichtigste Frage wird fast nie gestellt
Erstaunlicherweise gibt es eine Frage, die im Internet kaum gesucht wird.
Dabei halte ich sie für die entscheidende.
Nicht: „Welche Krankheit habe ich?“, sondern: „Warum konnte mein Organismus die Fähigkeit zur Selbstregulation verlieren?“
Genau dort beginnt die Neuraltherapie.
Nicht beim Schmerz. Nicht beim MRT. Nicht beim Laborwert.
Sondern beim Menschen.
Mein persönliches Fazit
Nach vielen tausend Behandlungen habe ich gelernt: Der menschliche Körper besitzt eine erstaunliche Fähigkeit zur Selbstorganisation.
Unsere Aufgabe als Ärztinnen und Ärzte besteht nicht darin, den Körper zu kontrollieren. Wir sollten ihm helfen, seine eigene Sprache wiederzufinden.
Neuraltherapie ist deshalb weit mehr als eine Injektion.
Sie ist Medizin, die zuhört. Medizin, die Zusammenhänge erkennt. Und Medizin, die den Menschen wieder als Ganzes betrachtet.