Die Ernährung beeinflusst Entzündungen
Eine genetische Veranlagung ist ein Risikofaktor für entzündliche Erkrankungen. Der entscheidendste Faktor dafür, dass eine Entzündung chronisch wird, ist jedoch die Ernährung. Der Grund dafür ist, dass manche Lebensmittel Entzündungen vorbeugen, während andere Entzündungen auslösen.
Bei mehr als 50 % der Personen mit einer entzündlichen Erkrankung ist die Entstehung der Krankheit eine Folge der Ernährungsweise und des Lebensstils. Bereits eine einzige ungesunde Mahlzeit kann entzündliche Reaktionen auslösen. Wenn Sie über Jahre hinweg ungesunde Lebensmittel bevorzugen, wird die Entzündung chronisch, und es entstehen Krankheiten.
Chronische Entzündungsprozesse spielen bei nahezu jeder Krankheit eine Rolle, von Allergien über rheumatische Erkrankungen, von Übergewicht über Diabetes, von Arteriosklerose bis hin zu Gicht und Darmerkrankungen. Auch Akne, Bronchitis, Osteoporose, Multiple Sklerose, Bluthochdruck, Demenz, Krebs und viele weitere Erkrankungen stehen mit chronischen Entzündungen in Zusammenhang. Fast alle Autoimmunerkrankungen führen ebenfalls zu chronischen Entzündungen.
Es ist bekannt, dass die Ernährung bei chronischen Entzündungsprozessen eine wichtige Rolle spielt.
Tatsächlich ist eine Entzündung nicht so schlimm, wie man annimmt; der Entzündungsprozess ist eine natürliche Abwehrreaktion des Körpers gegen Eindringlinge und Toxine.
Die Durchblutung der geschädigten Stelle nimmt zunächst ab, danach zu. Die weißen Blutkörperchen, die Abwehrzellen unseres Körpers, erreichen so den Herd der Entzündung. Tatsächlich ist die Entzündung eine der lebenswichtigen Körperfunktionen, die uns gesund erhalten.
Zwischen akuter und chronischer Entzündung muss grundsätzlich unterschieden werden:
Akute Entzündungen werden von der Ernährung nur sehr wenig oder gar nicht beeinflusst. Die Entzündung ist in der Regel ein notwendiger Bestandteil des Heilungsprozesses.
Chronische Entzündungs prozesse hingegen werden von Veränderungen des Lebensstils und der Ernährung beeinflusst.
Wird eine Entzündung chronisch oder tritt sie zu häufig auf, wird sie zum Problem und schwächt einen ansonsten gesunden Körper. Manche Bestandteile der von uns verzehrten Lebensmittel wirken entzündungshemmend, während andere Entzündungen auslösen. Langfristig ist das Gleichgewicht zwischen diesen Bestandteilen entscheidend. Die Wirkung einzelner Bestandteile variiert dabei von Person zu Person. Dies gilt sowohl für entzündungsfördernde als auch für entzündungshemmende Lebensmittel.
Welche Lebensmittel wirken entzündungshemmend?
Insbesondere violette Früchte (Himbeeren, Brombeeren, Heidelbeeren), Zitrusfrüchte, verschiedene Kohlsorten, Spinat, Mangold, Brokkoli, Rote Bete, Ananas, Kirschen und Sauerkirschen enthalten zahlreiche für unseren Körper nützliche Bestandteile. Dank Vitaminen, Mineralstoffen (Magnesium, Zink, Kupfer, Selen), Flavonoiden, Antioxidantien und reichlich Ballaststoffen werden bei vielen Patienten die chronischen Entzündungsprozesse im Körper reduziert und die Körperfunktionen unterstützt.
Die Verwendung frischer Kräuter und Gewürze hat eine positive Wirkung. Lebensmittel wie Ingwer, Kurkuma, Basilikum, Thymian, Muskat, Rosmarin, Zwiebel und Knoblauch enthalten zahlreiche entzündungshemmende Bestandteile.
Essenzielle Öle, Flavonoide, Tannine und Vitamine helfen dem Körper, sich selbst zu schützen und Entzündungen zu reduzieren, und verleihen den Speisen zudem Geschmack.
Wie die Leber enthält auch der Darm sehr viel Zink und Kupfer. Diese Mineralstoffe ähneln Magnesium und Selen. Sie sind am Stoffwechsel beteiligt und daher bei der Bekämpfung von Entzündungsprozessen im Körper sehr wichtig. Thunfisch, Makrele, Lachs oder Hering sind reich an Omega-3-Fettsäuren und daher gesundheitlich vorteilhafter als rotes Fleisch. Vegane Alternativen dazu sind Rapsöl oder Leinöl. Aus diesen Pflanzenölen können durch Kaltpressung Omega-3-Fettsäuren gewonnen werden, sie dürfen jedoch nicht erhitzt werden.
Hülsenfrüchte: Hülsenfrüchte wie Linsen und Bohnen enthalten Lektine, die bei manchen Menschen Entzündungen auslösen können. Diese Lebensmittel sollten sparsamer verzehrt und vor dem Kochen gründlich eingeweicht werden, um sie von Lektinen zu befreien. Man kann sie in Molke, Joghurtwasser oder Essigwasser einweichen.
Verarbeitete Produkte wie Fleisch und Wurst: Der Verzehr von industriell hergestellten Fleisch- und Wurstprodukten sollte reduziert werden, da diese Produkte die entzündungsfördernde Omega-6-Fettsäure enthalten. Auch das Salzen, Räuchern und Konservieren dieser Produkte, um ihre Haltbarkeit und ihren Geschmack zu erhöhen, fördert Entzündungen.
Raffinierte Pflanzenöle und Transfette: Verarbeitete Pflanzenöle wie Sonnenblumen-, Maiskeim- und genetisch verändertes Sojaöl enthalten einen hohen Anteil an entzündungsförderndem Omega-6. Transfette sind Fette, die durch die Zugabe von Wasserstoff von flüssigem in festen Zustand überführt wurden. Auch die in Margarine, Tiefkühlprodukten und vielen verpackten Fertigprodukten enthaltenen Transfette erhöhen Entzündungen.
Milchprodukte: Milchprodukte wie hausgemachter Joghurt und Käse wirken probiotisch und sind aufgrund ihres Zink- und Omega-3-Fettsäuregehalts gesund. Indem Sie natürlichem Joghurt Obst, Hafer, Leinsamen und Walnüsse hinzufügen, können Sie die entzündungshemmende Wirkung im Körper verstärken. Industriell hergestellte, besonders fettreiche Milchprodukte enthalten jedoch eine große Menge an Omega-6-Fettsäuren, die Entzündungen verstärken können. Das in Milch enthaltene Protein Kasein verursacht ebenfalls Entzündungen. Auch eine bestehende Laktoseintoleranz verstärkt Entzündungen.
Künstliche Süßstoffe: Es wurde gezeigt, dass insbesondere Sucralose, das Leberschäden verursacht, die entzündliche Wirkung verstärkt.
Kohlensäurehaltige Getränke und Maissirup mit hohem Fruktosegehalt: Der heute anstelle von Zucker zunehmend verwendete Maissirup wurde mit Übergewicht sowie zusätzlich mit Diabetes und Herzerkrankungen in Verbindung gebracht. Es ist heute erwiesen, dass Fettgewebe Entzündungen fördert und dadurch bedingte rheumatische Erkrankungen verursacht.
Raffinierte Kohlenhydrate und verpackte Fertigprodukte: Es wurde gezeigt, dass glutenhaltige Lebensmittel wie Brot, Kekse, Kuchen, Cracker und Saucen, die den Blutzucker schnell ansteigen lassen und einen hohen glykämischen Index haben, Entzündungen fördern. Das in Fertigprodukten (Fertigsuppen, Chips, Kekse) enthaltene Mononatriumglutamat (MSG) erhöht das Risiko für Entzündungen und Typ-2-Diabetes.
Frittierte Speisen: Es wurde gezeigt, dass die Transfettsäuren in frittierten Kartoffeln, Käse, Zwiebelringen und Teiggebäck Entzündungen fördern.
Alkohol: Es wurde gezeigt, dass alkoholische Getränke wie Rotwein, die in geringen Mengen konsumiert eine antioxidative Wirkung zeigen, bei übermäßigem Konsum Entzündungen fördern. Übermäßiger Alkoholkonsum schädigt das Darmsystem und verursacht dadurch Entzündungen.
Weitere Informationen zu diesem und ähnlichen Themen finden Sie in meinem Buch „Leitfaden für antientzündliche Ernährung“.
Hüseyin Nazlıkul