Wer nicht richtig atmet, altert schneller: Der Weg zur Gesundheit führt über das Zwerchfell
Ein Mensch atmet etwa 20.000 bis 25.000 Mal am Tag. Wie stark diese so häufige, automatische Handlung unser Leben beeinflusst, bemerken wir meist nicht. Dabei wissen wir heute: Atmen bedeutet weit mehr als nur Sauerstoff aufzunehmen.
Der Atem ist eines der grundlegendsten biologischen Ereignisse, das unser Nervensystem, unser Immunsystem, unseren Kreislauf, unseren Stoffwechsel, unser Gehirn und sogar unsere Alterungsgeschwindigkeit beeinflusst.
Eines der größten Probleme des modernen Menschen ist heute nicht mehr, dass er sich zu wenig bewegt, sondern dass er nicht mehr ausreichend atmet. Und die meisten Menschen sind sich dessen nicht einmal bewusst.
Die stille Epidemie: Flache Atmung
Heute atmen Millionen Menschen flach und nutzen dabei nur den oberen Brustkorb.
Stunden am Computer, dauerhafter Stress, falsche Sitzhaltungen, Bewegungsmangel sowie chronische Nacken- und Rückenprobleme führen dazu, dass die Atemkapazität stetig abnimmt. Der Mensch glaubt zu atmen — dabei leidet der Organismus an Sauerstoffmangel.
Über die Jahre kann dieser Zustand chronische Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Angstzustände, Bluthochdruck, Insulinresistenz und chronische Entzündungen begünstigen.
Was viele Menschen heute erleben, ist eigentlich keine Krankheit, sondern eine unzureichende Sauerstoffversorgung.
Das Zwerchfell: Ein vergessenes Organ
Das Zwerchfell ist eine der Strukturen, denen ich in meinem Buch Regüle Yaşam Longevity besondere Bedeutung beimesse. Es ist nicht nur ein Atemmuskel, sondern ein biologisches Regulationsorgan im Zentrum des menschlichen Organismus.
Dieser große Muskel zwischen Herz und Bauchorganen:
- steuert die Atmung
- unterstützt die Lymphzirkulation
- beeinflusst die Leberfunktion
- verbessert den venösen Rückfluss
- spielt eine regulierende Rolle im autonomen Nervensystem
Ein gesund arbeitendes Zwerchfell massiert bei jedem Atemzug förmlich die inneren Organe, beschleunigt die Lymphzirkulation und unterstützt die Reinigung des Bindegewebes sowie den Abtransport zellulärer Abfallstoffe. Bei modernen, unter Dauerstress lebenden Menschen arbeitet das Zwerchfell jedoch oft nicht ausreichend.
Warum ist eine Zwerchfelldysfunktion so verbreitet?
Unsere klinischen Beobachtungen der letzten Jahre zeigen, dass bei einem erheblichen Teil der Patienten mit chronischen Schmerzen, Erschöpfung und Störungen des vegetativen Nervensystems die Zwerchfellbeweglichkeit vermindert ist.
Zu den Ursachen zählen chronischer Stress, langes Sitzen, Nackenprobleme, Blockaden der ersten Rippe, Funktionsstörungen der Brustwirbelsäule, Bauchoperationen und alte Traumata. Solange sich das Zwerchfell nicht richtig bewegt, kann der Organismus auch nicht wirklich atmen.
Erste Rippe und thorakale Blockaden
Ein funktionelles Störfeld, das wir in der Klinik häufig antreffen, das jedoch oft übersehen wird, ist die erste Rippe.
Eine eingeschränkte Beweglichkeit der ersten Rippe steht in Zusammenhang mit Nackenschmerzen, Schulterproblemen, Armkribbeln, verminderter Atemkapazität und erhöhter Aktivität des Sympathikus.
Ebenso schränken Blockaden der Brustwirbelsäule die Beweglichkeit des Brustkorbs ein. Die Folge: Der Betroffene atmet zwar, kann die Lunge aber nicht vollständig nutzen. Mit der Zeit kann dies die Sauerstoffversorgung verringern und den Energiestoffwechsel stören.
Atmung und das autonome Nervensystem
Wie ich in meinem Buch Duygusal Beyin Bağırsak II ausführlich beschreibe, ist das autonome Nervensystem das wichtigste Gleichgewichtssystem des menschlichen Organismus.
Richtiges Atmen aktiviert den Vagusnerv. Ist der Vagusnerv aktiviert, stabilisiert sich der Herzrhythmus, arbeitet das Verdauungssystem besser, nehmen Entzündungen ab, verbessert sich die Schlafqualität und arbeitet das Gehirn effizienter.
Bei Menschen mit flacher Atmung hingegen bleibt das sympathische Nervensystem dauerhaft aktiv — der Organismus beginnt, unbemerkt in einem Alarmzustand zu leben.
Mitochondrien arbeiten mit Sauerstoff
Mitochondrien gehören heute zu den wichtigsten Bereichen der Alternsforschung. Sie sind die Kraftwerke unserer Zellen und benötigen für die Energieproduktion drei grundlegende Dinge: Sauerstoff, Nährstoffe und eine gesunde zelluläre Kommunikation.
Ist die Sauerstoffversorgung gestört, sinkt die Energieproduktion. Man ermüdet schneller, die muskuläre Leistungsfähigkeit nimmt ab, es kann zu einem „Brain Fog" kommen, und langfristig kann sich der Alterungsprozess beschleunigen. Atmen ist deshalb nicht nur ein Lebenszeichen — es ist der Ausgangspunkt der Energieproduktion.
Die Rolle der Neuraltherapie und der Manuellen Medizin
Die Neuraltherapie nur als Schmerztherapie zu betrachten, wäre ein großes Versäumnis.
Die Neuraltherapie ist eine wichtige Regulationstherapie, die die Regulation des Zwerchfells, die Ausrichtung der thorakalen Segmente, die Verbesserung der Funktion der ersten Rippe und das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems unterstützt.
In Kombination mit manuellen Techniken kann die Beweglichkeit des Brustkorbs erhöht und die natürliche Funktion des Zwerchfells wieder unterstützt werden. Bei vielen Patienten lassen sich allein durch die Regulation von Zwerchfell und Brustwirbelsäule spürbare Verbesserungen der Atemkapazität, des Energieniveaus und der Lebensqualität beobachten.
Das Geheimnis eines langen Lebens liegt vielleicht nur einen Atemzug entfernt
Der moderne Mensch sucht nach besseren Medikamenten, stärkeren Nahrungsergänzungsmitteln, fortschrittlicheren Technologien. Dabei liegt die Lösung manchmal ganz nah: richtig atmen, das Zwerchfell wieder nutzen, das autonome Nervensystem neu ausbalancieren. Denn das Leben selbst beginnt mit einem Atemzug.
Der Weg zu gesundem Altern führt oft genau darüber, diesen Atem richtig nutzen zu lernen.
Vielleicht liegt das größte Geheimnis eines langen Lebens in genau jenem einen Atemzug, den wir jeden Tag nehmen und doch so selten bemerken.
Mehr zur Neuraltherapie und meinen weiteren Behandlungsmethoden finden Sie hier.