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Kolumnen

Wer Nicht Richtig Atmet, Altert Schneller

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 12.08.2026 4 Min. Lesezeit

Der Weg zur Gesundheit führt über das Zwerchfell

Ein Mensch atmet täglich etwa 20.000 bis 25.000 Mal. Weil wir diese Handlung so oft ausführen, bemerken wir ihre Wirkung auf unser Leben meist nicht. Dabei wissen wir heute, dass Atmung weit mehr ist als nur Sauerstoffaufnahme.

Atmung ist einer der grundlegendsten biologischen Vorgänge, der unser Nervensystem, unser Immunsystem, unseren Kreislauf, unseren Stoffwechsel, unser Gehirn und sogar die Geschwindigkeit unseres Alterungsprozesses beeinflusst.

Eines der größten Probleme des modernen Menschen ist nicht mehr mangelnde Bewegung, sondern mangelnde Atmung. Und die meisten Menschen sind sich dessen nicht einmal bewusst.

Die stille Epidemie: Flache Atmung

Heute atmen Millionen Menschen flach, indem sie nur den oberen Teil des Brustkorbs nutzen.

Stunden am Computer, dauerhafter Stress, falsche Sitzhaltungen, Bewegungsmangel sowie chronische Nacken- und Rückenprobleme führen dazu, dass die Atemkapazität allmählich abnimmt. Der Mensch glaubt zu atmen, doch der Organismus leidet unter Sauerstoffmangel.

Dieser Zustand kann über die Jahre chronische Müdigkeit, Schlafstörungen, Konzentrationsschwäche, Angstzustände, Bluthochdruck, Insulinresistenz und chronische Entzündungen begünstigen.

Was viele Menschen heute erleben, ist eigentlich keine Krankheit, sondern eine unzureichende Sauerstoffversorgung.

Das Zwerchfell: Ein vergessenes Organ

Das Zwerchfell ist eine der Strukturen, denen ich in meinem Buch Regüle Yaşam Longevity besondere Aufmerksamkeit widme. Es ist nicht nur ein Atemmuskel, sondern ein biologisches Regulationsorgan im Zentrum des menschlichen Organismus.

Dieser große Muskel zwischen Herz und Bauchorganen:

  • Steuert die Atmung,
  • Unterstützt die Lymphzirkulation,
  • Beeinflusst die Leberfunktion,
  • Verbessert den venösen Rückfluss,
  • Spielt eine regulierende Rolle im vegetativen Nervensystem.

Ein gesund arbeitendes Zwerchfell massiert bei jedem Atemzug die inneren Organe. Es beschleunigt die Lymphzirkulation, unterstützt die Reinigung des Bindegewebes und fördert die Entfernung zellulärer Abfallstoffe. Bei modernen, unter Dauerstress lebenden Menschen arbeitet das Zwerchfell jedoch meist nicht ausreichend.

Warum ist eine Zwerchfelldysfunktion so verbreitet?

Unsere klinischen Beobachtungen der letzten Jahre zeigen, dass bei einem erheblichen Teil der Patienten mit chronischen Schmerzen, Erschöpfung und vegetativen Regulationsstörungen die Beweglichkeit des Zwerchfells eingeschränkt ist.

Zu den Ursachen zählen:

  • Chronischer Stress,
  • Langes Sitzen,
  • Nackenprobleme,
  • Blockaden der ersten Rippe,
  • Funktionsstörungen der Brustwirbelsäule,
  • Bauchoperationen,
  • Alte Traumata.

Solange sich das Zwerchfell nicht bewegt, kann der Organismus auch nicht wirklich atmen.

Die erste Rippe und thorakale Blockaden

Ein funktionelles Störfeld, dem wir in der Klinik häufig begegnen, das aber oft übersehen wird, ist die erste Rippe.

Der Beweglichkeitsverlust der ersten Rippe steht in Zusammenhang mit:

  • Nackenschmerzen,
  • Schulterproblemen,
  • Taubheitsgefühlen im Arm,
  • Verminderter Atemkapazität,
  • Erhöhter sympathischer Nervenaktivität.

Ebenso schränken Blockaden der Brustwirbelsäule die Beweglichkeit des Brustkorbs ein. Die Folge: Der Mensch atmet zwar, kann seine Lungen aber nicht mit voller Kapazität nutzen.

Dies kann mit der Zeit zu einer verminderten Sauerstoffversorgung und einer gestörten Energiestoffwechsellage führen.

Atmung und das vegetative Nervensystem

Wie ich in meinem Buch Duygusal Beyin Bağırsak II ausführlich beschreibe, ist das vegetative Nervensystem das wichtigste Gleichgewichtssystem des menschlichen Organismus.

Richtiges Atmen aktiviert den Vagusnerv. Wenn der Vagusnerv aktiviert ist:

  • Reguliert sich der Herzrhythmus,
  • Arbeitet das Verdauungssystem besser,
  • Nimmt die Entzündung ab,
  • Verbessert sich die Schlafqualität,
  • Arbeitet das Gehirn effizienter.

Bei Menschen mit flacher Atmung hingegen bleibt das sympathische System dauerhaft aktiv. Der Organismus beginnt, unbemerkt im Alarmzustand zu leben.

Mitochondrien arbeiten mit Sauerstoff

In der heutigen Altersforschung sind Mitochondrien eines der wichtigsten Themengebiete. Mitochondrien sind die Energiekraftwerke unserer Zellen.

Um Energie zu erzeugen, benötigen sie drei grundlegende Dinge: Sauerstoff, Nährstoffe und eine gesunde zelluläre Kommunikation.

Ist die Sauerstoffversorgung gestört, sinkt die Energieproduktion. Der Mensch ermüdet schneller. Die Muskelleistung nimmt ab. Es kann zu geistiger Benebelung kommen. Langfristig kann sich der Alterungsprozess beschleunigen. Atmen ist deshalb nicht nur ein Lebenszeichen, sondern der Ausgangspunkt der Energieproduktion.

Die Rolle der Neuraltherapie und der Manuellen Medizin

Die Neuraltherapie nur als Schmerzbehandlung zu betrachten, wäre ein großer Irrtum.

Die Neuraltherapie ist eine wichtige Regulationsbehandlung, die die Regulation des Zwerchfells, die Ausrichtung der thorakalen Segmente, die Verbesserung der Funktion der ersten Rippe und die Balance des vegetativen Nervensystems unterstützt.

In Kombination mit manualmedizinischen Anwendungen kann die Beweglichkeit des Brustkorbs erhöht werden. Die natürliche Funktion des Zwerchfells kann neu unterstützt werden. Bei vielen Patienten zeigen sich allein durch die Regulation von Zwerchfell und Brustwirbelsäule deutliche Verbesserungen der Atemkapazität, des Energieniveaus und der Lebensqualität.

Das Geheimnis eines langen Lebens liegt vielleicht nur einen Atemzug entfernt

Der moderne Mensch sucht nach besseren Medikamenten. Er sucht nach stärkeren Nahrungsergänzungsmitteln. Er sucht nach fortschrittlicheren Technologien. Dabei liegt die Lösung manchmal ganz nah: richtig atmen, das Zwerchfell wieder nutzen, das vegetative Nervensystem neu ausbalancieren. Denn das Leben selbst beginnt mit einem Atemzug.

Der Weg zu gesundem Altern führt oft genau darüber, diesen Atemzug richtig zu nutzen.

Vielleicht liegt das größte Geheimnis eines langen Lebens genau in jenem einen Atemzug, den wir jeden Tag nehmen, aber selten bemerken.

Neuraltherapie und weitere Behandlungsmethoden von Prof. Dr. Hüseyin Nazlıkul finden Sie hier.