İçeriğe geç
Behandlungsmethode

Neuraltherapie

07.10.2023

Die Neuraltherapie ist eine Regulationsbehandlung, also eine ordnende Therapie, die mithilfe lokalanästhetischer Substanzen durchgeführt wird.

Der menschliche Körper ist ein elektrischer Körper. Unser gesamter Organismus bildet ein Netzwerk mit einer Länge von bis zu 500.000 km. Erregbare Gewebe zeigen die Fähigkeit, auf einen beliebigen Reiz hin die elektrische Eigenschaft der Zellmembranen zu verändern, ein Aktionspotenzial zu erzeugen und weiterzuleiten. Nerven- und Muskelgewebe sind erregbare Gewebe. An den Zellmembranen unterscheidet man zwei Arten von Potenzialen: das Ruhepotenzial und das Aktionspotenzial. Das Ruhepotenzial ist jenes Potenzial, das entsteht, solange die Zellen keine Arbeit verrichten, durch die unterschiedliche Verteilung der Ionen innerhalb und außerhalb der Zelle; das Aktionspotenzial hingegen ist die Abfolge von Potenzialveränderungen an der Membran, die entstehen, während die Zellen aktiv sind und bestimmte Ionen in die Zelle hinein- bzw. aus ihr herausströmen.

Erregbare Gewebe erzeugen das Aktionspotenzial und leiten die durch diese Potenzialveränderung entstehende elektrische Aktivität entlang ihrer Membranen weiter. Bei Nervenzellen dient diese entstehende elektrische Aktivität ausschließlich der Weiterleitung.

Eine Zelle, deren Membraninneres im Ruhezustand negativer geladen ist als das Äußere, erreicht bei Stimulation durch einen beliebigen Reiz innerhalb von Millisekunden einen positiven Wert des Ruhepotenzials. Dieser Zustand, bei dem das Membranpotenzial im Inneren positiver wird als außen, wird als Depolarisation bezeichnet. Das Membranpotenzial verbleibt jedoch nicht in diesem Zustand, sondern kehrt innerhalb kürzester Zeit wieder zum ursprünglichen Ruhepotenzial zurück. Diese Rückkehr des Membranpotenzials von der Depolarisation zum Ruhepotenzial wird als Repolarisation bezeichnet. Das Aktionspotenzial besteht aus Depolarisation und Repolarisation.

Das Ruhepotenzial einer gesunden Zelle liegt zwischen -40 und -90 mV. Bei einer erkrankten Zelle ist das Ruhepotenzial jedoch niedriger, wodurch die Erregungsleitung fehlt. Alle Lokalanästhetika hyperpolarisieren das zelluläre Aktionspotenzial mit einer Kraft von -290 mV und bringen die Zelle wieder auf einen Wert zwischen -40 und -90 mV, also auf ein leitungsfähiges Potenzial, und versetzen die Zelle so erneut in einen funktionsfähigen Zustand. Auf diese Weise wird aus der erkrankten Zelle wieder eine gesunde Zelle.

Die Neuraltherapie ermöglicht die Stimulation und Regulation des vegetativen (autonomen) Nervensystems, das in unserem Körper ein sehr weitreichendes elektrisches Netzwerk bildet. Durch die in der Neuraltherapie an bestimmten Stellen verabreichte Lokalanästhetika-Injektion werden im Körper drei Zirkulationssysteme reguliert: die Blutzirkulation, die Lymphzirkulation und die Nervenleitung. Steigt die Durchblutung, also die Perfusion eines Gewebes, wird dieses Gewebe besser ernährt; steigt die Lymphzirkulation, wird das Gewebe von Stoffwechselprodukten befreit, also gereinigt; und ein Gewebe mit gesteigerter, regulierter Nervenleitung arbeitet geordneter. Ein ernährtes, gereinigtes und geregelt gesteuertes Gewebe verfügt folglich über eine gesteigerte Selbstheilungskapazität.

Das Grundprinzip der Neuraltherapie ist die Regulation. Ihre Indikationen betreffen daher die Regulation einer vorhandenen Struktur. Ein anatomischer Defekt oder eine genetische Störung stellt keine Indikation für die Neuraltherapie dar.

Diese 1940 in Deutschland entwickelte und in Europa weit verbreitete ärztliche Behandlungsmethode (Neuraltherapie) ist nicht nur eine nachhaltig wirksame Therapieform, sondern zugleich eine Methode der Präventivmedizin. Denn die Grundpathologie aller Erkrankungen – von Krebs über einfache Schmerzen bis hin zu viralen Erkrankungen wie Grippe oder Allergien – ist dieselbe: In allen erkrankten Geweben oder Körperbereichen sind Perfusion, lymphatische Drainage und Innervation gestört. Die Neuraltherapie ist eine Methode, die durch die Regulation dieser Systeme sowohl bei der Bekämpfung von Erkrankungen als auch bei der Erhaltung der Gesundheit (Präventivmedizin) sehr wirksam eingesetzt wird.

Nach einer ausführlichen, zeitbezogenen Anamnese, Messungen und Untersuchung unter der Leitung von Hüseyin NAZLIKUL, M.D., PhD. in unserer Klinik beginnen wir, sofern die Neuraltherapie im vorliegenden Fall einen Beitrag leisten kann, mit 3 Sitzungen Neuraltherapie. Idealerweise achten wir darauf, dass zwischen den Sitzungen 72 Stunden liegen. In der darauffolgenden vierten Sitzung bewerten wir anhand der wiederholten Messergebnisse, ob der Körper auf die Neuraltherapie anspricht, und – falls ja – zu welchem ungefähren Prozentsatz eine Veränderung eingetreten ist; darauf aufbauend legen wir unseren weiteren Behandlungsplan fest. Die Neuraltherapie ist ein sicheres Behandlungsverfahren, das abgesehen von kleinen Blutergüssen an den Einstichstellen keine bleibenden Nebenwirkungen aufweist.

WAS BEHANDELN WIR MIT DER NEURALTHERAPIE?

BEI WEM KANN DIE NEURALTHERAPIE ANGEWENDET WERDEN?

  • Die Neuraltherapie kann bei Patienten jeden Alters angewendet werden, einschließlich Kindern und älteren Menschen.

  • Erkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes oder Herzerkrankungen sowie die vom Patienten eingenommenen Medikamente stellen kein Hindernis für die Behandlung dar.

  • Lediglich bei Patienten, die Kortison einnehmen, ist die Wirksamkeit der Behandlung verringert, da der Körper insgesamt unterdrückt ist.

  • Bei Einnahme des Blutverdünners Coumadin sollte bei manchen Anwendungen vorsichtig vorgegangen werden. In der Regel bestehen bei Anwendungen an der Haut keinerlei Bedenken.

Hat die Neuraltherapie Nebenwirkungen?

  • Die seit über achtzig Jahren im Westen angewendete Neuraltherapie weist keine bekannten Nebenwirkungen auf.

  • Die als natürliche Behandlung geltende Neuraltherapie ist keine medikamentöse Therapie. Genutzt wird der Reiz, den die kurz wirksame Lokalanästhetikums-Substanz in der Nadel auf das vegetative Nervensystem ausübt. Sobald die Nadel in die Haut eingebracht wird, breitet sich dieser Reiz im Nervennetz aus, und alte Nervenschäden werden bioelektrisch korrigiert.

  • Sie sollte nicht mit den von manchen Ärzten durchgeführten Injektionsbehandlungen verwechselt werden. Bei anderen Behandlungen wird dem Gewebe ein Medikament zugeführt. Bei der Neuraltherapie hingegen werden die Nadeln überwiegend in die Haut gesetzt, um einen positiven Reiz zu erzeugen.

  • In der Neuraltherapie werden ausschließlich die Lokalanästhetika Procain und Lidocain eingesetzt. Genutzt wird dabei nicht deren betäubende Wirkung, sondern ihre bioelektrische Wirkung. Procain ist dabei das am kürzesten wirksame Lokalanästhetikum. Seine Wirkdauer beträgt 15–20 Minuten. Aus diesem Grund können selbst Schwangere und stillende Mütter problemlos behandelt werden.

Verwendete Quellen:

•    Nazlikul, H: Neuraltherapie Lehrbuch
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas
•    L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
•    James W. McNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie
•    Fischer, L. et al.: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie