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Was hilft bei Kopfschmerzen – Kopfschmerzen sind kein Schicksal! Kopfschmerzen sind nach…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 18.04.2021 7 min read
Was hilft bei Kopfschmerzen – Kopfschmerzen sind kein Schicksal! Kopfschmerzen sind nach Rückenschmerzen die zweithäufigste Schmerzform. Sowohl Kinder als auch Erwachsene leiden unter Kopfschmerzen.
Kopfschmerzen sind nach Rückenschmerzen die zweithäufigste Schmerzform. Sowohl Kinder als auch Erwachsene leiden unter Kopfschmerzen.

Kopfschmerzen sind nach Rückenschmerzen die zweithäufigste Schmerzform. Sowohl Kinder als auch Erwachsene leiden unter Kopfschmerzen. Die meisten Kopfschmerzen sind vorübergehend und harmlos. Einfache Schmerzmittel helfen, die Symptome zu lindern.

Migräne, schwere chronische Kopfschmerzen und Kopfschmerzen als Symptom einer ernsthaften Erkrankung erfordern jedoch eine spezielle Behandlung.

Es sind rund 220 verschiedene Kopfschmerztypen beschrieben worden. Der Spannungskopfschmerz als häufigste Form und die Migräne gehören zu den am häufigsten auftretenden.   

Beim primären Kopfschmerz gibt es keine erkennbare Ursache, er kann jedoch durch Auslöser wie Stress, Flüssigkeitsmangel, langes Starren auf den Bildschirm und Rauchen auftreten. Sekundäre Kopfschmerzen entstehen durch bestimmte Erkrankungen (z. B. Bluthochdruck, Infektionen, Sinusitis), Traumata (insbesondere im Kopfbereich), Medikamenteneinnahme oder den Entzug eines lange eingenommenen Medikaments.

Bei Kopfschmerzen, die wochenlang anhalten, von Übelkeit, Erbrechen, Fieber oder Nackensteife begleitet werden, nach einem Kopftrauma plötzlich auftreten oder mit Sehstörungen, Hörverlust und Geräuschempfindlichkeit einhergehen, sollte ein Arzt aufgesucht werden. 

Die Diagnose erfolgt durch Anamnese, körperliche und neurologische Untersuchung, Bluttests, bildgebende Verfahren, Liquoruntersuchung sowie durch einen Augenarzt, Neurologen, Zahnarzt, Arzt für Neuraltherapie und Regulationsmedizin oder HNO-Facharzt.

Je nach Art und Schwere der Kopfschmerzen werden zur Behandlung Medikamente (wie Schmerzmittel), Neuraltherapie, Regulationsmedizin und Komplementärmedizin (z. B. Akupunktur, Manualmedizin, Manuelle Therapie, Phytotherapie, Homöopathie), psychotherapeutische Ansätze, Bewegung und stressreduzierende Methoden eingesetzt.

Eine gesunde und ausgewogene Ernährung, guter und ausreichender Schlaf, ausreichende Flüssigkeitszufuhr, der Verzicht auf Alkohol und Nikotin, ein reduzierter Kaffeekonsum, regelmäßige Bewegung, richtige Atemtechniken, Stressmanagement und Entspannungsübungen sind wirksam bei der Vorbeugung von Kopfschmerzen.

SCHAUEN WIR UNS DEN KOPFSCHMERZ ETWAS GENAUER AN

Kopfschmerzen können langsam oder plötzlich einsetzen. Sie können dumpf, stechend und unterschiedlich stark sein. Während leichte Kopfschmerzen von manchen Menschen toleriert werden, können andere sie kaum ertragen und nehmen diese chronisch gewordenen Schmerzen als Teil ihres Lebens hin.

Kopfschmerzen treten bei Frauen häufiger auf. Während Frauen häufiger unter migräneartigen Kopfschmerzen leiden, tritt der Clusterkopfschmerz häufiger bei Männern auf.

SPANNUNGSKOPFSCHMERZ

Der Spannungskopfschmerz kann leicht, mittelschwer oder stark sein. Die Intensität des Spannungskopfschmerzes nimmt langsam zu. Der Schmerz beginnt im Nacken und tritt auf beiden Kopfhälften auf; er kann bestimmte Bereiche wie Stirn, Schläfe oder Scheitel betreffen.

Spannungskopfschmerzen sind dumpf und erzeugen einen Druck wie ein enger Helm auf dem Schädel. Der Schmerz dauert zwischen einer halben Stunde und mehreren Tagen. 

Der Spannungskopfschmerz ist der häufigste Kopfschmerztyp. Er nimmt durch epigenetische und Umweltfaktoren zu. Er ist ein starker Kopfschmerz, der durch anhaltende Verspannung der Gesichts-, Kopf- und Nackenmuskulatur infolge emotionaler Belastungen wie übermäßiger Verantwortung, Enttäuschungen sowie finanzieller und familiärer Probleme entsteht.

MIGRÄNE-KOPFSCHMERZ

Migräne kann durchschnittlich 1-6 Mal im Monat auftreten.  Ein Migräneanfall dauert in der Regel 4-72 Stunden. Sie beginnt langsam und meist einseitig, kann später aber auch auf die andere Seite übergehen.

Migräneschmerz wird als Pochen im Kopfbereich beschrieben und in der Regel als mittelstark bis sehr stark empfunden.  Neben dem Kopfschmerz können auch Übelkeit, Erbrechen sowie Geräusch- oder Lichtempfindlichkeit auftreten. 10-15 % aller Migränepatienten erleben vor dem Schmerzanfall eine Aura, die von visuellen und auditiven Störungen begleitet sein kann, wie Lichtblitzen vor den Augen, Kribbeln in Armen und Beinen und Wortfindungsstörungen.

Migräne und Spannungskopfschmerz können gemeinsam auftreten.

MEDIKAMENTENINDUZIERTER KOPFSCHMERZ

Wir beobachten, dass Personen, die bestimmte Medikamente, insbesondere Schmerzmittel, häufig einnehmen, zu Kopfschmerzen neigen. Medikamenteninduzierter Kopfschmerz ist ein mittelstarker bis starker Schmerz, der auf beiden Kopfseiten auftritt. Selten wird er von Übelkeit oder Erbrechen begleitet.

Häufig entsteht ein Teufelskreis: Wegen der Kopfschmerzen wird ein Schmerzmittel eingenommen, doch der Schmerz lässt nicht nach, sondern kann sich sogar verstärken, was die Person beunruhigt. Da die Person nicht vermutet, dass es sich um einen medikamenteninduzierten Kopfschmerz handelt, erhöht sie die Medikamentendosis immer weiter.

Begleitsymptome von Kopfschmerzen:

Übelkeit, Erbrechen, Geräusch- und Lichtempfindlichkeit, Sehstörungen, Angst, Schlafstörungen, Erschöpfung, Sorge oder Depression können Kopfschmerzen begleiten. 

CLUSTERKOPFSCHMERZ

Clusterkopfschmerzen sind sehr starke Schmerzen, die einseitig hinter und um das Auge beginnen. Häufig treten begleitend Tränenfluss, Rötung, Schwellung, Ödem und verstopfte Nase auf.  

Clusterkopfschmerzen nehmen innerhalb weniger Minuten an Intensität zu und dauern in der Regel zwischen 15 Minuten und drei Stunden.

Die genaue Ursache dieser Kopfschmerzen ist nicht vollständig bekannt, doch Alkohol, Zigarettenrauch oder starkes Licht können Attacken auslösen.  

URSACHEN VON KOPFSCHMERZEN

Wie Kopfschmerzen genau entstehen, konnte trotz intensiver Forschung bisher nicht eindeutig geklärt werden. 

Primäre Kopfschmerzen können durch verschiedene Faktoren ausgelöst werden:

  • Stress

  • Unzureichende Flüssigkeitszufuhr

  • Schlecht belüftete Umgebung

  • Langes Sitzen vor dem Computer

  • Wetterwechsel

  • Schlafstörungen

  • Rauchen

  • Alkohol

  • Hormonelles Ungleichgewicht bei Frauen

Sekundäre Kopfschmerzen treten stets im Zusammenhang mit einer Erkrankung auf. Die häufigsten Ursachen sind:

  • Verletzungen von Kopf und Halswirbelsäule

  • Entzündungen; Meningitis, Enzephalitis, Temporalarteriitis (Entzündung der Schläfenarterien), Sinusitis, Zahnfleisch- und Zahnwurzelentzündung

  • Grippe – Virusinfektionen

  • Bronchialasthma, COPD, chronische Bronchitis

  • Bluthochdruck

  • Bandscheibenvorfall in Hals- und Lendenwirbelsäule

  • Myofasziale Triggerpunkte

  • Verspannung der Nackenmuskulatur

  • Unterzuckerung bei Diabetes

  • Trigeminusneuralgie

  • Fazialisneuralgie

  • Gürtelrose

  • Costen-Syndrom

  • Hitze- oder Kälteschock

  • Akutes Glaukom

  • Hirnaneurysma

  • Schlaganfall (ischämischer Schlaganfall oder Hirnblutung)

  • Tumoren im Gehirn oder in der Halswirbelsäule

  • Allergien durch den Verzehr bestimmter Lebensmittel wie Glutamat

  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten

  • Störungen der Darmflora

  • Nitrate in Lebensmitteln

  • Empfängnisverhütende Medikamente

  • Entzugssyndrom

  • Störfelder

WANN SOLLTE BEI KOPFSCHMERZEN EIN ARZT AUFGESUCHT WERDEN?

Wenn Sie selten Kopfschmerzen haben, diese ertragbar sind und nicht lange andauern, helfen in der Regel leichte Schmerzmittel. Wenn dieser Schmerz Ihr Leben negativ beeinflusst, sollten Sie ohne Zeitverlust einen Arzt für Regulationsmedizin und Neuraltherapie aufsuchen.

Wenn der Kopfschmerz plötzlich auftritt und sehr stark ist, kann er das Alarmsignal einer akuten und lebensbedrohlichen Erkrankung im Gehirn sein. Besonders wenn weitere Symptome wie Seh-, Hör- oder Sprachstörungen, Schwäche, Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung oder Bewusstlosigkeit auftreten, ist es wichtig, ohne Zeitverlust einen Neurologen aufzusuchen.

KOPFSCHMERZEN BEI KINDERN

Kinder und Jugendliche leiden ebenso häufig unter Kopfschmerzen wie Erwachsene. Spannungskopfschmerz und Migräne sind in diesen Altersgruppen die am häufigsten auftretenden Kopfschmerztypen. Da es bei Kindern jedoch oft schwierig ist, den Schmerz einzuschätzen, wird stets empfohlen, einen Arzt aufzusuchen. 

KOPFSCHMERZEN IN DER SCHWANGERSCHAFT

Migräne ist in der Schwangerschaft weniger häufig. Bei Schwangeren nimmt die Migränehäufigkeit besonders in den letzten beiden Trimestern ab. Zu Beginn der Schwangerschaft ist die Situation anders. Die hormonellen Veränderungen in den ersten Monaten erhöhen die Anfälligkeit für einfache Kopfschmerzattacken. Die als Präeklampsie bezeichnete Schwangerschaftsvergiftung, die während der Schwangerschaft Kopfschmerzen verursachen kann, ist selten.

Um Ihr Kind nicht zu gefährden, sollten Sie vor der Einnahme von Schmerzmitteln Ihren Arzt konsultieren. Bei Kopfschmerzen und anderen Schmerzen während der Schwangerschaft können Neuraltherapie, Manuelle Therapie und Akupunktur bedenkenlos angewendet werden. Besonders die Neuraltherapie bringt in solchen Fällen großen Nutzen. In Deutschland, der Schweiz und Österreich wird die Neuraltherapie während der Schwangerschaft häufig eingesetzt. Die am häufigsten empfohlenen Schmerzmittel in der Schwangerschaft sind paracetamolhaltige Präparate. Acetylsalicylsäure, Ibuprofen, Diclofenac und ähnliche Antirheumatika sollten während der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. 

Bei Schwangeren werden bei Kopfschmerzen aromatische Produkte (z. B. auf die Schläfen aufgetragenes Pfefferminzöl), Entspannungsübungen und leichte Bewegung an frischer Luft empfohlen.

KONVENTIONELLE MEDIKAMENTÖSE BEHANDLUNG VON KOPFSCHMERZEN

Es gibt einige Medikamente, die für unterschiedliche Kopfschmerztypen eingesetzt werden.

Folgende Medikamente können Spannungskopfschmerzen lindern:

  • Acetylsalicylsäure (ASS)

  • Ibuprofen

  • Naproxen

  • Paracetamol

  • Kombinationspräparate aus Acetylsalicylsäure, Paracetamol und Koffein

  • Antidepressiva

Bei der Wahl des geeigneten Schmerzmittels und der richtigen Dosierung sollten Sie sich mit Ihrem Arzt beraten. 

Nehmen Sie Schmerzmittel nur ein, wenn es notwendig ist. Ein übermäßiger Gebrauch von Schmerzmitteln kann zu einer Abhängigkeit führen und das Risiko für medikamenteninduzierte Kopfschmerzen erhöhen.

Meiner persönlichen Erfahrung nach bringt die medikamentöse Behandlung jedoch häufig kein Ergebnis. Jedes Mal wird eine Erhöhung der Medikamentendosis erforderlich.

Bei Migräne, Spannungskopfschmerz und Clusterkopfschmerz ist die Neuraltherapie eine sehr wirksame Behandlung.

Meiner persönlichen Erfahrung nach spielen neben den in der modernen Medizin beschriebenen Ursachen auch die im Volksmund als Muskelverspannung bezeichneten myofaszialen Triggerpunkte eine sehr wichtige Rolle beim Spannungskopfschmerz. Kopfschmerzen können sehr unterschiedliche Ursachen haben, wie eine Dysfunktion der Halswirbelsäule, eine Facettenblockade, eine Kiefergelenksstörung oder ein Störfeld im Mundraum.

Die Kombination aus Neuraltherapie und Manueller Therapie ist bei der Behandlung von Spannungskopfschmerz sehr wirksam. Auch Akupunktur kann das Ansprechen auf die Behandlung beschleunigen.

Neben der Klassifikation der Migräne in der modernen Medizin gibt es aus Sicht der ganzheitlichen Medizin, der Regulationsmedizin, der Neuraltherapie und der Akupunktur verschiedene Untergruppen.

Unabhängig vom Migränetyp ist es möglich, den Schmerz mit Neuraltherapie zu reduzieren.  Eine Liste der in der Türkei qualifizierten neuraltherapeutisch tätigen Ärzte finden Sie auf der Website www.noralterapi.com.

Verwendete Quellen:

•    Nazlikul, H: Neuraltherapie Lehrbuch 
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas 
•    L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
•    James W. McNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie 
•    Fischer, L. et al.: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie