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Von Bogotá nach Istanbul: Einladung zum V. Weltkongress für Neuraltherapie

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 03.09.2026 10 Min. Lesezeit

Gedanken nach dem IV. Internationalen Kongress für Neuraltherapeutische Medizin

Bogotá – mehr als ein Kongress

Wenn ich nach diesen intensiven Tagen in Bogotá zurückblicke, bleiben mir nicht zuerst Zahlen, Vorträge oder Programmpunkte in Erinnerung. Es sind die Menschen. Die Begegnungen. Die Gespräche zwischen Kolleginnen und Kollegen, die aus unterschiedlichen Ländern und medizinischen Traditionen stammen, haben dennoch sehr schnell eine gemeinsame Sprache gefunden.

Vom 27. bis 30. August 2026 wurde Bogotá für einige Tage zu einem Zentrum der internationalen Neuraltherapie. Der IV. Internationale Kongress für Neuraltherapeutische Medizin hat erneut gezeigt, dass unsere Methode lebendig ist – und sich weiterentwickelt.

Für mich persönlich war dieser Kongress deshalb weit mehr als nur eine wissenschaftliche Veranstaltung. Ich habe dort erneut gespürt, was unsere internationale Gemeinschaft ausmacht: die Bereitschaft zuzuhören, voneinander zu lernen und trotz unterschiedlicher Schulen und Sichtweisen gemeinsam Verantwortung zu übernehmen.

Genau das ist für mich IFMANT.

Unsere Unterschiede müssen uns nicht trennen

Die Neuraltherapie hat sich in verschiedenen Ländern unterschiedlich entwickelt. Das ist eine historische Realität – und ich sehe darin keinen Nachteil.

Lateinamerika verfügt über eine andere Erfahrung und zum Teil auch eine andere Denktradition als Mitteleuropa. Nordamerika bringt wiederum andere medizinische und wissenschaftliche Fragestellungen mit sich. Jede dieser Entwicklungen hat etwas beizutragen.

Kolumbien nimmt dabei einen besonderen Platz ein. Die systemisch-komplexe Betrachtung des Menschen und insbesondere die von Dr. Julio César Payán de la Roche geprägte Tradition haben weit über das Land hinaus Spuren hinterlassen.

Gleichzeitig tragen wir in Europa eine fast hundertjährige klinische Erfahrung in der Neuraltherapie weiter. Heute kommen moderne Neurophysiologie, Schmerzmedizin, Faszienforschung, Immunologie, Biophysik und Regulationsmedizin hinzu.

Für mich besteht unsere Aufgabe nicht darin, eine Tradition gegen eine andere auszuspielen. Wir müssen das Wertvolle bewahren und gleichzeitig den Mut haben, unsere Erfahrungen wissenschaftlich zu überprüfen.

Ich sage es seit vielen Jahren so:

Tradition gibt uns Wurzeln. Wissenschaft gibt uns Zukunft. Wir brauchen beides.

IFMANT wächst – und damit wächst unsere Verantwortung

Bogotá war auch für die Entwicklung der IFMANT ein wichtiger Schritt. Unsere internationale Familie ist größer geworden.

Mit der North American Academy of Neural Therapy (NAANT), der mexikanischen Gesellschaft für Neuraltherapie und der Reiner-Wander-Gesellschaft für Neuraltherapie aus Guatemala sind drei weitere Organisationen aus Nord- und Mittelamerika zu uns gekommen.

Darüber freue ich mich sehr. Aber für mich bedeutet Wachstum nicht in erster Linie, dass wir mehr Mitgliedsgesellschaften zählen können. Wachstum bedeutet Verantwortung.

Wenn wir uns unter dem Dach der IFMANT zusammenschließen, müssen daraus echte Zusammenarbeit, wissenschaftlicher Austausch, vergleichbare Ausbildungsqualität und einheitliche Standards hervorgehen. Eine internationale Föderation darf nicht nur auf dem Papier existieren. Sie muss im Alltag ihrer Mitgliedsgesellschaften spürbar werden.

Ich wünsche mir eine IFMANT, in der wir uns kennenlernen, einander vertrauen, gemeinsam forschen, junge Kolleginnen und Kollegen fördern und voneinander lernen.

BNR – über viele Jahre gewachsene internationale Beziehungen

Dieser Gedanke ist für mich auch eng mit der Geschichte der BNR verbunden.

Als wir vor mehr als zwei Jahrzehnten begonnen haben, die Neuraltherapie in der Türkei strukturiert weiterzuentwickeln, war uns früh klar: Wir dürfen nicht in nationalen Grenzen denken.

Die BNR hat deshalb von Anfang an den internationalen Austausch gesucht. In Istanbul haben wir bislang sechs Neuraltherapie-Kongresse mit internationaler Beteiligung durchgeführt und bereits zwei Weltkongresse der Neuraltherapie veranstaltet.

Darauf bin ich dankbar – nicht wegen der Zahl der Kongresse, sondern wegen dessen, was zwischen diesen Kongressen entstanden ist.

Über Jahre hinweg wurden aus den ersten Begegnungen feste Kontakte. Aus Kontakten wurden Kooperationen. Aus Kooperationen sind Freundschaften zwischen Kolleginnen und Kollegen sowie dauerhafte Beziehungen zwischen unseren Gesellschaften hervorgegangen.

Viele Menschen, die ursprünglich als Referenten oder Teilnehmer nach Istanbul kamen, sind heute langjährige Weggefährten.

Das ist für mich der eigentliche Wert internationaler Kongresse. Ein Kongress dauert einige Tage. Eine gute Beziehung kann Jahrzehnte tragen.

Diese Erfahrung der BNR bringe ich heute auch in meine Arbeit für die IFMANT ein. Denn internationale Zusammenarbeit lässt sich nicht verordnen. Sie muss wachsen. Sie braucht Zeit, Vertrauen, persönliche Begegnung und die Bereitschaft, auch unterschiedliche Meinungen auszuhalten.

Die nächste Generation

Besonders gefreut hat mich in Bogotá die Begegnung zwischen den Generationen.

Auf der einen Seite standen Kolleginnen und Kollegen, die seit Jahrzehnten Neuraltherapie praktizieren, lehren und weiterentwickeln. Auf der anderen Seite sah ich viele junge Ärztinnen und Ärzte, Zahnärztinnen und Zahnärzte, Forschende und Studierende. Das gibt mir Hoffnung.

Wir dürfen der nächsten Generation aber nicht nur Techniken vermitteln. Wir müssen ihr beibringen, Zusammenhänge zu erkennen, Fragen zu stellen und wissenschaftlich zu denken.

Neuraltherapie darf niemals auf eine Sammlung von Injektionstechniken reduziert werden. Ihr Kern liegt für mich im Verständnis von Regulation, Vernetzung und der Individualität des Menschen.

Wenn wir dieses Denken weitergeben und gleichzeitig gute Forschung ermöglichen, hat die Neuraltherapie eine starke Zukunft.

Mein Dank an Bogotá – eine gemeinsame Leistung

Mein besonderer Dank gilt zunächst der Asociación Colombiana de Terapia Neural / Medicina Neuralterapéutica (ACOLTEN/MNT), die als organisierende wissenschaftliche Gesellschaft die Verantwortung für diesen bedeutenden internationalen Kongress übernommen hat.

An erster Stelle möchte ich Dr. Francisco Echandía, dem Präsidenten der ACOLTEN/MNT, meinen herzlichen Dank und meine Anerkennung aussprechen. Eine wissenschaftliche Gesellschaft zu führen und gleichzeitig einen internationalen Kongress dieser Größenordnung mitzutragen, bedeutet Verantwortung, Kontinuität und persönlichen Einsatz. Als Präsident der IFMANT weiß ich aus eigener Erfahrung, wie viel Arbeit hinter einer solchen Aufgabe steckt.

Gleichzeitig möchte ich zwei Kolleginnen besonders hervorheben, deren wissenschaftliches und organisatorisches Engagement während der Vorbereitung und Durchführung dieses Kongresses überall spürbar war: Dra. Laura Bibiana Pinilla Bonilla und Dra. Jazmín Ariza.

Laura Pinilla ist seit vielen Jahren eng mit der Entwicklung der Neuraltherapie in Kolumbien sowie mit der internationalen Zusammenarbeit innerhalb der IFMANT verbunden. Als Gründungsmitglied der ACOLTEN, akademisch engagierte Kollegin und eine der zentralen wissenschaftlichen Persönlichkeiten des Kongresses hat sie wesentlich dazu beigetragen, unterschiedliche Menschen, Länder und neuraltherapeutische Traditionen zusammenzubringen. Auch innerhalb der IFMANT trägt sie Verantwortung und schlägt damit eine wichtige Brücke zwischen Kolumbien, Lateinamerika und unserer internationalen Gemeinschaft.

Dra. Jazmín Ariza, ehemalige Präsidentin der ACOLTEN und Mitglied ihres Akademischen Komitees, hat ebenfalls mit außerordentlichem persönlichem Einsatz, wissenschaftlicher Kompetenz und großer organisatorischer Verantwortung zum Gelingen dieses Kongresses beigetragen. Ihre Verbundenheit mit der Universidad Nacional de Colombia und ihre Arbeit in der akademischen Ausbildung der Neuraltherapie zeigen zugleich, wie wichtig die Verbindung zwischen klinischer Erfahrung, universitärer Lehre und der nächsten Generation für die Zukunft unserer Methode ist.

Francisco, Laura und Jazmín möchte ich deshalb nicht nur persönlich danken. Sie stehen für mich zugleich stellvertretend für ein großes Team von Menschen, das diesen Kongress mitgetragen und ermöglicht hat.

Ein internationaler Kongress dieser Größenordnung ist niemals das Werk eines Einzelnen. Er entsteht durch Zusammenarbeit.

Deshalb gilt mein ausdrücklicher Dank dem gesamten Organisations- und Wissenschaftskomitee der ACOLTEN/MNT, allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie den vielen Menschen, die vor und während des Kongresses sichtbar oder im Hintergrund gearbeitet haben.

Ebenso möchte ich die wichtige akademische Mitwirkung der Universidad Nacional de Colombia würdigen. Die Verbindung einer gewachsenen klinischen Tradition der Neuraltherapie mit universitärer Lehre, wissenschaftlicher Diskussion und Forschung ist aus meiner Sicht ein wichtiger Schritt für die zukünftige Entwicklung unseres Fachgebietes.

Auch die IFMANT – International Federation of Medical Associations of Neural Therapy hat diesen Kongress als internationale Dachorganisation unterstützt. Für mich als Präsident der IFMANT war es deshalb eine besondere Freude, in Bogotá nicht nur als Referent und Workshop-Leiter, sondern vor allem als Teil dieser internationalen Gemeinschaft dabei zu sein.

Gerade darin sehe ich eine der wichtigsten Aufgaben der IFMANT: nicht über den nationalen Gesellschaften zu stehen, sondern sie miteinander zu verbinden. Wir wollen Begegnungen ermöglichen, den wissenschaftlichen Austausch fördern und Brücken zwischen den unterschiedlichen Traditionen der Neuraltherapie bauen.

Bogotá war dafür ein wunderbares Beispiel.

Mein Dank gilt deshalb ebenso allen Referentinnen und Referenten, Workshop-Leitenden, Forschenden und Teilnehmenden aus Kolumbien, Lateinamerika, Europa, Nordamerika und weiteren Teilen der Welt.

Jeder hat etwas aus seiner eigenen Erfahrung in Bogotá mitgebracht – und hoffentlich auch etwas Neues wieder mit nach Hause genommen.

Genauso sollte für mich ein internationaler Kongress sein: wissenschaftlich offen, menschlich verbindend und von gegenseitigem Respekt getragen.

Und vielleicht liegt gerade darin die eigentliche Leistung von Bogotá 2026: Weder eine Person noch eine Gesellschaft noch ein Land standen im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt stand unsere gemeinsame Neuraltherapie.

ACOLTEN/MNT hat dafür den organisatorischen Rahmen geschaffen. Die Universidad Nacional de Colombia hat die akademische Verbindung gestärkt. IFMANT hat die internationale Gemeinschaft zusammengeführt. Und Francisco Echandía, Laura Pinilla, Jazmín Ariza sowie viele weitere Kolleginnen und Kollegen haben mit ihrem persönlichen Einsatz dafür gesorgt, dass aus einer organisatorischen Idee eine lebendige internationale Begegnung entstehen konnte.

Dafür empfinde ich große Dankbarkeit. Und genau diesen Geist sollten wir nun von Bogotá nach Istanbul weitertragen.

Von Bogotá nach Istanbul

Noch während wir Bogotá verlassen, richtet sich mein Blick bereits auf die nächste große Begegnung.

Vom 11. bis zum 13. Juni 2027 wird Istanbul Gastgeber des V. Weltkongresses der Neuraltherapie sein.

Mit den Vorbereitungen haben wir bereits Monate im Voraus begonnen. Die Erfahrungen aus Bogotá werden selbstverständlich in unsere Arbeit einfließen. Aber Istanbul beginnt nicht bei null.

Wir können auf die Erfahrung aus sechs internationalen Neuraltherapie-Kongressen der BNR und zwei bereits in Istanbul ausgerichteten Weltkongressen zurückgreifen. Wir wissen, welche Kraft entsteht, wenn Menschen aus verschiedenen Ländern wirklich miteinander ins Gespräch kommen.

Und ich glaube, dass Istanbul für die nächste Etappe unserer internationalen Gemeinschaft kaum ein passenderer Ort sein könnte.

Istanbul ist selbst eine Brücke

Istanbul verbindet seit Jahrhunderten Kontinente, Kulturen und Menschen. Europa und Asien stehen sich hier nicht nur gegenüber. Sie berühren sich.

Vielleicht berührt mich gerade deshalb die Vorstellung besonders, dass sich 2027 die internationale Neuraltherapie am Bosporus wieder begegnen wird.

Ich wünsche mir einen Kongress, der Europa, Lateinamerika, Nordamerika und Asien zusammenführt. Einen Kongress, bei dem die historischen Wurzeln unserer Methode genauso ihren Platz haben wie die moderne Forschung. Einen Kongress, bei dem erfahrene Kolleginnen und Kollegen mit jungen Forschenden diskutieren. Einen Kongress, der Neuraltherapie und Regulationsmedizin nicht voneinander trennt, sondern ihre gemeinsamen Fragen sichtbar macht.

Istanbul soll kein Kongress sein, bei dem wir nur zeigen, was wir bereits wissen. Wir wollen auch darüber sprechen, was wir noch nicht wissen.

Was wollen wir gemeinsam beantworten?

  • Wie können wir die wissenschaftliche Evidenz der Neuraltherapie weiter stärken?
  • Wie können wir multizentrische Studien über Ländergrenzen hinweg ermöglichen?
  • Wie können wir unsere Curricula aufeinander abstimmen, ohne die gewachsenen Traditionen unserer Gesellschaften zu verlieren?
  • Wie definieren wir gemeinsam Qualität und Sicherheit?
  • Und wie schaffen wir es, junge Ärztinnen und Ärzte für ein medizinisches Denken zu begeistern, das den Menschen nicht auf ein Symptom, ein Organ oder eine Diagnose reduziert?

Das sind für mich keine theoretischen Fragen. Sie werden darüber entscheiden, wo die Neuraltherapie in zehn oder zwanzig Jahren steht.

Deshalb braucht Istanbul 2027 nicht nur gute Referenten. Istanbul braucht Menschen, die bereit sind, miteinander zu denken.

Meine persönliche Einladung

Als Präsident der IFMANT und zugleich der BNR möchte ich deshalb schon heute alle Kolleginnen und Kollegen aus der Neuraltherapie, der Regulationsmedizin und den angrenzenden wissenschaftlichen Disziplinen herzlich nach Istanbul einladen.

Kommen Sie vom 11. bis 13. Juni 2027 nach Istanbul:

  • Bringen Sie Ihre Erfahrung mit.
  • Bringen Sie Ihre Forschung mit.
  • Bringen Sie Ihre Fragen mit.
  • Und bringen Sie auch Ihre kritischen Gedanken mit.

Wir müssen nicht in allem einer Meinung sein. Im Gegenteil: Wissenschaft lebt von Fragen und einem respektvollen Streit um die bessere Antwort.

Was uns verbinden sollte, ist die Verantwortung gegenüber unseren Patientinnen und Patienten sowie der gemeinsame Wunsch, die Neuraltherapie wissenschaftlich fundiert, qualitätsorientiert und sicher weiterzuentwickeln.

Bogotá war ein Anfang. Istanbul wird der nächste Schritt.

Wir kommen aus unterschiedlichen Ländern. Wir sprechen unterschiedliche Sprachen. Unsere medizinischen Biografien und Traditionen unterscheiden sich.

Aber die Neuraltherapie gehört keinem einzelnen Land, keiner einzelnen Gesellschaft und keiner einzelnen Schule. Sie ist ein gemeinsames medizinisches Erbe, das wir bewahren, kritisch prüfen, wissenschaftlich weiterentwickeln und an die nächste Generation weitergeben müssen.

Bogotá hat mir erneut gezeigt, wie viel möglich ist, wenn Menschen bereit sind, einander wirklich zuzuhören. Nun tragen wir diesen Geist weiter.

Von Bogotá nach Istanbul. Von Lateinamerika an den Bosporus. Von gewachsenen Freundschaften zu neuen wissenschaftlichen Kooperationen. Von unserer Geschichte bis zu den Fragen der Medizin von morgen.

Die BNR bringt ihre über viele Jahre hinweg gewachsene internationale Erfahrung ein. Die IFMANT bringt eine immer größere internationale Familie zusammen. Und Istanbul bietet uns einen Ort, an dem sich diese Wege begegnen können.

Darauf freue ich mich persönlich sehr.

Bogotá hat uns verbunden. Istanbul soll uns noch näher zusammenbringen.

Prof. Dr. Hüseyin Nazlıkul
Präsident der IFMANT — International Federation of Medical Associations of Neural Therapy
Präsident der BNR — Bilimsel Nöralterapi ve Regülasyon Derneği