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Chronisch-entzündliche Darmerkrankung – Regulationsmedizinischer, ganzheitlicher und…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 07.03.2021 8 min read
Chronisch-entzündliche Darmerkrankung – Regulationsmedizinischer, ganzheitlicher und neuraltherapeutischer Ansatz Der Begriff entzündliche oder anders ausgedrückt chronisch-entzündliche Darmerkrankung wird verwendet, um den Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa zusammenzufassen.
Der Begriff entzündliche oder anders ausgedrückt chronisch-entzündliche Darmerkrankung wird verwendet, um den Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa zusammenzufassen.  

Zu den häufigen Symptomen gehören Durchfall, Blutverlust im Darm und Bauchschmerzen. In der Regel lassen sich die beiden Erkrankungen jedoch unterscheiden. Die Ursache wird heute als eine "Fehlregulation" des mukosalen Immunsystems angesehen. Dies wird als eine unzureichende Reaktion auf eine Bakterieninvasion gesehen, wenn die chemische Schleimhautbarriere gestört ist

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED) sind systemische chronische Erkrankungen, die den Gastrointestinaltrakt betreffen, deren Ätiologie noch nicht vollständig geklärt ist und die die Lebensqualität der Patienten erheblich beeinträchtigen.

Die Pathogenese der CED ist multifaktoriell und bis heute nicht vollständig aufgeklärt. Ein besseres Verständnis des Mechanismus der Gewebeschädigung und der molekularen Mediatoren hat gezeigt, dass genetische, infektiöse, immunologische und entzündliche Faktoren in der Pathogenese der Erkrankung eine wichtige Rolle spielen.

Die chronisch-entzündliche Darmerkrankung (CED) ist eine chronische Erkrankung, die durch eine Darmentzündung gekennzeichnet ist, die durch schwer heilende Schleimhautulzerationen des Gastrointestinaltrakts ausgelöst wird.

CED ist eine systemische Erkrankung mit sehr ernsten Auswirkungen auf das Gastrointestinalsystem, die die Lebensqualität des Patienten stark beeinträchtigt. Es handelt sich um Erkrankungen, die den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betreffen können und zu erheblicher Mortalität und Morbidität führen können. Die Menschen am stärksten betreffenden CED-Formen werden unter zwei Hauptüberschriften zusammengefasst: Colitis ulcerosa (CU) und Morbus Crohn (MC).

Morbus Crohn und Colitis ulcerosa: Unterschiede

Morbus Crohn kann den gesamten Verdauungstrakt vom Mund bis zum After betreffen, während sich die Colitis ulcerosa auf den Dickdarm beschränkt. Bei der Colitis ulcerosa beginnt die Entzündung im Rektum (das Rektum ist der 20 cm lange Darmabschnitt vor dem After) und breitet sich, während die Erkrankung mit einem wiederkehrenden (schubweisen) Verlauf fortschreitet, kontinuierlich auf den Rest des Kolons aus – ein Muster, das durch Koloskopie leicht zu erkennen ist.

Die bevorzugte Lokalisation beim Morbus Crohn ist der Übergangsbereich vom Dünndarm zum Dickdarm. Ein weiterer Begriff für Morbus Crohn ist daher terminale Ileitis. Denn der unterste Abschnitt des Dünndarms wird als Ileum bezeichnet, und der letzte Abschnitt des Ileums vor dem Übergang zum Dickdarm wird terminales Ileum genannt. Die Endung -itis im Begriff Ileitis weist auf eine Entzündung hin. (Beispiele: Arthritis (Gelenkentzündung), Bronchitis (Entzündung der Bronchien), Gastritis (Entzündung der Magenschleimhaut) usw.).

Beim Morbus Crohn kann die Entzündung auch gleichzeitig in mehreren Abschnitten des Verdauungstrakts auftreten. Häufig sind terminales Ileum und Rektum gleichzeitig entzündet.

Morbus Crohn betrifft alle Schichten der Darmwand. Bei der Colitis ulcerosa ist nur die innere Schicht der Schleimhaut (Dickdarmwand) betroffen. Beide Erkrankungen können mitunter in erschreckendem Ausmaß auftreten und in manchen Fällen das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Diagnose der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung

Bei der Diagnose einer entzündlichen Darmerkrankung müssen andere Darmerkrankungen wie bakterielle oder virale Darmentzündungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten, Nahrungsmittelallergien oder das Reizdarmsyndrom zunächst ausgeschlossen werden.

Für die Diagnose der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung gibt es keine einzelne Untersuchungsmethode. 

  • Anamnese: Eine ausführliche Anamnese (Befragung – einschließlich Familienanamnese) und körperliche Untersuchung sind daher sehr wichtig.
  • Allergie- und Nahrungsmittelunverträglichkeitstests.
  • Bluttest / Blutbild: Entzündungswerte im Blut (CRP-Wert, Blutsenkungsgeschwindigkeit, Anzahl der weißen Blutkörperchen).
  • Stuhluntersuchung
  • Ultraschall: Im Ultraschall kann man eine Verdickung der Darmwand (die zu Verengungen führt) erkennen und feststellen, welche Darmabschnitte betroffen sind.
  • Magen- und Koloskopie / Endoskopie mit oder ohne Biopsie
  • MRT und CT: Die MRT (Magnetresonanztomographie) kann ebenfalls zu diagnostischen Zwecken eingesetzt werden. Um die Patienten vor erhöhter Strahlenbelastung zu schützen, wird eine CT (Computertomographie) nicht empfohlen.
  • Röntgenaufnahmen kommen nur bei Verdacht auf ein toxisches Megakolon zum Einsatz (siehe nächster Abschnitt).

Klassische Behandlung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung (CED)

Ziel der Behandlung der CED ist die Verbesserung der klinischen Laborwerte, der Schleimhaut und der Lebensqualität. Die konventionelle Behandlung reicht nicht aus, um die durch die Erkrankung bedingten Komplikationen zu beheben. Deshalb sollten neue Behandlungsansätze so früh wie möglich begonnen werden.

Aus moderner medizinischer Sicht werden chronisch-entzündliche Darmerkrankungen heute überwiegend als Autoimmunerkrankungen betrachtet. Das bedeutet: Bestimmte Teile des Immunsystems greifen das körpereigene Gewebe an, in diesem Fall die Darmschleimhaut / Darmwand.

Der klassische Ansatz umfasst hauptsächlich:

  • Ernährungstherapie
  • Medikamentöse Therapie
  • Chirurgische Therapie

Bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung ist ein regulationsmedizinischer, ganzheitlicher Ansatz erforderlich

Der regulationsmedizinische Ansatz und ganzheitliche Maßnahmen können die Symptome der entzündlichen Darmerkrankung häufig lindern und symptomfreie Phasen verlängern, weshalb sie stets zusammen angewendet werden sollten. In manchen Fällen wurden Patienten, insbesondere durch die Kombination mit Neuraltherapie, dauerhaft symptomfrei, was als geheilt bezeichnet werden kann.

Um die richtige individuelle Lösung zu finden, ist es wichtig, auch die möglichen Ursachen der entzündlichen Darmerkrankung zu betrachten. Denn im Ansatz der Regulationsmedizin erfolgt die ganzheitliche Heilung am besten nicht durch Unterdrücken oder Behandeln der Symptome, sondern durch Beseitigung der Ursachen.

Die oben genannten möglichen Ursachen führen zu ersten Maßnahmen, um chronisch-entzündliche Darmerkrankungen zu lindern, nämlich: 

  • Gutes Stressmanagement
  • Meiden von Dingen, die der Darmflora oder der Darmschleimhaut schaden können (ungesunde Ernährung, Alkohol, Süßigkeiten, Rauchen, Antibiotika usw.)
  • Meiden von Weichmachern
  • Ausreichende Einnahme von Vitamin C und Vitamin D
  • Kontrolle und Korrektur von Nährstoffmängeln
  • Kontrolle auf mögliche Quecksilberbelastung und ggf. Ausleitung von Quecksilber (oder anderen Schwermetallen); Rücksprache mit einem Zahnarzt (bei Amalgamfüllungen) und/oder einem Umweltmediziner

Behandlung der chronisch-entzündlichen Darmerkrankung mit Neuraltherapie

Wenn eine Person nicht auf die medikamentöse Behandlung anspricht, bleibt die CED ein bedeutendes Problem. Dafür ist ein Paradigmenwechsel notwendig.

Bei chronischen Erkrankungen wie der CED ist die neurogene Entzündung ein gemeinsames Merkmal. Die neurogene Entzündung ist ein physiologischer Prozess, bei dem Mediatoren direkt aus den kutanen Nerven freigesetzt werden, um eine entzündliche Reaktion auszulösen. Diese führen zu lokalen Entzündungsreaktionen wie Erythem, Schwellung, Temperaturanstieg, Berührungsempfindlichkeit und Schmerz. Dünne, unmyelinisierte afferente somatische C-Fasern, die auf niederintensive mechanische und chemische Stimulation reagieren, sind größtenteils für die Freisetzung von Entzündungsmediatoren und die Auslösung einer Reihe von Entzündungsreaktionen verantwortlich. Obwohl neurogene Entzündung und immunologische Entzündung gleichzeitig vorliegen können, sind sie klinisch nicht identisch. Die neurogene Entzündung steht in direktem Zusammenhang mit dem Nervensystem und den entzündlichen Reaktionen

Die Neuraltherapie ist eine Regulationstherapie, bei der sehr geringe Mengen eines lokalanästhetischen Wirkstoffs (Procain oder Lidocain) verwendet werden. In der Neuraltherapie werden durch die an bestimmten Stellen applizierten Lokalanästhetika über das vegetative System im Körper 3 Hauptsysteme reguliert: der Blutkreislauf, der Lymphkreislauf und das Nervenleitungssystem. Wenn die Durchblutung, das heißt die Perfusion eines Gewebes zunimmt, beginnt das Gewebe wieder ernährt zu werden. Wenn die Lymphzirkulation zunimmt, wird das Gewebe von Toxinen befreit, und ein Gewebe mit verbesserter Nervenleitung und Regulation arbeitet regelmäßiger und effizienter. Somit steigt die Selbstheilungsfähigkeit eines ernährten, gereinigten, regulierten und mit korrekten Befehlen versorgten Gewebes

Der Inhalt der klassischen CED-Therapie besteht größtenteils aus einem pharmakologischen Ansatz und, in fortgeschrittenen Fällen, aus einer chirurgischen Behandlung. Es hat sich gezeigt, dass dies nicht den erwarteten Erfolg zeigt. 

Um in der Behandlung erfolgreich zu sein, ist ein neuer Ansatz und ein Paradigmenwechsel erforderlich. Ein auf die Ursache der CED gerichteter Ansatz ist unerlässlich. Der Hauptansatz sollte das enterische Nervensystem, das vegetative Nervensystem (VNS), die sympathische Belastung sowie die Belastung des Bindegewebes zusammen mit Ernährung, Bewegung, Stressmanagement, pflanzlichen Arzneimitteln und Selbsthilfestrategien umfassen. Für weitere Informationen siehe mein Buch „Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich“.

Der Schweregrad chronischer Erkrankungen nimmt mit der Dauer des Verlaufs zu. Damit die Fähigkeit des Organismus zur Selbstheilung funktioniert, muss der Regulationsmechanismus gut arbeiten. Damit das Grundregulationssystem gut funktioniert, muss es so weit wie möglich von Toxinen und gebundenen Säuren befreit sein. Hierfür sollten Heilfasten und eine Entgiftungsdiät durchgeführt werden. Um die Ausscheidung von Toxinen zu fördern, sollte eine segmentale Therapie der Reflexzonen der Entgiftungsorgane Leber und Niere durchgeführt werden.

Darüber hinaus ist eine alkalische Ernährung für die Säure-Basen-Regulation unerlässlich. Rauchen ist absolut untersagt

Bei der Behandlung der CED gibt es neben der medikamentösen Behandlung verschiedene Therapieoptionen zur Regulierung des Darms. Phytotherapeutische Unterstützung und das Weglassen von Nahrungsmitteln, gegen die anhand von Nahrungsmittelunverträglichkeitstests eine Empfindlichkeit festgestellt wurde, sind sehr wichtig. Zur Beseitigung der Dysbiose ist neben Probiotika zur Korrektur der richtigen Flora auch die Neuraltherapie-Regulationsmedizin-Behandlung unerlässlich.

Bei einer durch ein Ungleichgewicht der Darmflora (Dysbiose) verursachten Darmentzündung ist die Ernährung ein wichtiger Bestandteil der Behandlung. Der Grund dafür ist, dass Patienten durch eine gesunde, ballaststoffreiche Ernährung das Wachstum der "guten" Bakterien aktiv fördern können. Für weitere Informationen siehe mein Buch „Der emotionale Darm-Hirn“. 

Das hohe Nebenwirkungspotenzial und die hohen Kosten der bei CED eingesetzten Medikamente sind ebenfalls berechtigte Gründe für die Integration des Neuraltherapie-Regulationsmedizin-Ansatzes in die Behandlung. Aus unserer klinischen Erfahrung erzielen wir bei vielen CED- und anderen entzündlichen Erkrankungen, die seit langer Zeit keine Remission erreicht haben und deren chronische Beschwerden fortbestehen, klinisch sehr erfolgreiche Ergebnisse. Damit diese Arbeiten Eingang in die medizinische Literatur finden können, müssen die Ergebnisse durch experimentelle Studien und Laborergebnisse mit einer größeren Anzahl von Studien untermauert werden. Wir finden es vielversprechend, dass in unserem Land inzwischen Studien in diese Richtung durchgeführt werden bzw. durchgeführt wurden.

Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen werden stufenweise behandelt. Zu diesem Zweck werden überwiegend Medikamente eingesetzt, die das Immunsystem unterdrücken und so die Reaktion des Körpers unter Kontrolle halten. Zu diesen Medikamenten gehört beispielsweise Kortison, das zur Behandlung akuter Schübe eingesetzt wird, doch haben diese Medikamente langfristig viele Nebenwirkungen und zeigen im eigentlichen Sinne nicht den in der Behandlung erwarteten Erfolg.

CED ist recht verbreitet. Um die Symptome bestmöglich zu beseitigen, ist es wichtig, die Auslöser und typischen Symptome der Darmentzündung zu kennen, da je nach Ursache viele verschiedene Behandlungsmethoden zur Verfügung stehen, und dafür besteht ein echter Bedarf an einer ursachenorientierten Regulationsmedizin und Neuraltherapie.

Verwendete Quellen:

•    Nazlikul, H: Neuraltherapie-Lehrbuch 
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barops (Übersetzer H. Nazlikul) Neuraltherapie-Atlas 
•    L. Fischers  (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam) Neuraltherapie-Buch
•    James W. NcNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam) Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie 
•    Fischer, L et al: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie