Wie wirkt die Neuraltherapie? Die Neuraltherapie ist eine Regulationstherapie, bei der ein…

Der menschliche Körper ist ein elektrischer Körper. Unser gesamter Körper ist von einem Netzwerk umgeben, dessen Länge bis zu 500.000 km beträgt. Erregbare Gewebe zeigen die Fähigkeit, auf einen beliebigen Reiz hin die elektrische Eigenschaft der Zellmembranen zu verändern, ein Aktionspotenzial zu erzeugen und dieses weiterzuleiten. Nerven- und Muskelgewebe sind erregbare Gewebe.
Die Neuraltherapie gewährleistet die Stimulation und Regulation des vegetativen (autonomen) Nervensystems, das in unserem Körper eine sehr weitreichende elektrische Netzwerkstruktur bildet. Durch die an bestimmten Stellen applizierte Injektion eines Lokalanästhetikums in der Neuraltherapie werden im Körper 3 Kreisläufe reguliert: der Blutkreislauf, der Lymphkreislauf und die nervale Leitung.
Wenn die Durchblutung, also die Perfusion eines Gewebes, zunimmt, wird dieses Gewebe ernährt; wenn die Lymphzirkulation zunimmt, wird das Gewebe von Stoffwechselprodukten befreit, also gereinigt, und ein Gewebe mit gesteigerter und regulierter Nervenleitung arbeitet regelmäßiger.
Somit steigt die Selbstheilungsfähigkeit eines ernährten, gereinigten und mit regelmäßigen Befehlen versorgten Gewebes.
Was ist Neuraltherapie?
Die Neuraltherapie ist eine Behandlungsform, die zur Therapie akuter und chronischer Erkrankungen eingesetzt wird und bei der Lokalanästhetika verwendet werden. Als Lokalanästhetikum wird in der Regel Procain oder Lidocain bevorzugt. Bei dieser Behandlungsform erzeugt der Körper eine Reaktion, indem er sein eigenes vegetatives/autonomes Nervensystem nutzt. Durch die Injektion von Lokalanästhetika heilt sich der Körper auf natürliche Weise selbst.
Bei der Neuraltherapie werden Lokalanästhetika (in der Regel Procain) an genau definierten Körperstellen appliziert, wodurch versucht wird, eine positive Durchblutung im Körper zu erzielen. Infolgedessen beginnt der Körper den Prozess der Selbstheilung, und die Krankheitssymptome beginnen sich zurückzubilden. Die Neuraltherapie ist deshalb die effektivste natürliche Behandlungsoption.
Die grundlegende Logik der Neuraltherapie ist die Regulation. Ein anatomischer Defekt oder eine genetische Störung gehören nicht zu den Indikationen der Neuraltherapie. Die Neuraltherapie gewährleistet demnach die Regulation der vorhandenen Struktur.
Segmenttherapie
Nach der Segmenttheorie sind bestimmte Hautareale über Nerven-Reflexbahnen mit bestimmten inneren Organen verbunden. Reize im Zielhautareal bewirken eine positive Regulation im geschädigten Organ und leiten den Prozess der Selbstheilung des Organs ein. Die Segmenttherapie erfolgt durch direkte Injektion und Infiltration von Lokalanästhetika in die Hautoberfläche. Dabei kann eine kurzfristige Reaktion auf der Haut entstehen.
Bei der Segmenttherapie können auch intravenöse und intraarterielle Injektionen in Muskeln sowie in Nerven und Ganglien verabreicht werden. Procain trägt zur Durchblutung bei und zeigt eine entzündungshemmende Wirkung. Zeigt diese Form der Neuraltherapie keinen Nutzen, wird zur Behandlung des Störfelds übergegangen.
Störfeldtherapie
In der Neuraltherapie gibt es je nach Schmerzart unterschiedliche Behandlungsformen. Schmerzen können durch Schädigungen in Störfeldern zunehmen. Diese chronischen Schmerzen breiten sich über das vegetative Nervensystem im gesamten Organismus aus und blockieren den Heilungsprozess. Störfelder entstehen infolge verschiedener Entzündungen und erzeugen Impulse. Diese Impulse können in Segmenten oder anderen Organen Schmerzen oder eine chronische Beschwerde verursachen. Häufig bekannte Störfelder sind geschädigte Zähne, lange offene Wunden und Ähnliches. Dieser Prozess endet mit der Injektion von Lokalanästhetika. Eine weitere erfolgreiche Methode der Neuraltherapie ist die Störfeldtherapie. Mit Lokalanästhetika wird eine Heilung im Störfeld erreicht, und die Blockade im Körper wird beseitigt.
Wann und in welchen Fällen helfen diese Behandlungen?
In der modernen Regulationsmedizin wirkt die Neuraltherapie auf den gesamten Kreislauf im Organismus: Sie hat Auswirkungen auf das Nerven-, Hormon-, Muskel-, Kreislauf- und Lymphsystem. Zudem wirkt sie sich auf das Skelettsystem, das Verdauungssystem und das Ausscheidungssystem aus. Deshalb hat diese Behandlungsoption ein breites Anwendungsspektrum. Da die Neuraltherapie zur Durchblutung beiträgt und im Organismus entstandene Blockaden beseitigt, ist sie nicht nur bei akuten Beschwerden, sondern auch bei der Behandlung chronischer Beschwerden erfolgreich. Die Methoden der Neuraltherapie helfen dabei, verschiedene Arten von Schmerzen, Allergien und Beschwerden der inneren Organe zu beheben.
Beispielhafte Indikationen:
- Kopfschmerzen, Migräne
- Allergie, Asthma und Schnupfen
- Schlafstörungen
- Akute und chronische Schmerzen
- Durchblutungsstörungen
- Augenerkrankungen
- Ohrenbeschwerden und Ohrensausen
- Gynäkologische Beschwerden
- Herzbeschwerden
- Schilddrüsenerkrankungen
- Beschwerden der inneren Organe (zum Beispiel Leber, Galle, Magen, Darm)
- Alle Formen von Arthrose und Arthritis
- Neurologische Erkrankungen
- Diabetes, Bluthochdruck
- Nervenerkrankungen
- Blasenbeschwerden und Prostataerkrankungen und Ähnliches.
"Dr. Hüseyin Nazlıkul ist als Ausbilder sowohl der Neuraltherapie-Gesellschaft in der Türkei als auch der IGNH einer von 4 Wissenschaftlern, die seit 1996 innerhalb der IGNH die Aufgabe des Ausbilders von Ausbildern wahrnehmen. Er ist Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsmedizin in der Türkei sowie der Weltföderation für Neuraltherapie (IFMANT). Im Mai 2008 wurde er für seine Arbeiten im Bereich der Neuraltherapie mit der Huneke-Medaille ausgezeichnet."
Dr. Hüseyin NAZLIKUL
IFMANT = Präsident der Internationalen Föderation für Neuraltherapie
Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsmedizin
Verwendete Quellen:
• Nazlikul, H: Neuraltherapie-Lehrbuch
• Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
• H. Barops (Übersetzer H. Nazlikul) Neuraltherapie-Atlas
• L. Fischers (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam) Neuraltherapie-Buch
• James W. NcNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam) Gelenk- und Weichteilinjektionen
• Weinschenk, S: Neuraltherapie
• Fischer, L et al: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie