Diabetiker sind einem großen Risiko ausgesetzt
Während eine COVID-19-Infektion bei manchen Menschen völlig asymptomatisch verläuft, kann der Krankheitsverlauf bei anderen komplizierter und mitunter sogar tödlich sein.
Sowohl während der ersten als auch während der zweiten Welle der durch die Covid-19-Infektion verursachten Pandemie zeigte sich rasch, dass bei manchen Menschen das Risiko, sich mit Covid-19 zu infizieren, besonders hoch ist.
Diabetes mellitus tritt meist in Form von Typ-2-Diabetes auf (90 %) und wird überwiegend bei Menschen über 50 Jahren festgestellt. Besonders unkontrollierter Diabetes beeinträchtigt die Funktion des Immunsystems negativ und behindert zumindest teilweise die Fähigkeit des Körpers, gegen Krankheitserreger zu kämpfen. Aus diesem Grund sind Diabetiker sowohl aufgrund ihrer Erkrankung als auch aufgrund ihres Alters in dieser Pandemie einem Risiko ausgesetzt.
Es gibt ernstzunehmende Belege dafür, dass eine Coronavirus-Infektion bei chronischen Erkrankungen wie Diabetes, Herz- und Lungenerkrankungen sowie bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem schwerer verläuft.
Daten aus den am stärksten von Covid-19 betroffenen Regionen zeigen, dass das Sterberisiko für Diabetiker um nahezu 50 % erhöht ist. Im Juni 2020 und September 2020 in der französischen Fachzeitschrift für Diabetologie veröffentlichte Studien haben gezeigt, dass jeder zehnte Diabetiker innerhalb der ersten sieben Tage nach der Krankenhauseinweisung verstirbt.
DAS RISIKO STEIGT
In diesen Tagen, in denen wir die zweite Welle erleben, verfügen wir mittlerweile über wesentlich mehr Informationen zu diesem Thema. Nach den jüngsten Studien, Beobachtungen und Erkenntnissen stellen hohes Alter, männliches Geschlecht, Adipositas (Übergewicht), Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und besonders Diabetes ein großes Risiko im Hinblick auf eine Coronavirus-Infektion dar.
Risikofaktoren im Hinblick auf Covid-19:
- Personen über 50-60 Jahre
- Diabetes
- Bluthochdruck
- Lungenerkrankungen (z. B. COPD)
- Übergewicht
- Krebserkrankungen
- Anwendung biologischer Wirkstoffe
- Geschwächtes Immunsystem
Wenn bei Diabetikern zusätzlich weitere Erkrankungen vorliegen, steigt das Risiko erheblich an.
Bei einer Coronavirus-Infektion ist eine gute Blutzuckerkontrolle die wichtigste Maßnahme zur Verringerung des Infektionsrisikos und des Schweregrads. Eine gute Blutzuckerkontrolle bedeutet, dass der Nüchternblutzucker bei etwa 80-130 mg/dl liegt und der zwei Stunden nach dem Essen gemessene postprandiale Blutzuckerspiegel unter 160 mg/dl liegt.
SCHWÄCHT DAS IMMUNSYSTEM
Das Coronavirus erhöht den oxidativen Stress und schädigt dadurch die Innenwand der Blutgefäße. Diese Schädigung des Gefäßsystems schadet zahlreichen Organsystemen. Menschen mit unkontrolliertem Diabetes erleben diesen oxidativen Stress in besonders hohem Maße. Je nachdem, wie lange eine Person bereits an Diabetes leidet oder wie unregelmäßig ihr Blutzuckerspiegel ist, können die Blutgefäße – besonders die Innenschicht der Blutgefäße – sowie die Nerven Schaden nehmen. Diabetes stört besonders bei Menschen mit unkontrollierter Blutzuckereinstellung die Gefäßstruktur des Körpers und schwächt das Abwehrsystem, also das Immunsystem.
Bei Diabetikern verlaufen Covid-19-Infektionen und andere Infektionen schwerer als bei Nicht-Diabetikern. In zahlreichen Studien wurde gezeigt, dass bei diesen Personen der Bedarf an Krankenhausaufenthalten, an Intensivpflege und die Sterblichkeitsrate höher sind als bei Nicht-Diabetikern.
Bei Diabetikern mit unregelmäßiger Blutzuckereinstellung, bei denen infolge dieser Unregelmäßigkeit bereits zuvor geschädigte Organsysteme vorliegen (besonders Bluthochdruck), ist eine Ansteckung mit der Infektionskrankheit leichter möglich, der klinische Verlauf schwerer und das Sterberisiko erhöht.
Infolge der an den Blutgefäßen auftretenden Schädigung und der Unregelmäßigkeiten in der Nervenleitung entstehen Organschäden, die zu Folgeerkrankungen führen können. Es ist eine seit Langem bekannte Tatsache, dass sich Folgeerkrankungen besonders bei Menschen mit Kreislaufstörungen, gestörter Nervenleitung und Verdauungsproblemen wesentlich schneller und leichter entwickeln und dass diese Personen sich in einem ständigen Entzündungszustand befinden.
Häufige mit Diabetes verbundene Komplikationen:
- Gefäß- und koronare Herzerkrankungen
- Bildung von Embolien (Blutgerinnseln)
- Schlaganfall
- Nierenschäden und verminderte Nierenfunktion
- Häufig wiederkehrende zystitisähnliche Harnwegsinfektionen
- Verzögerte Wundheilung
- Hormonelle Störungen, erektile Dysfunktion
- Erschwerter Verlauf der Menopause
- Nervenschäden bedingte Neuropathie
- Klinische Befunde, die mit chronischer Erschöpfung einhergehen
- Chronische Wundinfektionen
Patienten mit unregelmäßigem Blutzucker sind einem größeren Risiko ausgesetzt!
Bei Diabetikern, deren Blutzuckerwerte gut eingestellt sind, die sich ausgewogen ernähren, auf ihre körperliche Aktivität achten, ihrem Schlaf Bedeutung beimessen und sich um Stressmanagement bemühen, sind Folgeerkrankungen trotz des Diabetes selten. Auch wenn sie ihre Blutzuckerwerte gut unter Kontrolle halten, müssen sie sich bewusst sein, dass sie zur Risikogruppe gehören, und sich bestmöglich vor Corona und anderen Virusinfektionen schützen.
Besonders Diabetiker mit metabolischem Syndrom sind einem großen Risiko ausgesetzt!
Wir beobachten, dass Typ-2-Diabetiker, die zusätzlich übergewichtig sind und unter Bluthochdruck leiden, ein noch größeres Risiko tragen.
Dass viele Diabetiker fortgeschrittenen Alters sind und Folgeerkrankungen aufweisen, ist der Grund für den schweren Krankheitsverlauf. Infolge der Blutzuckerunregelmäßigkeit schwächt sich das Immunsystem, und die Patienten sind Infektionskrankheiten gegenüber schutzloser. Auch die funktionelle Belastung der Bauchspeicheldrüse, die Unterdrückung der Bauchspeicheldrüsenfunktion durch das Coronavirus sowie das durch Mikrozirkulationsstörungen in den Gefäßen ausgelöste erhöhte Thromboserisiko tragen zu einem schwereren klinischen Verlauf bei.
SIE MÜSSEN MEHR ACHTGEBEN ALS ALLE ANDEREN
Eine neue Studie zeigt, dass das Covid-19-Virus die in der Bauchspeicheldrüse befindlichen Insulinzellen (Langerhans-Inseln) selektiv schädigt und dadurch den klinischen Verlauf bei Diabetes erschwert.
Besonders in diesen Tagen, in denen wir die zweite Welle von Covid-19 erleben, gelten die empfohlenen Hygiene- und Maskenregeln sowie die allgemeinen Sicherheitsmaßnahmen für alle Menschen gleichermaßen, auch für Diabetiker. Diabetiker müssen diese Corona-Schutzmaßnahmen noch aufmerksamer beachten als alle anderen. Diabetiker sollten in Bezug auf Selbstpflege, körperliche Aktivität und richtige Ernährung besonders achtsam sein.
Wir empfehlen Diabetikern mit Durchblutungsstörungen, unnötige Risiken zu vermeiden. Zu diesen Empfehlungen kann man hinzufügen, unnötige Reisen zu vermeiden, geschlossene Räume nach Möglichkeit nicht zu betreten, in der Öffentlichkeit Maske und Schutzbrille zum Schutz von Mund, Nase und Augen zu tragen und unbedingt Abstand zu Personen mit Erkältungssymptomen zu halten.
Alle Personen, die Kontakt zu einer nachweislich mit dem Coronavirus infizierten Person hatten, sollten sich unabhängig von etwaigen Vorerkrankungen 14 Tage lang zu Hause in Quarantäne begeben. Diabetiker müssen sich unbedingt an diese Quarantänezeit halten. Sollten Anzeichen einer Atemwegsinfektion auftreten, müssen sie sich umgehend telefonisch an ihren Arzt wenden.
Zusammenfassend;
Wir beobachten, dass das Coronavirus bei Menschen mit Diabetes, unregelmäßigem Blutzucker und Übergewicht wesentlich schwerer verläuft. Diese Beobachtungen deuten einerseits darauf hin, dass der Körper bei Personen mit geschwächter Insulinresistenz und unregelmäßigem Blutzucker in dieser Infektionssituation eine Immunreaktion auslösen kann, und andererseits darauf, dass das Virus bei Diabetikern höchstwahrscheinlich das gestörte ACE1/ACE2-Gleichgewicht nutzt, um sich rasch zu vermehren, und dabei durch die Schädigung der Inselzellen der Bauchspeicheldrüse den Krankheitsverlauf verschlimmert.
Verbringen Sie Ihre Tage nicht mit übermäßigem Essen, sondern mit einer ausreichenden und ausgewogenen Ernährung. Meiden Sie in erster Linie kohlenhydratreiche Lebensmittel, Süßigkeiten und Mehlprodukte, betreiben Sie tägliche körperliche Aktivität, versuchen Sie, Ihre überschüssigen Kilos so schnell wie möglich loszuwerden, achten Sie auf Ihren Schlaf, trinken Sie ausreichend Wasser, verzichten Sie auf Rauchen und Alkohol, meiden Sie unbedingt verarbeitete und Fertiglebensmittel, versuchen Sie, sich an kleinen Dingen zu erfreuen, gönnen Sie sich jeden Tag kleine Belohnungen, die Sie zum Lachen bringen und glücklich machen, und halten Sie sich konsequent an die empfohlenen Schutz- und Hygieneregeln für die Coronavirus-Infektion.
Vergessen Sie nicht: Regelmäßiger Sport und körperliche Aktivität durchbrechen Ihre Insulinresistenz, stärken Ihr Immunsystem, helfen Ihnen, überschüssige Kilos zu verlieren, und tragen zudem zur Stärkung Ihrer Muskulatur sowie zur Wiederherstellung Ihres Kreislaufsystems bei.
In diesen Tagen, in denen wir gegen die Coronavirus-Infektion kämpfen, ist es für Diabetiker von größter Bedeutung, sich zu Hause zu isolieren und ihr Krankheitsmanagement in dieser Zeit gut zu handhaben. Vorbeugen ist einfacher als eine bereits entstandene Schädigung zu beheben. Ich empfehle Ihnen, sich unbedingt an Ihren Arzt zu wenden, wenn Sie mit Ihren eigenen Bemühungen keine Lösung erzielen können...
Hüseyin Nazlıkul