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Die Gefahr, die wir nicht hören: Hyperschall und die unsichtbare Last des modernen Menschen

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 04.07.2026 5 min read
Die Menschheit fürchtete sich im Laufe der Geschichte vor den Gefahren, die sie sehen konnte.

Die Menschheit fürchtete sich im Laufe der Geschichte vor den Gefahren, die sie sehen konnte.

Vor Feuer…

Vor Krieg…

Vor Hunger…

Doch manche Risiken der modernen Zeit sind weder mit dem Auge sichtbar noch mit dem Ohr hörbar. Und häufig werden sie nicht einmal bemerkt.

Heute umgeben uns nicht nur elektromagnetische Felder, sondern auch zunehmend vielfältigere unsichtbare Umweltreize. Einer davon sind hochfrequente Töne, die das menschliche Ohr nicht wahrnehmen kann – also Ultraschall- und Hyperschalltöne.

Einige in den letzten Jahren veröffentlichte Studien lassen vermuten, dass die Wirkungen dieser Schallbereiche möglicherweise nicht nur auf das Hörsystem beschränkt sind, sondern auch verschiedene biologische Effekte auf das Nervensystem, das autonome Nervensystem, die zelluläre Energieproduktion und das Immunsystem hervorrufen könnten. Selbstverständlich dauert die Forschung auf diesem Gebiet noch an, und noch sind nicht alle Fragen beantwortet. Dennoch sind die bisherigen Befunde bedeutsam genug, um das Thema sorgfältig zu betrachten.

Der moderne Mensch unter ständiger Umweltbelastung

Vor zwanzig Jahren lebten die Menschen noch nicht in einer so engen Verflechtung mit den heutigen technologischen Systemen.

Heute hingegen sind;

  • Hochgeschwindigkeitsverkehrssysteme,

  • Industrielle Produktionsanlagen,

  • Leistungsstarke Belüftungssysteme,

  • Rechenzentren,

  • Smart-Home-Technologien,

  • Ultraschallsensoren,

  • Sicherheitssysteme,

  • Verschiedenste elektronische Geräte

zu einem natürlichen Bestandteil unseres Alltags geworden.

Das menschliche Ohr kann Töne im Bereich von etwa 20 Hz bis 20 kHz wahrnehmen. Dass wir Frequenzen oberhalb dieser Grenze nicht hören, bedeutet jedoch nicht, dass sie biologisch vollkommen wirkungslos sind.

Wo beginnt die Regulationsstörung?

In meiner klinischen Praxis begegnet mir in den letzten Jahren häufig ein bestimmtes Beschwerdebild.

Die Laborwerte des Patienten sind größtenteils unauffällig.

In den MRT-Aufnahmen zeigt sich kein deutliches Problem.

Die Blutwerte liegen im Referenzbereich.

Dennoch fühlt sich die Person nicht wohl.

Sie ist ständig müde.

Die Schlafqualität hat sich verschlechtert.

Sie leidet unter Kopfschmerzen.

Die Konzentrationsfähigkeit hat abgenommen.

Herzklopfen und ein unerklärliches Unruhegefühl können auftreten.

An diesem Punkt gilt es, sich nicht nur auf die Organe, sondern auch auf die Regulationsfähigkeit des Organismus zu konzentrieren.

Denn der Mensch ist nicht nur ein System aus biochemischen Prozessen, sondern zugleich ein biophysikalischer Organismus.

Warum ist das autonome Nervensystem so wichtig?

Wie ich auch in meinem Buch Regüle Yaşam Longevity ausführlich behandle, ist das autonome Nervensystem das Gleichgewichtszentrum des Organismus.

Dieses System koordiniert;

  • den Herzrhythmus,

  • den Gefäßtonus,

  • die Schlafordnung,

  • das Verdauungssystem,

  • die Immunantwort,

  • das Hormongleichgewicht.

Nimmt die Umweltstressbelastung zu, kann der Organismus über längere Zeit in einem Alarmzustand verharren. Während das sympathische Nervensystem dominant wird, kann das parasympathische System in den Hintergrund treten. Infolgedessen kann die regulierende Wirkung des Vagusnervs abnehmen.

Die Person kann sich trotz Ruhephasen nicht erneuert fühlen. Der Schlaf verliert seine erholsame Eigenschaft, und im Laufe der Zeit kann das Risiko für die Entwicklung chronischer Entzündungen steigen.

Mitochondrien und der stille Energieverlust

Die Mitochondrien, die Energieproduktionszentren unserer Zellen, reagieren äußerst empfindlich auf Umweltstressfaktoren.

Aktuelle Alterungsforschung zeigt, dass Störungen der Energieproduktion bei vielen chronischen Erkrankungen eine bedeutende Rolle spielen können.

Unter starker Umweltbelastung können;

  • oxidativer Stress zunehmen,

  • die Bildung freier Radikale ansteigen,

  • die mitochondriale Effizienz abnehmen,

  • die interzelluläre Kommunikation negativ beeinflusst werden.

Diese Veränderungen können im Laufe der Zeit zu einer Abnahme der Energiekapazität beitragen. Bei manchen Personen mit unerklärlicher Erschöpfung, Konzentrationsschwierigkeiten und Leistungsverlust wird angenommen, dass diese Mechanismen eine Rolle spielen.

Das empfindliche Gleichgewicht zwischen Darm und Gehirn

Die Darm-Hirn-Achse, die ich in meinem Buch Duygusal Beyin Bağırsak II ausführlich behandle, ist eines der wichtigen Systeme, die von Umweltfaktoren beeinflusst werden.

Der moderne Mensch erlebt nicht nur psychologischen Stress; er ist auch ständigen Umweltreizen ausgesetzt.

Dieser Zustand kann;

  • die Darmpermeabilität,

  • die Mikrobiota,

  • den Histaminstoffwechsel,

  • das Immunsystem

indirekt beeinflussen.

Eine Störung der Darmflora kann die Anpassungsfähigkeit des Organismus an Umweltbelastungen weiter verringern.

EZM: Die stille Kommunikation zwischen den Zellen

In der Regulationsmedizin kommt der Extrazellulären Matrix (EZM), dem Lebensraum zwischen den Zellen, große Bedeutung zu.

Die EZM ist eine der grundlegenden Komponenten des interzellulären Kommunikationsnetzwerks.

Der Transport von Nährstoffen, die Beseitigung metabolischer Abfallstoffe und der interzelluläre Informationsaustausch finden über dieses Milieu statt.

Chronische Entzündungen, Umweltbelastungen und toxische Ablagerungen können die Funktionen der EZM negativ beeinflussen. Aus diesem Grund gewinnt es heute an Bedeutung, nicht nur Krankheiten zu behandeln, sondern auch die gesunde interzelluläre Kommunikation zu bewahren.

Was können wir tun?

Statt Angst vor neuen Technologien zu haben, ist Bewusstsein gefragt. Während technologische Entwicklungen die Lebensqualität steigern, ist es wichtig, ihre möglichen biologischen Auswirkungen auch wissenschaftlich zu bewerten.

Im Rahmen eines vorsorgenden Ansatzes sollte;

  • auf Schlafhygiene geachtet werden,

  • unnötige technische Belastung verringert werden,

  • Wohn- und Lebensräume regelmäßig gelüftet werden,

  • die in der Natur verbrachte Zeit erhöht werden,

  • regelmäßige körperliche Aktivität ausgeübt werden,

  • eine entzündungshemmende Ernährung angenommen werden,

  • die Darmmikrobiota unterstützt werden,

  • das Gleichgewicht des autonomen Nervensystems bewahrt werden.

In diesem Prozess können Neuraltherapie, Akupunktur, Atemübungen, HRV-basierte Ansätze und Verfahren der Regulationsmedizin bei geeigneten Patienten als unterstützende Methoden zur Förderung der Anpassungsfähigkeit des Organismus betrachtet werden.

Die eigentliche Gefahr ist nicht immer das, was wir hören können

Die Medizingeschichte hat uns wichtige Lehren erteilt.

Es gab eine Zeit, in der man das Rauchen für harmlos hielt.

Asbest wurde über viele Jahre als sicher angesehen.

Die Auswirkungen von Umweltgiften auf die Gesundheit konnten erst Jahre später vollständig verstanden werden.

Auch zu hyperschall- und ultraschallbedingten Umweltbelastungen laufen wissenschaftliche Untersuchungen weiter. Wir kennen noch nicht alle Antworten; dennoch dürfen wir nicht außer Acht lassen, dass der menschliche Organismus nicht nur von Belastungen betroffen sein kann, die er wahrnimmt, sondern auch von solchen, denen er ausgesetzt ist, ohne es zu bemerken.

Die Medizin der Zukunft wird sich nicht nur auf die Behandlung von Krankheiten konzentrieren, sondern auch darauf, die unsichtbare Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt zu verstehen.

Denn Gesundheit ist nicht nur die Abwesenheit von Krankheit, sondern die Fähigkeit des Organismus, sich an sich ständig verändernde Umweltbedingungen anzupassen.

Und der Name dieser Fähigkeit lautet Regulation.