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Was ist eine Entzündung

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 29.05.2022 4 min read

Entzündung/Inflammation, im Volksmund auch als Entzündungsreaktion bekannt, ist die Gesamtheit der Reaktionen, die lebendes Gewebe auf jede Art von belebten oder unbelebten Fremdeinwirkungen oder auf innere/äußere Gewebeschäden zeigt. Der Begriff stammt aus dem Lateinischen und bedeutet wörtlich „in Brand setzen“. Diese Reaktion kann zellulärer, humoraler (flüssigkeitsbezogener) und vaskulärer (gefäßbezogener) Natur sein. Obwohl eine Entzündung normalerweise ein pathologischer Zustand ist, ist die Entzündungsreaktion physiologisch gesehen eine Reaktion des Körpers.

Entzündung ist von entscheidender Bedeutung für die Abwehr gegen Pathogene. Wird dieser Abwehrzustand des Körpers jedoch chronisch, kann er gefährlich werden. Eine Entzündung schädigt gesunde Organe und verursacht schwerwiegende Komplikationen. Deshalb ist es wichtig, den Körper sorgfältig zu beobachten und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um eine chronische Entzündung frühzeitig erkennen und behandeln zu können.

Es ist bekannt, dass chronische Entzündungen teilweise für Erkrankungen wie Alzheimer, Arteriosklerose, Arthritis, rheumatoide Arthritis, Asthma, Demenz, Diabetes (Zuckerkrankheit), Herzinfarkt, Krebs, Morbus Crohn, Colitis ulcerosa, Multiple Sklerose, Neurodermitis, Parkinson-Krankheit, metabolisches Syndrom, Schlaganfall und Schuppenflechte mitverantwortlich sind.

Bei einer Entzündung bekämpft das Immunsystem nicht nur Krankheitserreger, sondern aktiviert auch Botenstoffe, die gesundes Gewebe angreifen. Immunologische Signale sind für die Alterungsprozesse von Bedeutung. Deshalb wird das Altern selbst von Wissenschaftlern als ein entzündlicher Prozess interpretiert.

Statistiken zeigen, dass chronisch entzündliche Erkrankungen und die Veranlagung zu ihnen in den letzten Jahren erheblich zugenommen haben. Dies fällt besonders in Industrieländern auf. Aus diesem Grund wird die chronische Entzündung inzwischen als Zivilisationskrankheit bezeichnet. Dies lässt sich durch den modernen, von ungesunder Ernährung und Bewegungsmangel sowie von Stressfaktoren geprägten Lebensstil erklären.

Die Symptome einer chronischen Entzündung sind meist unspezifisch: Eine chronische Entzündung verursacht nicht immer Beschwerden. Viele Menschen fühlen sich gesund oder messen bestimmten psychischen Störungen, die auf eine chronische Entzündung hinweisen, keine Bedeutung bei. Depressive Stimmung, Gelenkbeschwerden, Vergesslichkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Allergien, erhöhter Ohrendruck, Tinnitus, migräneartige Kopf- und Nackenschmerzen, morgendliche Müdigkeit, Schwindel, Schlaflosigkeit, Sehstörungen und übermäßige Reizbarkeit sind die wichtigsten Anzeichen.

Die Ursachen einer Entzündung sind sehr vielfältig: Eine Entzündung hat viele Ursachen. Sie wird durch Bakterien, Viren, Pilze, Parasiten oder Allergene ausgelöst und kann ebenso durch physikalische Faktoren, radioaktive Strahlung oder Umweltgifte entstehen, die das Immunsystem belasten. Zusätzlich stören Stress, Bewegungsmangel sowie eine unzureichende und falsche Ernährung das Immunsystem dauerhaft. Übergewichtige Menschen sind besonders gefährdet, da das Fettgewebe entzündungsfördernde Stoffe enthält.

Es ist wichtig, Entzündungen zu behandeln: Es ist wichtig, eine Entzündung zu behandeln, um zu verhindern, dass sie sich ausbreitet und andere Organe schädigt. Zusätzlich zur symptomatischen Behandlung müssen die Auslöser der Entzündung beseitigt und das Immunsystem gestärkt werden. Dafür ist die richtige Ernährung unerlässlich.

In der modernen Medizin – der konventionellen Medizin – werden bei der Behandlung von Entzündungen auch schmerzlindernde entzündungshemmende Wirkstoffe eingesetzt. Idealerweise sollte jede entzündungshemmende Behandlung einen ganzheitlichen Ansatz beinhalten, insbesondere die Neuraltherapie und Ernährungsempfehlungen. Diese Methode zielt in erster Linie darauf ab, Defizite zu behandeln und die körpereigene Abwehr zu unterstützen.

Die Abwehr des Immunsystems beginnt im Mund: Viele Krankheitserreger gelangen über den Mund in den Körper, weshalb die Mundhygiene besonders wichtig ist. Am wichtigsten ist das regelmäßige (zweimal tägliche) Zähneputzen mit enzymhaltiger Zahnpasta. Enzyme steigern die Fähigkeit des Speichels, Bakterien zu hemmen und zu reduzieren. Unabhängig davon müssen die Zähne selbstverständlich restauriert und von Entzündungen befreit werden. Eine weitere empfehlenswerte Maßnahme ist das Ölziehen (Oil Pulling), bei dem der Mund mit nativem Kokosöl, Sesamöl oder Olivenöl gespült wird. Das Ölziehen stärkt die natürliche Mikroflora des Mundes und beseitigt Bakterien.

Gesundheit beginnt im Magen: Um chronische Entzündungen zu verhindern, ist eine gesunde Ernährung notwendig. Einerseits erhält der Körper durch die Ernährung ausreichend Energie, um Krankheiten zu bekämpfen, andererseits wird die Darmflora, ein wichtiges Immunorgan, geschützt.

Die verzehrten Lebensmittel sollten ausgewogen und reich an Vitaminen und Mineralstoffen sein (insbesondere den Vitaminen A, C und E).

Fleisch sollte nur in geringen Mengen verzehrt werden, da insbesondere rotes Fleisch die Produktion von Harnsäure anregt, die sich in den Gelenken ablagert und Entzündungen auslöst.

Als Fettquelle sollten ungesättigte Fette wie Lachs, Makrele, Hering und Omega-3-Fettsäuren bevorzugt werden.

Die in Hülsenfrüchten, Hafer und verschiedenem Gemüse enthaltenen Flavonoide besitzen ähnlich wie Saponine entzündungshemmende Eigenschaften.

Ananas, Bärlauch, Basilikum, Brombeeren, Buchweizen, Ingwer, Kamille, Kapuzinerkresse, Kirschen, Knoblauch, Kreuzkümmel, Kurkuma, Süßholzwurzel, Meerrettich, Quitte, Rotwein, Thymian, Zimt, Zwiebel und Hüttenkäse gelten als Lebensmittel mit immunstärkender Wirkung. Zusätzlich kann das Immunsystem mit Aronia-, Efeu-, Ginseng-, Hagebutten-, Holunder- und Schachtelhalmtees oder frischen Fruchtsäften unterstützt werden.

Bewegung beugt Entzündungen vor: Ausreichende und richtige Bewegung ist wichtig, da sie die Sauerstoffversorgung, die Durchblutung und den Stoffwechsel unterstützt. Außerdem hält sie die Gelenke, in denen sich Entzündungen gerne festsetzen, beweglich und beugt Übergewicht vor, das chronische Entzündungen fördert. Gehen, Laufen, Schwimmen und Radfahren sind Sportarten, die den Bewegungsapparat nicht übermäßig belasten. Extremsportarten sind unbedingt abzuraten, da sie zu frühzeitigem Verschleiß der Gelenke und des Gelenkknorpels, zu einer übermäßigen Produktion von Stresshormonen und zu chronischen Entzündungen führen.

Weitere Informationen zu diesem und ähnlichen Themen finden Sie in meinem Buch „Leitfaden für antientzündliche Ernährung“.

Hüseyin Nazlıkul

Odatv.com