Was geschieht zu welcher Uhrzeit in unserem Körper... Entdecken Sie Ihre innere Uhr
Auch unsere Körpertemperatur verändert sich entsprechend der inneren Uhr. Je nachdem, welche Körpertemperatur unsere innere Uhr im Tagesverlauf erfordert, nehmen wir auch den Ablauf der Zeit unterschiedlich wahr. Ist unsere Körpertemperatur erhöht, vergeht die Zeit langsamer. Einem Menschen, der fiebernd im Krankenbett liegt, können selbst wenige Minuten lang erscheinen. Bei einem entspannten Spaziergang auf dem Land hingegen erlebt man, wie die Zeit vergeht, ohne dass man es überhaupt bemerkt.
Der Grund dafür ist folgender: Jeder Mensch besitzt eine innere Uhr – ebenso wie Körpertemperatur, Blutdruck, Herzfrequenz und Hormonspiegel. Diese Uhr steuert unsere Körperfunktionen. Sie hilft uns, tagsüber aktiv zu sein und nachts zu schlafen. Die während des 24-stündigen Zyklus der inneren Uhr gebildeten und abgebauten Proteine spielen eine Rolle bei der Ausschüttung des Hormons Vasopressin, das das Verhalten von Tieren steuert.
Menschen, die längere Reisen unternehmen, wissen es nur zu gut: Die Zeitverschiebung bringt den natürlichen Rhythmus des Körpers durcheinander. Bei Beschwerden infolge der Zeitverschiebung fühlt man sich müde, klagt über Kopfschmerzen und Konzentrationsmangel. Die Stimmung schwankt auf und ab. In diesem Zustand sehnt man den Zeitpunkt des Schlafengehens herbei.
AUCH UNSER IMMUNSYSTEM HAT SEINEN EIGENEN RHYTHMUS
So ist beispielsweise am Morgen die Schmerzempfindlichkeit des Menschen höher. Im Tagesverlauf nimmt die Schmerzempfindlichkeit ab. In den frühen Morgenstunden ist das Risiko eines Herzinfarkts höher als zu anderen Tageszeiten. Biologische Rhythmen können sich – ähnlich wie der weibliche Zyklus – über Wochen erstrecken, aber auch über Monate und Jahreszeiten. Viele Tierarten wandern zu bestimmten Jahreszeiten und paaren sich nur zu bestimmten Zeiten im Jahr. In den frühen Morgenstunden werden Hormone und Neurotransmitter aktiviert, um den Körper in den Wachzustand zu versetzen. Der Zyklus bestimmter Enzyme kann innerhalb von 24 Stunden um bis zu 400 % variieren. Auch unser Immunsystem hat einen eigenen Tagesrhythmus. Erleiden wir beispielsweise eine bakterielle Infektion, steigt unser Fieber meist gegen Mittag an. Bei viralen Erkrankungen hingegen steigt das Fieber eher gegen Abend.
Auch unsere Schmerztoleranz und -empfindlichkeit verändert sich im Tagesverlauf. Zahnschmerzen in den frühen Morgenstunden werden bis zu viermal stärker empfunden als am Nachmittag.
In einem an Freiwilligen durchgeführten Versuch, bei dem die Probanden 24 Stunden lang liegend in einem vom Tageslicht abgeschirmten Raum gehalten wurden, wurde beobachtet, dass ihr biologischer Rhythmus in zwei jeweils 12-stündige Perioden unterteilt war. Am zweiten Tag des Versuchs zeigte sich ein zweiter, sich über den Tag hinweg wiederholender biologischer Rhythmus von 4 Stunden. Wie bei Säuglingen und Tieren wurde beobachtet, dass die Probanden alle 4 Stunden müde wurden.
Sehen wir uns nun an, wie sich unsere Körperfunktionen im Verlauf eines Tages verändern:
06:00 Uhr: Durch die Ausschüttung von Kortisol erwacht der Organismus. Dieses Erwachen ist für den Körper das Signal, sich allmählich auf das Aufstehen vorzubereiten. Der Stoffwechsel kommt in Gang und stellt Energie und Protein für die Aufgaben des Tages bereit.
07:00 Uhr: Der Körper befindet sich noch in einer schwachen Phase.
08:00 Uhr: Zu dieser Stunde beginnt die Ausschüttung der Hormone.
09:00 Uhr: Dies ist die Stunde, in der der Körper wach und kräftig ist.
10:00 Uhr: Der Organismus ist nun bereit für Aktivität und Bewegung: Er ist äußerst energiegeladen, der Körper hat seine höchste Temperatur erreicht, unsere Leistungsfähigkeit ist auf ihrem Höhepunkt. Für eine kurze Zeit ist das Gedächtnis in Bestform, man wird kreativ und dynamisch.
11:00 Uhr: Zu dieser Stunde befindet sich unser Körper in Bestform. Unsere innere Uhr hat den Körper auf Höchstleistung programmiert.
12:00 Uhr: Der Körper braucht nun Ruhe. Die Aufmerksamkeit nimmt ab, Müdigkeit setzt ein. Die Säuremenge im Magen nimmt zu. Die Durchblutung des Gehirns nimmt ab, da das Blut vom Magen zur Unterstützung der Verdauungsorgane genutzt wird.
13:00 Uhr: Der Körper hat deutlich an Form verloren. Die Leistungsfähigkeit liegt 20 % unter dem Tagesdurchschnitt. Alle Organe arbeiten auf niedrigstem Niveau. Lediglich die Gallenblase ist aktiv, um das Mittagessen zu verdauen.
14:00 Uhr: Wir fühlen uns erschöpft, da Blutdruck und Hormonspiegel gesunken sind.
15:00 Uhr: Machen Sie sich bereit für neue Aufgaben. Unsere Energie kehrt zurück, unser Gedächtnis ist wieder in Bestform. Wir nähern uns einem zweiten Leistungshöhepunkt, auch wenn dieser geringer ausfällt als der morgendliche.
16:00 Uhr: Dies ist die beste Stunde für sportliche Aktivitäten. Blutdruck und Kreislauf sind in bestem Zustand. Auch für Sport ist dies der ideale Zeitpunkt.
17:00 Uhr: Die Organe sind auf Höchstleistung. Unsere Kraft nimmt zu, der Sauerstoffverbrauch steigt. Nieren und Blase arbeiten besonders intensiv. Zu dieser Zeit wachsen Nägel und Haare am schnellsten.
18:00 Uhr: Eine gute Stunde für das Abendessen: Die Bauchspeicheldrüse ist zu dieser Zeit besonders aktiv. Selbst die Leber ist gegenüber Alkohol toleranter und widerstandsfähiger als sonst.
19:00 Uhr: Blutdruck und Puls werden zu dieser Stunde meist träge.
20:00 Uhr: Der Fettgehalt der Leber sinkt, und das verbrauchte Blut fließt stärker als üblich zurück zum Herzen.
21:00 Uhr: Die Tagesaufgabe der Verdauungsorgane ist beendet. Alles, was jetzt gegessen wird, verbleibt bis zum Morgen unverdaut im Magen – ein gefährlicher Zustand. Unverdaute Speisereste greifen die Darmschleimhaut an. Deshalb sollten besonders übergewichtige Menschen zu dieser Zeit beim Essen vorsichtig sein.
22:00 Uhr: Zu dieser Stunde sind die weißen Blutkörperchen – die Polizei unseres Körpers – besonders aktiv.
23:00 Uhr: Der Organismus stellt die Ausschüttung des Stresshormons, das den Tag über aktiv war, ein. Zu dieser Stunde beruhigen wir uns, entspannen und lösen uns. Es ist die Stunde der vollständigen Erholung. Die Stoffwechselaktivität ist auf dem niedrigsten Niveau. Blutdruck, Herzfrequenz und Körpertemperatur sinken.
24:00 Uhr: Während wir schlafen, arbeiten die Hautzellen unaufhörlich. Sie teilen sich häufiger als tagsüber. Die erste Traumphase beginnt zu dieser Stunde, und bereits in der ersten halben Stunde beginnen wir zu träumen.
01:00 Uhr: Unsere Leistungsfähigkeit ist auf dem niedrigsten Niveau. Menschen, die zu dieser Stunde arbeiten, machen häufiger Fehler, da die Aufmerksamkeit stark nachlässt. Zu dieser Zeit steigt auch die Zahl der Arbeits- und Verkehrsunfälle. Der Grund dafür ist, dass der Körper auf Schlaf programmiert ist. Unter günstigen Bedingungen fällt man nun in einen tiefen Schlaf.
02:00 Uhr: Autofahrer sollten zu dieser Stunde besonders vorsichtig sein. Denn Sehvermögen und Reflexe lassen nach. Deshalb ereignen sich die meisten Verkehrsunfälle zu dieser Zeit. Unser Körper ist äußerst empfindlich gegenüber Kälte.
03:00 Uhr: Dies ist eine körperlich wie seelisch dunkle Phase. Die Ausschüttung des Hormons Melatonin macht uns träge und ausgesprochen unentschlossen.
04:00 Uhr: Wir gewinnen Energie aus dem Stresshormon. Infarkte häufen sich besonders zwischen 4 und 6 Uhr. Denn der Blutdruck steigt erheblich an, und die Herzgefäße verengen sich rasch.
05:00 Uhr: Zu dieser Stunde wird im Körper vermehrt männliches Hormon aussgeschüttet. Die Konzentration des Stresshormons hat uns in Aktivität versetzt. Dieses Hormon steigt auf das Sechsfache seines Tageswertes an. Die Hormonausschüttung ist damit auf ihrem Höchststand. Unser Körper kommt in Bewegung, die verlorene Energie kehrt zurück. Nun ist unser Körper bereit, in einen neuen Tag zu starten.
Wenn Sie mehr über unsere innere Uhr erfahren möchten, können Sie meine Bücher „Hayatı Keşfet“ (Entdecke das Leben) und „Uykunun Sihirli Gücü“ (Die magische Kraft des Schlafs) zurate ziehen.
Hüseyin Nazlıkul