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Hüseyin Nazlıkul bricht wieder mit dem eingefahrenen Denken: Die Grenzen Ihres emotionalen Gehirns

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 18.01.2026 16 min read

Blähungen, Erschöpfung, Schlaflosigkeit, Gehirnnebel, Angstzustände, hormonelle Störungen… Ist dieses Bild, das der moderne Mensch für „normal“ hält, in Wirklichkeit ein Hilfeschrei des Körpers? Prof. Dr. Hüseyin Nazlikul rüttelt mit seinen neuen Büchern „Emotionales Gehirn–Darm II“ und „Ich kann nicht schlafen“ grundlegend an unserer Sicht auf Krankheit.

Prof. Dr. Hüseyin Nazlikul beantwortete in einem exklusiven Interview zu seinen Büchern „Emotionales Gehirn–Darm II“ und „Ich kann nicht schlafen“ die Fragen von Odatv.

Warum ist der Darm ein „emotionales Gehirn“? Warum ist Schlaflosigkeit ein biologischer Protest des Zeitalters? Ein Interview über Neuraltherapie, den Vagusnerv, die Mikrobiota, elektromagnetische Verschmutzung und den Platz der Poesie in der Medizin, das viel Gesprächsstoff bieten wird…

Nazlikul erzählte, warum der Darm nicht nur das zweite Gehirn, sondern das „emotionale Gehirn“ ist, warum Schlaflosigkeit zu einem biologischen Einspruch des modernen Lebens geworden ist und dass der Körper nicht zum Schweigen gebracht, sondern zur Ruhe gebracht werden möchte:

'HEUTE ERLEBEN WIR KEINE KRANKHEIT, SONDERN EINEN REGULATIONSKOLLAPS'

Frage: Zwei starke Bücher in derselben Zeitspanne: „Emotionales Gehirn–Darm II“ und „Ich kann nicht schlafen“. Warum jetzt, warum diese beiden Bücher?

Weil das Bild, dem wir heute in unserer klinischen Praxis begegnen, kein „Zeitalter der Krankheiten“ im klassischen medizinischen Sinne ist. Was wir heute zunehmend deutlicher erleben, ist ein ganzheitlicher körperlicher Regulationskollaps. Die Menschen kommen mit zahlreichen Untersuchungen zu mir; meistens sind die bildgebenden Befunde akzeptabel, die Blutwerte innerhalb der Grenzwerte. Aber trotzdem geht es ihnen nicht gut. Sie können nicht schlafen, nicht verdauen, sich nicht erholen, verlieren ihre geistige Klarheit, ihr hormonelles und emotionales Gleichgewicht ist gestört. Das Problem liegt also nicht in einzelnen Organen, sondern in der Fähigkeit des Organismus, sich selbst zu regulieren.

Genau deshalb habe ich diese beiden Bücher zusammen geschrieben. „Emotionales Gehirn–Darm II“ erzählt, wie das Darmsystem, das im Zentrum des Körpers, mitten im Regulationsnetzwerk liegt, zusammenbricht – in vielschichtigen Beziehungen, die von der Mikrobiota bis zum Nervensystem, von der Immunität bis zu den Emotionen reichen. „Ich kann nicht schlafen“ hingegen legt dar, an welchem Punkt dieser Zusammenbruch vom Körper schließlich in einen Alarmzustand verwandelt wird. Denn meine klinische Beobachtung zeigt ganz eindeutig: Ohne Störung der Darmregulation wird gesunder Schlaf nicht gestört; ohne gestörten Schlaf bricht die hormonelle Achse nicht dauerhaft zusammen; ohne Zusammenbruch der hormonellen Achse werden Gemütslage, Immunität, Sexualität und sogar die Persönlichkeitsstruktur nicht beeinträchtigt. Ein Großteil der Krankheitsbilder, denen wir heute begegnen – chronische Erschöpfung, Infertilität, Autoimmunerkrankungen, Depression, Reizdarmsyndrom, Gehirnnebel – sind keine getrennten Erkrankungen, sondern Bruchpunkte an unterschiedlichen Gliedern derselben Regulationskette. Genau um diese Kette sichtbar zu machen, wurden diese beiden Bücher geschrieben: Das eine zeigt, wo das System zusammenbricht, das andere, wo es nicht mehr standhalten kann.

'DER DARM IST NICHT DAS ZWEITE GEHIRN, SONDERN DAS EMOTIONALE GEHIRN'

Der Darm wird heute immer noch meistens nur als Verdauungsorgan behandelt. Dabei ist der Darm das Zentrum des Immunsystems, das Feld der hormonellen Transformation, das Ökosystem der Mikrobiota und eines der dichtesten Netzwerke des autonomen Nervensystems. Für mich geht die Sache aber noch darüber hinaus. Was ich seit Jahren in meiner klinischen Praxis sehe, ist, dass der Darm keine Struktur ist, die nur Neuronen beherbergt; der Darm ist zugleich die biologische Bühne emotionaler Lasten, unterdrückter Reaktionen und ungelöster Traumata.

Der Mensch verdaut nicht nur, was er isst. Der Mensch verdaut auch, was er erlebt. Was er nicht verdauen kann, sammelt sich am häufigsten im Darm an. Lange unterdrückte Wut verändert die Kolonmotilität, chronische Angst und Misstrauen stören die Mikrobiota, ungelöste Trauer senkt den Vagustonus und erhöht die Darmpermeabilität. Ich sehe täglich bei meinen Patienten, dass Trauma, Stress und emotionale Last nicht nur ein psychologisches Thema sind, sondern eine direkte biologische Realität.

Deshalb finde ich den Ausdruck „zweites Gehirn“ unzureichend. Das zweite Gehirn ist eine technische Bezeichnung. Dabei ist das Bild, dem wir heute gegenüberstehen, nicht technisch, sondern existenziell. Ich sehe den Darm als die biologische Landkarte der Beziehung des Menschen zum Leben, dessen, was er mit sich trägt, und dessen, womit er nicht zurechtkommt. Deshalb sage ich „emotionales Gehirn“. Denn wenn der Darm gestört ist, stört sich nicht nur die Verdauung; der Schlaf wird gestört, die hormonelle Achse gerät durcheinander, das Immunsystem verliert seine Richtung, die sexuellen und reproduktiven Funktionen werden beeinträchtigt, geistige Klarheit und emotionales Gleichgewicht geraten ins Wanken. „Emotionales Gehirn–Darm II“ erzählt genau das: nicht wo die Krankheit beginnt, sondern wo die Regulation und die innere Integrität des Menschen sich aufzulösen beginnen. „Ich kann nicht schlafen“ wiederum zeigt, wie sich diese Auflösung schließlich in einen offenen biologischen Hilferuf des Körpers verwandelt.

'DER MENSCH VERDAUT NICHT NUR, WAS ER ISST, SONDERN AUCH, WAS ER ERLEBT'

Frage: In Ihrem Buch betonen Sie besonders den Begriff „emotionales Gehirn“ anstelle von „zweitem Gehirn“. Warum?

Weil der Darm nicht nur ein zweites Nervennetzwerk mit Millionen Neuronen ist; der Darm ist zugleich ein biologisches Gedächtnisfeld, das trägt, was der Mensch erlebt, was er unterdrückt und welche emotionalen Lasten er nicht lösen kann. Was ich seit Jahren in meiner klinischen Praxis sehe, ist Folgendes: Der Mensch verdaut nicht nur, was er isst, sondern auch, was er erlebt. Was nicht verdaut werden kann, wird am häufigsten im Darm zurückgehalten. Angst, unterdrückte Wut, langanhaltender Stress, ungelöste Trauer, traumatische Erfahrungen… Ein bedeutender Teil davon spiegelt sich mit der Zeit in der Darmmotilität, der Schleimhautstruktur, der Mikrobiota und den Immunantworten wider.

Es ist nicht möglich, den heutigen starken Anstieg von Dysbiose, Histaminintoleranz, Reizdarmsyndrom, Autoimmunerkrankungen und funktionellen Verdauungsstörungen allein mit Ernährungsfehlern zu erklären. Natürlich ist die Ernährung wichtig, sind Toxine wichtig, sind Umweltfaktoren wichtig; aber das große Bild, das wir sehen, zeigt, dass der Stoffwechsel der emotionalen Last des Menschen gestört ist. Das heißt, der Körper kann inzwischen nicht mehr nur Zucker, Fett und Gluten, sondern auch Stress, Angst, unbewältigte Trauer und unterdrückte Wut nicht mehr regulieren.

Der Darm ist in diesem Sinne nicht nur ein physiologisches Organ, sondern der biologische Spiegel der Beziehung des Menschen zum Leben. Lange unterdrückte Gefühle verändern den Vagustonus, transformieren die Mikrobiota, erhöhen die Darmpermeabilität und versetzen das Immunsystem in chronischen Alarmzustand. Deshalb stört sich bei einer Darmstörung nicht nur die Verdauung; der Schlaf wird gestört, das hormonelle Gleichgewicht gerät durcheinander, das Immunsystem schwächt sich, die emotionale Toleranz sinkt, sogar die Art, wie sich die Person zur Welt in Beziehung setzt, verändert sich.

Genau deshalb finde ich den Ausdruck „zweites Gehirn“ nicht ausreichend. Denn das zweite Gehirn ist eine neurologische Definition; dabei ist das Bild, dem wir heute gegenüberstehen, nicht nur neurologisch, sondern zugleich emotional, existenziell und regulatorisch. Ich sehe im Darm Erinnerung, ich sehe Last, ich sehe ungelöste Geschichten. Deshalb sage ich „emotionales Gehirn“. Denn der Darm trägt nicht nur, was der Mensch verdaut, sondern auch, was er nicht verdauen kann.

Und „Emotionales Gehirn–Darm II“ wurde genau von diesem Punkt ausgehend geschrieben: um zu erzählen, nicht in welchem Organ die Krankheit auftritt, sondern welche innere Integrität der Mensch verloren hat.

'SCHLAFLOSIGKEIT IST KEIN SYMPTOM, SONDERN DER BIOLOGISCHE PROTEST DES ZEITALTERS'

Frage: In Ihrem Buch „Ich kann nicht schlafen“ definieren Sie Schlaflosigkeit nicht nur als ein Problem, sondern als ein „Zeichen“. Warum ist Schlaflosigkeit Ihrer Meinung nach so kritisch?

Weil Schlaf nicht nur eine Zeitspanne ist, in der sich der Mensch ausruht; Schlaf ist ein biologisches „Erneuerungsfeld“, in dem sich der Organismus selbst repariert, das Nervensystem neu justiert wird, die Hormone neu geschrieben werden und die Immunität wieder in Rhythmus kommt. Wenn der Mensch nicht schlafen kann, wird er tatsächlich nicht nur unfähig, die Augen zu schließen; die Fähigkeit des Körpers zur Selbstreparatur wird unterbrochen, und dieser Zustand verwandelt sich mit der Zeit in eine Regulationsstörung, die sich auf alle Systeme ausbreitet. Deshalb finde ich es unzureichend, Schlaflosigkeit einfach als „Schlafstörung“ zu bezeichnen. Nicht schlafen zu können ist meistens kein einzelnes Symptom, sondern ein Alarm, den der Körper gibt, und noch wichtiger, ein biologischer Protest, den er gegen unsere Lebensweise entwickelt.

Wir erleben heute als Gesellschaft einen sehr deutlichen Rhythmusverlust. Die Grenze zwischen Tag und Nacht ist verschwunden; Bildschirmlicht, künstliche Beleuchtung, ständige Übererregung, spätabendliches Essen, chronischer Stress und der Zwang, mit Ungewissheit zu leben, halten das Nervensystem im Modus „ständig eingeschaltet“. Aus Sicht des autonomen Nervensystems betrachtet gleicht dies einem Zustand, in dem die sympathische Dominanz tagsüber nicht endet und sich nachts nicht abschaltet. Das heißt, der Körper kann, wenn es Nacht wird, nicht auf die parasympathische Seite wechseln und mit der „Reparatur“ beginnen; da er weiterhin eine Bedrohungswahrnehmung trägt, bleibt er in Alarmbereitschaft. Genau das steht meistens im Zentrum der Schlaflosigkeit: die Unfähigkeit des Körpers, sich sicher zu fühlen. Ein Körper, der sich nicht sicher fühlen kann, kann sich dem Schlaf nicht überlassen.

'DIE SACHE IST NICHT NUR PSYCHOLOGIE'

Zudem ist die Sache nicht nur Psychologie; dieses Bild ist auch biologisch sehr konkret. Mit der Schlaflosigkeit gerät der Cortisolrhythmus durcheinander, schwächt sich die Melatoninausschüttung ab, sinkt die mitochondriale Energieproduktion, steigt die Entzündung, wird eine Insulinresistenz begünstigt und verschlechtert sich die Darmflora weiter. Das heißt, Schlaflosigkeit verwandelt sich nach einer Weile in einen sich selbst nährenden Teufelskreis: Je mehr sich der Darm verschlechtert, desto mehr stört sich der Schlaf, je mehr sich der Schlaf stört, desto mehr verschlechtert sich der Darm; die hormonelle Achse gerät durcheinander, die emotionale Toleranz nimmt ab, das Immunsystem wird fragil. Der Mensch wacht eines Morgens nicht nur erschöpft auf; mit der Zeit wacht er auf, „fern davon, er selbst zu sein“. Denn Schlaf erzeugt nicht nur Energie, sondern auch Identität und Gleichgewicht.

Deshalb versuche ich im Buch „Ich kann nicht schlafen“ Folgendes darzulegen: Anstatt Schlaflosigkeit als ein Problem zu betrachten, das sofort zum Schweigen gebracht werden soll, müssen wir sie als eine Sprache lesen. Der Körper sagt uns etwas. Er sagt: „Dieses Tempo passt nicht zu mir.“ Er sagt: „Dieses Licht, dieser Lärm, dieser Stress, diese elektromagnetische Verschmutzung, diese unverdauten Emotionen, diese getragene Last… Ich kann mich darin nicht selbst reparieren.“ In diesem Sinne ist Schlaflosigkeit eine der klarsten Antworten, die der Körper auf die Entfremdung des modernen Lebens von der Natürlichkeit gibt.

Für mich ist „Ich kann nicht schlafen“ kein Buch, das nur Schlafhygiene erklärt. Dieses Buch ist eine Wegkarte, die den Leser zu seinem eigenen Rhythmus zurückruft, ihm beibringt, das Nervensystem neu zu regulieren, und Schlaf nicht als „einen mit Tabletten zu unterdrückenden Prozess“, sondern als eine neu aufzubauende biologische Ordnung betrachtet. Denn wenn der Schlaf zurückkehrt, kommt meistens nicht nur der Schlaf zurück; mit ihm kehren auch geistige Klarheit, hormonelles Gleichgewicht, Immunkraft und emotionale Widerstandsfähigkeit zurück.

'DER MENSCH HAT SEINEN RHYTHMUS VERLOREN'

Frage: Ihr Buch „Ich kann nicht schlafen“ betrifft direkt eine viel breitere Leserschaft. Warum sind wir Ihrer Meinung nach heute so schlaflos?

Weil der Mensch seinen Rhythmus verloren hat.

Lichtverschmutzung, Bildschirm, Elektrosmog, nächtliches Essen, die Sprache der Angst, Ungewissheit, ständige Alarmbereitschaft…

Schlaf ist die Zeit, in der sich das Nervensystem selbst repariert.
Aber heute steht das Nervensystem sogar nachts unter Bedrohung.

Ich sehe Schlaflosigkeit inzwischen nicht mehr als Krankheit,
sondern als den Einspruch des Körpers gegen dieses Leben.

Der Körper sagt:
„Bei diesem Tempo, bei diesem magnetischen Lärm, bei diesem Stressniveau kann ich mich nicht selbst reparieren.“

'ICH SCHAUE NICHT AUF ORGANE, SONDERN AUF DEN ORGANISMUS'

Frage: In den Büchern gibt es einen Rahmen, der weit über die klassische medizinische Erzählung hinausgeht: Vagusnerv, Mikrobiota, EZM, Mitochondrien, elektromagnetisches Feld… Wogegen kämpfen Sie eigentlich?

Gegen das fragmentierte Menschenverständnis.

Heute kümmert sich der eine um den Darm, der andere um Hormone, ein Dritter um Psychologie, ein Vierter um Schlaf – jeder getrennt.
Dabei ist der Körper ein Feldsystem.

Wenn der Darm gestört ist, stört sich nicht nur der Dickdarm.
Es entsteht Gehirnnebel.
Der Schlaf entzieht sich.
Die Hormone geraten durcheinander.
Das Bindegewebe wird belastet.
Die Mitochondrien ermüden.
Die Emotionen können sich nicht regulieren.

Ich behandle kein Organ.
Ich versuche, den Organismus zu regulieren.

'MANCHE KRANKHEITEN LÖSEN SICH NICHT DURCH WISSEN, SONDERN DURCH EMOTIONALE RESONANZ'

Frage: In beiden Büchern fällt eine Neuheit besonders auf: Gedichte. Warum Poesie in einem medizinischen Buch?

Weil man durch manche biologischen Türen nicht mit dem Kortex eintritt.

Poesie geht ins limbische System.
Poesie berührt den Vagus.
Poesie ist die Sprache des Nervensystems.

Manche Krankheiten lösen sich nicht durch Wissen, sondern durch emotionale Resonanz.

Diese Gedichte sind kein Schmuck.
Das sind Texte, geschrieben für das Nervensystem.

Wissenschaft lehrt.
Poesie reguliert.

'DIE UNSICHTBARE VERSCHMUTZUNG IST DIE GEFÄHRLICHSTE'

Frage: Im Buch „Ich kann nicht schlafen“ nehmen Elektrosmog und Magnetfeld einen besonderen Platz ein. Warum?

Weil der Mensch zum ersten Mal in der Evolutionsgeschichte außerhalb des natürlichen Magnetfelds lebt.

Melatonin ist empfindlich gegenüber dem Magnetfeld.
Mitochondrien sind empfindlich.
Das autonome Nervensystem ist empfindlich.

Die zunehmende Schlaflosigkeit, Aufmerksamkeitsstörung, verfrühte Pubertät und der Immunkollaps bei Kindern sind kein Zufall.

Unsichtbare Verschmutzung
ist die tiefste biologische Verschmutzung.

'DIESE BÜCHER SOLLEN KEINE BEHANDLUNG, SONDERN BEWUSSTSEIN AUSLÖSEN'

Frage: Was erwarten Sie, dass sich beim Leser nach diesen beiden Büchern in seinem Leben verändert?

Drei Dinge:

• Die Körperwahrnehmung
• Die Krankheitswahrnehmung
• Den Lebensrhythmus

Wenn der Leser anfängt, Folgendes zu sagen, hat das Buch sein Ziel erreicht:

„Ich bin nicht krank, ich bin unreguliert.“
„Ich bin nicht schlaflos, ich bin rhythmuslos.“
„Ich habe nicht nur ein Magenproblem, ich kann mein Leben nicht verdauen.“

In dem Moment, in dem dieser Satz gebildet wird, beginnt die Behandlung.

'DIESE BÜCHER SIND KEINE BEHANDLUNG, SONDERN EINE BEWUSSTSEINSSCHWELLE'

Frage: Was erwarten Sie, dass sich beim Leser nach diesen beiden Büchern in seinem Leben verändert?

Ich wünsche mir eine grundlegende Veränderung von drei Dingen:
der Körperwahrnehmung, der Krankheitswahrnehmung und des Lebensrhythmus.

Die Menschen betrachten ihren Körper heute wie eine Maschine.
Wie ein System, dessen Teile bei einem Defekt ausgetauscht werden, das bei Unterdrückung verstummt, das bei Erschöpfung mit Medikamenten zum Schweigen gebracht wird…

Dabei ist der Körper keine Maschine.
Der Körper ist ein Gedächtnisfeld, ein Rhythmussystem und eine Regulationsintelligenz.

Diese Bücher wurden nicht geschrieben, um zu sagen „das ist diese Krankheit“.
Diese Bücher wurden geschrieben, damit der Mensch zum ersten Mal wirklich auf seinen Körper schauen kann.

Wenn der Leser anfängt, Folgendes zu sagen, haben die Bücher ihr Ziel erreicht:

„Ich bin nicht krank, ich bin unreguliert.“
„Ich bin nicht schlaflos, ich habe meinen Rhythmus verloren.“
„Ich habe nicht nur ein Magenproblem, ich kann mein Leben nicht verdauen.“

Denn in dem Moment, in dem diese Sätze gebildet werden, wird eine sehr kritische Schwelle überschritten.
Die Verantwortung geht von der Krankheit zum Leben über.
Man geht von den Organen zum Organismus über.
Man geht von der Unterdrückung zum Verstehen über.

Der Mensch fragt nicht mehr „Welches Medikament sollte ich nehmen?“
Er beginnt zu fragen:
„Was höre ich nicht?“
„Was kann ich nicht verdauen?“
„In welchem Tempo, welcher Angst, welcher Last befinde ich mich?“

Genau hier beginnt die Behandlung.

Vor dem Rezept beginnt die Einsicht.
Vor der Injektion beginnt das Bewusstsein.
Vor dem Nahrungsergänzungsmittel beginnt der Rhythmus.

Deshalb sind diese Bücher kein „Behandlungsbuch“, sondern ein Buch des Erwachens.

Es ist ein Aufruf, wieder Kontakt mit dem Körper aufzunehmen.
Es ist ein Aufruf, sich mit dem Schlaf zu versöhnen.
Es ist ein Aufruf, sich wieder mit dem Darm, dem Atem, dem Vagus, den Emotionen zu verbinden.

Denn ich glaube Folgendes:
Krankheit ist meistens kein Feind, sondern eine Sprache.
Und wir übersetzen diese Sprache seit langem falsch.

In dem Moment, in dem dieser Satz gebildet wird, beginnt die Behandlung:
„Mein Körper erzählt mir etwas.“

Und der Mensch tritt in diesem Moment zum ersten Mal wirklich auf den Weg der Heilung.

'DAS IST KEIN BUCHVERTRAG, SONDERN EINE LANGFRISTIGE WEGGEFÄHRTENSCHAFT'

Frage: Diese beiden Bücher von Ihnen erreichen die Leser unter dem Label İnkılap Kitabevi Yayınları und Üçüncü Göz Yayınları. Wie hat diese Zusammenarbeit begonnen? Beschränkt sie sich nur auf diese beiden Bücher?

Eigentlich ist diese Zusammenarbeit keine spontane Entscheidung.
Wir sprechen von einem Prozess, der bis vor die Pandemie zurückreicht, seit langem besprochen wird und sich über die Zeit erstreckt.

Unser Kontakt mit İnkılap Üçüncü Göz Yayınları begann nicht einfach mit „lasst uns zwei Bücher drucken“. Er begann eher mit der Frage:
„Was können wir der Gesellschaft langfristig hinterlassen?“
„Wie können wir Wissenschaft, Körper, Emotion und die innere Welt des Menschen unter demselben Dach zusammenbringen?“

Deshalb sehe ich diese Zusammenarbeit weniger als einen Verlagsvertrag, sondern eher als eine Verlagsreise.

Die derzeit veröffentlichten Bücher Emotionales Gehirn–Darm II und Ich kann nicht schlafen sind die ersten Schritte dieser Reise.
Danach folgt mein Buch mit dem Titel „Longevity – Reguliertes Leben“. In diesem Buch betrachte ich langes, gesundes Leben aus einer ganzheitlichen Perspektive, die von der Zelle bis zum Nervensystem, von der Ernährung bis zum Rhythmus, vom Bewusstsein bis zur Regulation reicht.

Aber dieser Weg beschränkt sich nicht nur auf medizinische Bücher.

Ich befasse mich seit langem eng mit Poesie.
Denn man kann den Menschen nicht nur durch Biologie erklären.
Manchmal sagt eine Verszeile mehr als ein MRT-Bild.

Mein erster Gedichtband „Vefanın Eşiğinde“ wird ein Buch sein, das all den Mentoren, Lehrern, Weggefährten und dem Leben, die mir Wert hinzugefügt haben, dankt.

Ihm wird mein Buch „Meditasyon“ folgen, das seit meinem 14. Lebensjahr im Zentrum meines Lebens steht und von Erich Fromm inspiriert ist. Dieses Buch wird sowohl ein philosophischer als auch ein biologischer und existenzieller Text sein.

Das heißt, die Verbindung, die wir mit İnkılap Üçüncü Göz aufgebaut haben, hat sich zu einem langfristigen Projekt von mindestens fünf Büchern entwickelt, das sich auch auf medizinferne Bereiche erstreckt und sowohl die Zelle als auch die Seele des Menschen berührt.

Ich möchte mich besonders bei Aren Şenorkyan und Gülşen İşeri bedanken, die große Verdienste daran haben, dass sich diese Türen geöffnet haben, sich diese Vision geformt hat und diese Zusammenarbeit mit so viel Bereitschaft zustande kam.
Dieser Ansatz, der Verlagswesen nicht nur als Druck, sondern als Inhalt und Weggefährtenschaft betrachtet, ist für mich sehr wertvoll.

Deshalb kann ich beruhigt Folgendes sagen:
Das ist keine „Zwei-Bücher-Phase“,
sondern ein gemeinsam aufgebauter, vielschichtiger Gesamtwerk-Prozess.

'DER KÖRPER LÜGT NICHT'

Frage: Abschließend… Wenn Sie diese beiden Bücher in einem Satz zusammenfassen würden?

„Emotionales Gehirn–Darm II“ erzählt, wo der Mensch zusammenbricht.
„Ich kann nicht schlafen“ erzählt, wo der Mensch nicht mehr standhalten kann.

Das eine schreibt die Biologie des Zusammenbruchs.
Das andere die Nacht der Erschöpfung.

Und beide zusammen sagen Folgendes:

Der Körper lügt nicht.
Aber wir hören ihm seit langem nicht zu.

Denn die Sprache des Körpers ist laut.
Er spricht durch Schmerz.
Er flüstert durch Schlaflosigkeit.
Er gibt Laut durch Blähungen, Herzklopfen, Haut, Darm, Sexualität, Vergesslichkeit.

Der moderne Mensch hält diese Sprache für einen „Defekt“.
Dabei verursacht der Körper meistens keinen Defekt.
Er gibt eine Warnung.

Er sagt: „Dieses Tempo passt nicht zu mir.“
Er sagt: „Dieses Leben lastet schwer auf mir.“
Er sagt: „Du trägst dieses Gefühl seit Jahren.“
Er sagt: „Diese Angst sitzt in deinem Darm, diese Wut in deinem Zwerchfell, diese Einsamkeit in deinem Schlaf.“

Aber was tun wir?
Wir bringen ihn zum Schweigen.
Wir unterdrücken.
Wir benennen und entfernen ihn.

Genau deshalb wurden diese beiden Bücher geschrieben.
Damit der Mensch seinem Körper wieder Gehör schenken kann.
Damit er, anstatt gegen das Symptom zu kämpfen, die Botschaft entschlüsseln kann.
Damit er vor den Schlaftabletten den Rhythmus,
vor den Probiotika die Emotion,
vor dem Hormon das Leben sehen kann.

Diese Bücher behaupten Folgendes:
Der Körper geht nicht kaputt.
Der Körper trägt Last.
Und eines Tages beginnt diese Last zu sprechen.

Wenn Sie in letzter Zeit auch
„Ich bin nicht mehr wie früher“ sagen,
„Ich ruhe mich aus, aber es wird nicht besser“ sagen,
„Meine Befunde sind normal, aber mir geht es nicht gut“ sagen…

Dann wurden diese beiden Bücher für Sie geschrieben.

Denn diese Bücher erzählen nicht von der Krankheit.
Sie erzählen vom Menschen.

Und vielleicht das Wichtigste, woran sie erinnern:
Heilung beginnt nicht mit einer Behandlung, sondern meistens mit einem Erkennen.

Der Körper lügt nicht.
Die Frage ist:
Sind wir bereit, ihm wirklich zuzuhören?

Deniz Değerli

Odatv.com