Die Risiken von Übergewicht
1- Psychische Störungen und soziale Anpassungsschwierigkeiten: Heutzutage wird Übergewicht ästhetisch nicht gerne gesehen. Dieser Umstand kann besonders bei jungen Menschen zu schweren Neurosen führen. In der Therapie kann man sich dies zunutze machen. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, beim Patienten keine schweren Komplexe hervorzurufen.
2- Atembeschwerden: Übergewicht stellt eine mechanische Belastung für die Atmung dar. Das Atmen fällt schwerer. Ist die Fettleibigkeit weit fortgeschritten, steigt der Kohlendioxidgehalt im Blut. Dies macht den Patienten schläfrig. Bei stark übergewichtigen Menschen kommt es häufig zur sogenannten Schlafapnoe, also nächtlichen Atemaussetzern. Bei starkem Schnarchen kann der Atem bis zu 2 Minuten aussetzen. Dieser Vorgang belastet das Herz.
3- Negative Auswirkungen auf Skelett und Muskulatur: Skelett und Muskulatur werden über Jahre hinweg durch eine zusätzliche schwere Last belastet. Dies führt bei übergewichtigen Menschen häufiger zu Plattfüßen sowie Knie- und Hüftarthrose. Unter normalen Bedingungen können die Venen der unteren Extremitäten (Arme und Beine) das Blut durch die Kontraktion der Muskeln leichter zum Herzen zurückbefördern. Bei übergewichtigen Personen können die von Fett umgebenen Muskeln jedoch nicht ausreichend kontrahieren und somit nicht auf die Gefäße einwirken. Dadurch fehlt den Gefäßen die massierende Wirkung der Muskeln. Infolgedessen entstehen leicht Krampfadern und Krampfadergeschwüre. Zudem schwächt die Fettansammlung im Bauchraum und in der Bauchwand die Bauchmuskulatur, wodurch leicht ein Bruch (Hernie) entstehen kann.
4- Endokrine und metabolische Komplikationen: An der Spitze dieser Gruppe von Störungen steht die Zuckerkrankheit. Die wichtigste Ursache für das Auftreten von Typ-II-Diabetes ist Übergewicht. Je stärker und länger anhaltend das Übergewicht ist, desto höher ist auch die Rate des Auftretens von Diabetes. 8 von 10 Diabetikern (Typ II) sind übergewichtig. Eine Person, die innerhalb von acht Jahren 20 Kilogramm zunimmt, erhöht ihr Diabetesrisiko um das 12-Fache. Eine Person, die im selben Zeitraum abnimmt, reduziert ihr Diabetesrisiko hingegen um 87 %.
Bei übergewichtigen Personen steigen der Triglyceridspiegel und der Spiegel freier Fettsäuren, während der HDL-Cholesterinspiegel sinkt. Diese drei Faktoren zusammen verursachen Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Eine Hypertriglyceridämie führt zu einer Fettleber. Auch der Harnsäurespiegel steigt bei Fettleibigkeit an und bereitet den Boden für Gicht.
5- Herz-Kreislauf-Komplikationen: Bei übergewichtigen Personen tritt häufig Bluthochdruck auf. Mit dem Abnehmen sinkt der Bluthochdruck wieder auf normale Werte. Bluthochdruck führt zusammen mit erhöhten Triglyceridwerten und niedrigem HDL zu einer arteriosklerotischen koronaren Herzerkrankung. Angina pectoris (ein oft in der Brustmitte spürbares Druck- und Engegefühl, das durch eine regionale Minderdurchblutung entsteht), Myokardinfarkt (Absterben des Herzmuskelgewebes in einem bestimmten Bereich infolge einer unzureichenden koronaren Durchblutung) und Herzinsuffizienz treten bei übergewichtigen Menschen häufiger auf. Mit der Gewichtsabnahme des Patienten zeigen sich bei diesen Erkrankungen positive Verbesserungen. Bei übergewichtigen Personen kann eine verlangsamte Funktion der Natriumpumpe an der Entstehung von Bluthochdruck beteiligt sein. Die American Heart Association gibt an, dass das Risiko eines Myokardinfarkts von 50 % auf 70 % steigt, wenn der BMI (Body-Mass-Index) von 25 auf 28 ansteigt.
6- Übermäßiges Essen führt zu vorzeitigem Altern: Studien an 100-jährigen Menschen haben gezeigt, dass die meisten von ihnen sehr schlank sind, körperlich und geistig aktiv sind und wenig Kalorien zu sich nehmen. Eine Kalorienrestriktion trägt dazu bei, jung zu bleiben. Denn je weniger Kalorien der Körper erhält, desto weniger Energieumwandlung findet statt. Dadurch entstehen weniger schädliche Nebenprodukte. Der bei der Verarbeitung der Nährstoffe im Körper als Brennstoff verwendete Sauerstoff ist in hohen Dosen giftig und trägt zum Altern bei.
7- Bei übergewichtigen Menschen treten Gallensteine und deren Komplikationen häufiger auf.
8- Bei Fettleibigkeit sind Komplikationen wie postoperative Wundinfektionen und Nahtaufbrüche häufiger. Auch die Geburt ist bei übergewichtigen Frauen schwieriger und risikoreicher.
9- Ein erhöhtes Unterhautfettgewebe begünstigt Hautinfektionen. Pilzinfektionen an Muskeln und Füßen treten häufiger auf.
10- Bei übergewichtigen Personen treten gynäkologische Komplikationen häufiger auf.
11- Übergewichtige Personen sind häufiger von Haushalts-, Arbeits- und Verkehrsunfällen betroffen.
12- Im Vergleich zu Normalgewichtigen ist das Krebsrisiko bei übergewichtigen Personen höher.
Aufgrund der oben genannten Komplikationen verkürzt sich die Lebenserwartung übergewichtiger Menschen. Übergewicht verursacht in den USA jährlich 300.000 Todesfälle und kostet die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland jährlich 30 Milliarden Euro. Bei Frauen schränkt Fettleibigkeit die Lebenserwartung nicht so stark ein wie bei Männern. Allerdings sind Knie- und Hüftarthrose bei übergewichtigen Frauen häufiger und ausgeprägter. Dies mindert wiederum die Lebensqualität. All diese Komplikationen zeigen, dass Übergewicht und Fettleibigkeit vollständig behandlungsbedürftige Krankheiten sind.
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Hüseyin Nazlıkul