Gesunde und ausgewogene Ernährung bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen
Bei der Ernährung ist nicht nur die Frage „Was?“, sondern auch die Frage „Wie?“ wichtig.
- Nehmen Sie sich Zeit zum Essen.
- Gründliches Kauen unterstützt die Verdauung und kann eine bessere Aufnahme der Nährstoffe ermöglichen.
- Der Verzicht auf sehr heiße oder sehr kalte Speisen verhindert eine unnötige Belastung Ihres Verdauungssystems.
- Sie sollten mehrere kleine Mahlzeiten anstelle weniger großer Mahlzeiten zu sich nehmen. So werden Speisen in der Regel besser vertragen.
- Wenn Sie darauf achten, Speisen weich zuzubereiten, können Sie viele Mahlzeiten leichter verdaulich machen.
- Passen Sie Ihre Ernährung an den aktuellen Aktivitätsgrad Ihrer Erkrankung und daran an, ob Komplikationen vorliegen.
- Wenn Sie keine Symptome haben, ist eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung am sinnvollsten, bei der Sie lediglich das weglassen, was Sie persönlich nicht vertragen.
NÄHRSTOFFMANGEL BEI MORBUS CROHN UND COLITIS ULCEROSA
Viele Patienten weisen Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Nahrungsbestandteilen auf, allen voran eine Milchunverträglichkeit; dies sollte entsprechend abgeklärt werden.
Der Fokus sollte darauf liegen, eine Mangelernährung zu verhindern und Nährstoffdefizite auszugleichen. Fast die Hälfte der Patienten (etwa 40 %) zeigt bei akuten Schüben eine Eisenmangelanämie. Aufgrund der Lokalisation der Entzündung besteht bei nahezu allen Patienten ein Kalzium- und Vitamin-D-Mangel. Da bei etwa einem Drittel der Patienten eine sehr niedrige Albuminkonzentration im Blut vorliegt, muss auf eine ausreichende Proteinzufuhr geachtet werden. Zudem kommt es aufgrund starker Durchfälle zu Flüssigkeits- und Elektrolytverlusten, die engmaschig kontrolliert und ausgeglichen werden müssen.
Mögliche Ursachen für einen Nährstoffmangel:
- Schmerzen, Durchfall und Übelkeit vermindern den Appetit.
- Es entwickeln sich Unverträglichkeiten gegenüber bestimmten Lebensmitteln (laktose- oder glutenhaltige Produkte).
- Während der Phasen der Darmentzündung benötigt der Körper mehr Nährstoffe, kann bestimmte Nährstoffe jedoch gleichzeitig nicht ausreichend aufnehmen und verwerten.
- Bei Durchfall verlieren Sie zusammen mit der Flüssigkeit auch Vitamine und Mineralstoffe.
- Die Einnahme von Medikamenten kann ebenfalls die Aufnahme und Verarbeitung von Nährstoffen beeinflussen.
FOKUS AUF DIE VERMEIDUNG VON KOMPLIKATIONEN UND DIE VERBESSERUNG DER SYMPTOME
Bei Menschen mit chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen ermöglicht eine angepasste Ernährung neben einer Verbesserung der Symptome auch die Vermeidung von Komplikationen. Wie bei gesunden Menschen ist das Ziel eine ausgewogene Ernährung mit etwa 30-40 kcal pro Kilogramm Körpergewicht und mindestens 1 bis 1,5 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht. Zur Vermeidung von Defiziten können bei Bedarf Proteingetränke verabreicht werden. Diese Getränke sollten jedoch in der vorgeschriebenen Dosierung eingenommen werden, da chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, insbesondere Morbus Crohn, häufig zur Bildung von Nierensteinen führen.
Wenn Ihr Körper über einen längeren Zeitraum nicht ausreichend Nährstoffe erhält, entsteht eine Mangelernährung. In der Folge kann es zu unzureichender Energiezufuhr und damit zu Gewichtsverlust oder Vitamin-Mineralstoff-Mangel kommen.
Zur Vorbeugung von Mangelerscheinungen wird die Einnahme von Vitaminpräparaten oder anderen Nahrungsergänzungsmitteln nicht generell empfohlen. Tritt jedoch ein Mangel auf oder ist in bestimmten Situationen absehbar, dass ein Nährstoff nicht aufgenommen werden kann, sollte eine gezielte Ergänzung geplant werden. So kann beispielsweise eine Behandlung mit Kortisonpräparaten zu einem Kalziummangel führen. In den meisten Fällen reicht es jedoch nicht aus, einfach kalzium-, eisen- oder vitaminhaltige Tabletten aus der Apotheke zu kaufen.
Hervorzuheben ist der häufig auftretende Zinkmangel, da er zu Geschmacksstörungen führt und somit die Nahrungsaufnahme einschränkt. An einen Zinkmangel sollte besonders bei Patienten mit Wundheilungsstörungen und Fisteln gedacht werden. Da die Aufnahme vermindert ist, sollten Sie Ihre Eisen- und B12-Werte regelmäßig kontrollieren lassen.
Weitere Informationen zu diesem und ähnlichen Themen finden Sie in meinem Buch „Antientzündlicher Ernährungsratgeber“.
Hüseyin Nazlıkul
Odatv.com