Chronische Degeneration und Alterung
Bei chronischen Erkrankungen und Degenerationen steht die Grundregulation im Zentrum von Pathogenese, Diagnostik und Therapie.
Stress bedeutet für den Organismus die Anpassung an einen anhaltenden Reiz; diese Anpassung hängt von der Regulationsfähigkeit des Organismus ab. Chronischer Stress stellt ein Problem dar, das mit einer Störung der Grundregulation beginnt. Der Grund dafür ist, dass jede chronische Belastung einen anhaltenden Reiz darstellt und mit chronischem Stress gleichzusetzen ist.
Stress verursacht durch den Anstieg von Zytokinen, Chemokinen und Adhäsionsmolekülen einen proinflammatorischen Zustand. Zudem aktiviert er das noradrenerge System sowie das Renin-Angiotensin-Aldosteron-System (RAAS). Darüber hinaus begünstigt Stress (zusätzlich zu einer unzureichenden Ernährung) eine Störung der Darmflora, indem er Streptokinase-produzierende Bakterien unterdrückt und die Streptokinase im Blut reduziert. In der Folge kann es neben einem Anstieg der Blutviskosität auch zu einem Ungleichgewicht in der Fibrinogen-Fibrin-Bildung kommen.
Unzureichende Ernährung begünstigt zudem eine übermäßige Übersäuerung – die Azidose ist ein metabolischer Zustand, der nicht nur die Grundregulation, sondern auch die Abwehrreaktion stört. Chronischer Stress verursacht so eine chronische Belastung der extrazellulären Matrix (biolelektrischer Zustand, Wassergehalt, Säure-Basen-Gleichgewicht usw.) und des Grundsystems, was letztlich zu einer Beeinträchtigung der Regulationsfähigkeit führt. Mit all diesen Folgen kann sich ein Teufelskreis in Richtung eines chronischen Stresssyndroms entwickeln.
Der Grund dafür liegt darin, dass ein anhaltender Reiz zunächst durch lokale Abwehrmechanismen begrenzt bleibt und eine Funktionsstörung des Grundsystems verursacht (lokale regulatorische Degeneration, regulatorische Blockierung/Starre). Die allgemeine Auswirkung auf den gesamten Organismus stellt sich dabei nach und nach ein. Bis zu diesem Punkt unterscheiden sich die regulatorischen Prozesse im zunächst betroffenen Bereich von denen in „freien" (noch nicht betroffenen) Bereichen. Diese regulatorische Blockierung erfasst nahezu alle Parameter (lokale Systeme) und kann daher auch zur Diagnose der Blockierung herangezogen werden. Die lokale regulatorische Degeneration wird anschließend beispielsweise über den zugehörigen Spinalnerv präzise an das Rückenmark weitergeleitet, im segmental zugeordneten zentralen Nervensystem verarbeitet, und im entsprechenden Segment entsteht eine tonisch-algetische Schmerzsymptomatik.
Wird das bereits aus dem Gleichgewicht geratene Grundsystem mit einer zusätzlichen Belastung konfrontiert, kann dieser „zweite Schlag" eine überschießende Reaktion auslösen und unabhängig von der Lokalisation der primären Regulationsstörung eine Beschwerde durch eine globale Auswirkung der Grundregulation hervorrufen. Das bedeutet: Eine zunehmende Reizdauer und Reizstärke (meist über Summationseffekte) führt zu einer Generalisierung der ursprünglich lokalen primären Regulationsstörung unter Einbeziehung zentraler Regulationsmechanismen. Das Ergebnis ist eine Dysmetabolie, die zunächst in der Matrix und anschließend in den Organzellen zu Degenerationsphänomenen führt und so den gesamten Organismus im Sinne eines chronischen Stresssyndroms beeinträchtigt. Dies bedeutet zugleich, dass jeder anhaltende Reiz als langwirksamer Risikofaktor diesen phasenhaften Verlauf auslösen kann. Es ist wichtig zu beachten, dass die Regulationsstörung den Krankheitsverlauf bestimmt. Die Wechselwirkung mit individuellen zusätzlichen Belastungen (sekundäre Stressfaktoren) bestimmt das individuelle Erscheinungsbild der Erkrankung.
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