Milch trinken ist nicht so gesund wie angenommen... Vergessen Sie, was Sie zu wissen glauben
Milchzucker, also Laktose, ist in jeder Milch und in allen daraus hergestellten Produkten enthalten. Milch gehört weltweit zu den als gesund geltenden Getränken an vorderster Stelle. Sie gilt insbesondere als Grundgetränk für Kinder, Kranke und Menschen mit Osteoporoserisiko. Milch vor dem Schlafengehen, Milch beim Aufwachen, Milch bei Krankheit, Milch bei Appetitlosigkeit… Entgegen allem, was uns bisher beigebracht wurde, ist Milch jedoch kein so vorteilhaftes Nahrungsmittel, wie allgemein angenommen wird.
Wir sollten wie folgt denken: Wäre Milch für unser gesundes Wachstum und unsere Gesundheit ein derart unverzichtbares Getränk, hätte der Schöpfer bei der Erschaffung von uns und diesem Universum außer den Müttern noch weitere natürliche Milchquellen geschaffen. Kuh, Schaf, Ziege und Frau – also alle weiblichen Wesen, die eine Milchquelle darstellen – setzen ihre Milchproduktion nur so lange fort, wie ihr Nachwuchs sie benötigt. Die Milchproduktion beginnt unter gesunden und unbeeinflussten Bedingungen (Geburten ohne Kaiserschnitt, Ansätze ohne Medikamente…) durch den Kontakt des weiblichen Körpers mit seinem Nachwuchs. Ist der Bedarf gedeckt, endet auch die Milchproduktion der Frau. Dies gilt für alle Lebewesen. Betrachtet man die Natur, trinkt kein Tier die Milch einer anderen Art. Ein erwachsenes Tier, das die Säuglingsphase bereits hinter sich hat, trinkt ohnehin keine Milch mehr – es sei denn, es steht kurz vor dem Verhungern und trinkt Milch, um zu überleben. Was aber tun wir heute? Kurzzeitige Muttermilch und lebenslang Kuhmilch!
Die Gründe dafür, dass das Stillen nur kurz dauert, sind äußerst tragisch: allen voran Kaiserschnittgeburten, schlechte Ernährung, Stress, berufstätige Mütter und, in geringerem Maße, auch ästhetische Bedenken… Die anstelle der Muttermilch gegebene Kuhmilch ist keine natürliche Quelle. Um eine kontinuierliche Milchversorgung sicherzustellen, werden Kühe häufig erneut trächtig gemacht, oder es werden in großen Produktionsbetrieben Stimulationsmethoden eingesetzt. Wie nützlich kann die auf diese erzwungene und stimulierte Weise gewonnene Milch einer anderen Spezies für den menschlichen Körper tatsächlich sein?
Angesichts der häufigen Trächtigkeit der milchliefernden Tiere bzw. der Stimulationsmaßnahmen zur Verlängerung der Laktationsphase, der Art der Tierhaltung (Bewegungsmangel, künstliches Futter, teils sogar medikamentöses Futter), des maschinellen Melkens sowie der langen Lagerzeit in mit zahlreichen Konservierungsstoffen versehenen Verpackungen in den Regalen der Märkte nach zahlreichen Verarbeitungsschritten, sollte tatsächlich jeder hinterfragen, ob die auf den Tisch kommende Milch gesund ist oder nicht.
Trotz alledem bleibt Milch – auch unter dem Einfluss der Gesundheits- und Lebensmittelbranche – heute eines der am häufigsten konsumierten Produkte. Doch die in den letzten Jahren zunehmende Häufigkeit der Laktoseintoleranz ist ein weiteres wichtiges Ergebnis, über das man nachdenken sollte.
WAS IST LAKTOSEINTOLERANZ
Intoleranz bedeutet Unverträglichkeit. Da es hier um Ernährung geht, bezeichnet Intoleranz die Unfähigkeit, einen Verdauungsvorgang durchzuführen. Laktoseintoleranz bedeutet, dass Milch und milchhaltige Lebensmittel nicht verdaut werden können.
Heute gibt es drei Typen der von Tag zu Tag häufiger auftretenden Laktoseintoleranz. Die Ursache der ersten beiden Typen hängt mit dem Laktase-Enzym zusammen, während die dritte Gruppe eine andere Ursache hat. Betrachten wir die Typen der Laktoseintoleranz kurz im Einzelnen:
1. Angeborene Laktoseintoleranz (Primäre Laktoseintoleranz): Um die primäre Laktoseintoleranz zu verstehen, muss man wissen, was Laktase ist. Laktase ist die Bezeichnung für die Substanz, die Laktose spaltet. Es handelt sich um ein Enzym. Damit Laktose resorbiert werden und ins Blut übergehen kann, muss sie gespalten werden. Laktose, die aus zwei Untereinheiten (Galaktose und Glukose) besteht, wird durch das von der Dünndarmschleimhaut gebildete Enzym Laktase gespalten und kann nur auf diese Weise resorbiert werden. Bei der primären Laktoseintoleranz ist von Geburt an überhaupt kein aktives Laktase-Enzym vorhanden, sodass Laktose gar nicht genutzt werden kann. Diese Gruppe ist recht selten. Die Diagnose wird bereits gestellt, sobald der Säugling erstmals mit Milch in Berührung kommt.
2. Erworbene Laktoseintoleranz (Sekundär erworbene Form): Dies ist die am häufigsten auftretende Form. Bei dieser Gruppe ist die Laktaseaktivität bei der Geburt hoch und nimmt mit zunehmendem Alter ab. Deshalb können ältere Menschen keine großen Mengen an Milch und Milchprodukten mehr konsumieren.
3. Infolge einer Erkrankung entstehende Laktoseintoleranz (Sekundäre Laktoseintoleranz): Diese Gruppe entsteht infolge von Erkrankungen der Schleimhautschicht, die die Innenfläche des Darms bedeckt. Bei Darmerkrankungen gerät das Gleichgewicht der auf der Schleimhaut vorhandenen Flora (Gemeinschaft von Mikroorganismen) aus dem Gleichgewicht. Dieser Zustand einer gestörten Darmflora wird als Dysbiose bezeichnet.
Sekundär bedeutet, dass etwas als Folge eines anderen Zustands und im Zusammenhang damit auftritt. Die sekundäre Laktoseintoleranz entsteht – unabhängig von der ursächlichen Erkrankung – als Folge einer gestörten Darmflora. Sie ist häufig. Diese Gruppe hat nichts mit der Laktase zu tun. Das Problem ist die gestörte Durchlässigkeit der Darmschleimhaut. Die in ihrer Durchlässigkeit gestörte Schleimhaut kann die in Milch und Milchprodukten enthaltene Laktose nicht resorbieren. Heute nimmt die Häufigkeit aufgrund ungünstiger Ernährung, häufiger Medikamenteneinnahme und ähnlicher Ursachen zu. Nach einer erfolgreichen Behandlung verschwindet die Laktoseintoleranz jedoch wieder, und die betroffene Person kann erneut laktosehaltige Milch und Milchprodukte konsumieren. Dabei ist auf einen ausgewogenen und maßvollen Verzehr zu achten.
Bei 70 % der Erwachsenen liegt eine Laktoseintoleranz in unterschiedlicher Ausprägung vor. Die Menge an Milch und Milchprodukten, die die Intoleranz auslöst, führt zu einer von Person zu Person unterschiedlichen Vielfalt an Symptomen. Viele Menschen mit geringer Laktaseaktivität im Darm können ein Glas Milch nicht vertragen, jedoch problemlos Hartkäse und Joghurt konsumieren, da diese wenig Laktose enthalten. Manche Intoleranzfälle hingegen reagieren bereits auf einen Esslöffel Milch in einem Lebensmittel rasch mit zahlreichen Beschwerden.
Für weitere Informationen zu diesem und ähnlichen Themen können Sie mein Buch „Güzel, Mutlu ve Sağlıklı“ (Schön, Glücklich und Gesund) zurate ziehen.
Hüseyin Nazlıkul