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Warum entstehen unerwartete Reaktionen im Körper

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 07.02.2021 3 min read

Unsere Gesundheit ist gefährdet, wenn das stabile und sensible Gleichgewicht zwischen allen Organsystemen gestört wird. Natürlich können Krankheiten auch durch Verletzungen oder Giftstoffe entstehen. Doch auch lange andauernde Überlastungen, denen keine ausreichende Erholung folgen konnte, können Ursache einer Erkrankung sein.

Unter normalen Umständen hält unser Körper lebenswichtige Prozesse selbst in einer Notsituation reibungslos aufrecht. Brechen wir uns zum Beispiel bei einem Unfall den Arm, laufen Atmung und Verdauung weiter, als wäre nichts geschehen. Zusätzlich muss der Körper dabei auch die schwere Last des Heilungsprozesses tragen. Kommen zu all dem noch weitere die Gesundheit bedrohende Belastungen hinzu, gerät das System aus dem Gleichgewicht. Das Nervensystem spielt in all diesen Prozessen eine sehr wichtige Rolle.

EINES DER WICHTIGSTEN ANZEICHEN

An der Grundlage einer Krankheit spielen neben dem Nervensystem auch Abbauprodukte, die sich im Körper anhäufen, wie „im Bindegewebe abgelagerte, vom Körper nicht ausgeschiedene Toxine“, eine wichtige Rolle. Kann der Körper diese Toxine nicht ausscheiden – unabhängig davon, worin die Beschwerden der betroffenen Person bestehen – und die notwendige Ordnung (Regulation) des Körpers nicht herstellen, entstehen im nächsten Schritt funktionelle Störungen in Organen und Geweben. Halten diese Störungen länger an, manifestieren sie sich als chronische Erkrankungen, und in den Organen entstehen strukturelle Schäden.

Eines der wichtigsten Krankheitszeichen, der SCHMERZ, entsteht ausschließlich durch nervöse Mechanismen. Schmerz entsteht nicht ohne Beteiligung des sympathischen Nervensystems. Neue und umfassende Studien zum Thema Schmerz bestätigen im Grunde die Beobachtungen, die seit über 100 Jahren im Bereich der Neuraltherapie gemacht werden. Schlagen wir bei einer Reparaturarbeit zu Hause mit dem Hammer statt auf den Nagel auf den Daumen oder verstauchen wir uns beim Sport den Fuß, werden die als unabhängige Nervenendigungen bezeichneten, frei im Bindegewebe endenden sympathischen Nerven aktiviert. Diese Nervenendigungen werden als „Nozizeptoren“ bezeichnet. Sie befinden sich größtenteils in der Haut, in den Muskeln und in den inneren Organen. Die Nervenfasern sind mit dem Rückenmark und dem Gehirn verbunden. Im Falle einer Verletzung senden diese Nervenendigungen als „Warnsignal“ die Schmerzempfindung (Information). Dieses mit 120 m/s sehr schnelle Signal wird über die Nervenfasern an den Körper weitergeleitet, und der Körper reagiert sofort. So entfernen wir uns von der schädlichen Einwirkung oder unterbrechen die Tätigkeit, die wir gerade ausführen. Auf diese Weise wird der verletzte Körperteil geschützt.

SENDET „STILLE SIGNALE“ AUS

Bei einer Verletzung der Hand oder einer Verstauchung des Fußes verordnet das Gehirn sofort Ruhigstellung. Das System schaltet in seinen Schutzmodus. Sobald die Verletzung verheilt ist, verschwindet das Schmerzsignal. Das Signal zur Ruhigstellung endet. Die Nervennetzwerke beruhigen sich, und der Schmerz lässt nach. Bei der Entstehung von Krankheiten kann es allerdings auch Situationen geben, die sich nicht durch Schmerz bemerkbar machen, oder es liegen nicht vollständig ausgeheilte Entzündungen in inneren Organen wie „Magen oder Mandeln“ vor. Diese stummen Entzündungen reagieren nicht wie eine offen sichtbare Glut, sondern senden über die Nervenfasern fortwährend „stille Signale“ aus.

In manchen Fällen setzen diese Organe zudem toxische Stoffe oder krankheitsübertragende Erreger in ihrer Umgebung frei. Trotz all dem bemerken wir zunächst nichts; bis der Körper geschwächt ist und ein Punkt erreicht wird, an dem er mit diesen Problemen nicht mehr fertig wird. Genau dann flammt die still glühende Glut plötzlich auf. Zum Beispiel bricht bei einer harmlosen Situation wie einer einfachen Infektion (Erkältung) oder bei beruflichem Stress die Widerstandsfähigkeit zusammen, und Krankheitszeichen treten zutage.

In diesem Fall können im Körper unerwartete Reaktionen entstehen. Denn die Nervenbahnen, insbesondere das sympathische System, sind aufgrund dieses verborgenen, symptomlosen Krankheitsprozesses stark erschöpft und überlastet, mehr als es sein sollte. In diesem Zustand kommt es zu Fehlleitungen oder Kurzschlüssen in den gesamten Nervennetzwerken. Deshalb treten Schmerzen oder Beschwerden meist nicht dort auf, wo das eigentliche Problem liegt, sondern an einer ganz anderen Stelle im Körper. Das bedeutet, dass die Beschwerde, mit der ein Patient zum Arzt geht, in Wirklichkeit einer anderen, unsichtbaren Erkrankung zuzuordnen ist. Dies erschwert dann die Diagnose und damit auch die Behandlung der Krankheit. Diese Schwierigkeit verwandelt die Suche nach den eigentlichen Ursachen der Erkrankung in ein regelrechtes Katz-und-Maus-Spiel.

Weitere Informationen zu diesem und ähnlichen Themen finden Sie in meinem Buch „Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich“.

Hüseyin Nazlıkul

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