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Bei Zähneknirschen reicht eine Aufbissschiene für die Nacht nicht: Die grundlegende Lösung finden…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 29.06.2025 3 min read

Bruxismus (Zähnepressen und -knirschen) und die Dysfunktion des Kiefergelenks (Temporomandibulargelenk, TMG) dürfen nicht lediglich als lokale Pathologien betrachtet werden, die nur Mund und Kieferregion betreffen. Hinter diesem komplexen Krankheitsbild liegen oft strukturelle und autonome Ursachen wie Störungen der neurovegetativen Regulation des kraniomandibulären Systems, obere zervikale Dysfunktionen, Instabilität des Iliosakralgelenks und Übergangssyndrome der thorakolumbalen Übergangsregion. Klinischen Erfahrungen zufolge bringen bei diesen Patienten Ansätze, die nur oberflächliche Symptome behandeln – etwa allein eine nächtliche Aufbissschiene oder Botulinumtoxin-Anwendungen –, lediglich vorübergehende Erleichterung und bieten keine langfristige Lösung.

  1. Die Bedeutung von Bruxismus und TMG-Dysfunktion aus Sicht der Regulationsmedizin: Obwohl Bruxismus häufig mit Stress, Schlafstörungen und emotionaler Anspannung in Verbindung gebracht wird, sind diese Symptome meist das Ergebnis einer neurovegetativen Disorganisation. Die TMG-Dysfunktion wiederum ist nicht nur ein lokales Gelenkproblem, sondern spiegelt eine Regulationsstörung des gesamten kraniomandibulären Systems und der vagalen Achse wider.

In diesem Zusammenhang können:

  • Die oberen zervikalen Segmente (C0–C3)
  • Eine Dysfunktion des Iliosakralgelenks
  • Störungen des thorakolumbalen Übergangs (Maigne-Syndrom)
  • Reizungen des Nervus phrenicus

…das funktionelle Gleichgewicht des Kiefergelenks direkt beeinflussen. In der klinischen Praxis erzielen lokale Eingriffe im Kieferbereich nur begrenzten Erfolg, wenn diese axialen Dysfunktionen nicht mitberücksichtigt werden.

  1. Die Achse mit Manueller Medizin beurteilen: Der wesentliche erste Schritt: Bevor bei Bruxismus und TMG-Dysfunktion mit der Behandlung begonnen wird, müssen im Rahmen der Manuellen Medizin folgende Achsen eingehend beurteilt werden:
  • Kraniobasale Haltung und die Beziehung zwischen Atlas und Okziput
  • Zervikothorakaler Übergang und skapuläres Gleichgewicht
  • Stabilität des Iliosakralgelenks und Beckenrotationen
  • Thorakolumbaler Übergang (Maigne-Syndrom) und Zwerchfellbeweglichkeit

Werden nach dieser Untersuchung an den festgestellten dysfunktionellen Bereichen manuelle Mobilisationen und Regulationsanwendungen durchgeführt, verringert sich die Belastung des Kiefergelenks, und es stellt sich ein Gleichgewicht ein.

  1. Neuraltherapie: Regulation von Störfeldern und segmentaler Ansatz: Die Neuraltherapie wirkt bei TMG-Störungen auf zwei Ebenen:
  • Segmentale Regulation: Durch Injektionen an den oberen zervikalen Segmenten, am Nervus phrenicus, am Nervus vagus und am Ganglion stellatum wird die autonome Regulation hergestellt.
  • Behandlung von Störfeldern: Insbesondere Zahnextraktionsnarben, nach endodontischen Eingriffen entstandene Herde und die Tonsillenregion können Störfelder darstellen. Deren Injektion mit einem Lokalanästhetikum stellt die vagale Regulation wieder her.

Direkte Injektionen am Kiefergelenk (intraartikulär oder periartikulär) sollten erst durchgeführt werden, nachdem die segmentale Regulation erreicht wurde.

  1. Die Aufbissschiene für die Nacht: Wann und in welcher Form?

Die in klassischen Ansätzen als erster Schritt empfohlene nächtliche Aufbissschiene bleibt meist eine symptomatische und oberflächliche Maßnahme. Wird sie insbesondere verordnet, ohne dass obere zervikale und pelvine Dysfunktionen zuvor korrigiert wurden, kann sie den Zustand mitunter sogar verschlechtern.

Nachdem jedoch durch Manuelle Medizin und Neuraltherapie eine Regulation erreicht wurde, wird die nächtliche Aufbissschiene als sekundäre Unterstützung deutlich wirksamer. An diesem Punkt kann die Schiene die Kaulinie stabilisieren und die Muskelspannung ausgleichen.

  1. Botox-Anwendungen: Vorübergehende Erleichterung, aber keine dauerhafte Lösung: Botulinumtoxin-Injektionen in Masseter und Musculus temporalis verschaffen zwar kurzfristige Erleichterung, lösen jedoch die neuronalen Dysfunktionen nicht. Im Gegenteil: Bleibt die tiefergehende Regulation aus, können diese Anwendungen die Symptome lediglich maskieren. Botox sollte erst nach Herstellung der Regulation als vorübergehender Muskelentspanner in Betracht gezogen werden.
  2. Assoziierte Störungen: Maigne-Syndrom und Iliosakralgelenk-Dysfunktion: Das als Maigne-Syndrom bezeichnete thorakolumbale Übergangssyndrom erhöht die Belastung des Kiefergelenks. Ebenso wirken sich Beckenasymmetrie und ISG-Instabilität auf die Kopf-Hals-Achse aus und stören die Kieferfunktion. Deshalb sollten diese Regionen bei jedem Patienten, der mit Kieferschmerzen vorstellig wird, sorgfältig untersucht werden.
  3. Psychoemotionale Regulation und Mikrobiom-Unterstützung: Bei Bruxismus-Patienten werden häufig anhaltende sympathische Aktivierung, erhöhte Cortisolwerte, Störungen der Darmflora und eine latente Azidose beobachtet. Bei diesen Patienten sollten mikrobiomregulierende Präparate, zelluläre Energiestützen wie NADH und Q10, Antioxidantien sowie bei Bedarf Chelattherapien integriert werden.

Bruxismus und TMG-Dysfunktion sind ein systemisches Krankheitsbild, das nicht nur die Kiefermuskulatur oder die Gelenkstruktur betrifft, sondern das Gleichgewicht der gesamten kraniopelvinen Achse und des autonomen Nervensystems. Für eine erfolgreiche Behandlung sind erforderlich:

  • Die manualmedizinische Beurteilung der die Achse störenden strukturellen Dysfunktionen,
  • Die Herstellung der segmentalen Regulation und der Störfeldregulation mittels Neuraltherapie,
  • Die Planung der nächtlichen Aufbissschiene erst nach dieser Regulation,
  • Die ergänzende Einbindung von Akupunktur, Phytotherapie und Mikrobiomregulation

….

Der Ansatz von Dr. Hüseyin Nazlikul in Regulationsmedizin und Neuraltherapie bietet dem Patienten bei der Lösung dieses komplexen Krankheitsbildes sowohl kurzfristige Erleichterung als auch langfristige Regulation.

Weitere Informationen zur Neuraltherapie und den übrigen Behandlungsmethoden von Hüseyin Nazlıkul finden Sie hier.

Hüseyin Nazlıkul