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Hand- und Handgelenkschmerzen: Ein ganzheitlicher Diagnose- und Behandlungsansatz unter…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 02.09.2025 4 min read
Hand- und Handgelenkschmerzen: Ein ganzheitlicher Diagnose- und Behandlungsansatz unter Berücksichtigung lokaler und übertragener Organprobleme

Die Hand und das Handgelenk sind in der menschlichen Evolution durch ihre feinmotorischen Fähigkeiten hervorgetreten und stellen anatomisch eine funktional einzigartige Struktur dar. Im Laufe der Evolution hat sich die Hand so entwickelt, dass sie zahlreiche Aufgaben wie Greifen, Schreiben, Manipulation und das Heben von Lasten erfüllen kann. Die große Fläche, die die Hand auf der Homunkulus-Karte einnimmt, zeigt die Bedeutung und Komplexität dieser Struktur innerhalb des Nervensystems. Heutzutage sind unsere Hände durch Aktivitäten wie Tastaturnutzung, Touchscreens oder das Heben von Lasten stärker belastet und dadurch anfälliger für Schmerzen, Bewegungseinschränkungen und Funktionsverlust infolge falscher Nutzung.

In diesem Artikel werden die Ursachen von Hand- und Handgelenkschmerzen, die diagnostischen Methoden sowie die Behandlungsansätze im Kontext von manueller Medizin, Neuraltherapie und Regulationsmedizin behandelt.

Ursachen von Hand- und Handgelenkschmerzen

Lokale muskuloskelettale Probleme

  • Karpaltunnelsyndrom: Schmerzen und Taubheitsgefühl in Handgelenk und Fingern infolge einer Einklemmung des N. medianus im Handgelenk.
  • Schnappfinger: Schmerzhafte Bewegungseinschränkung durch Entzündung und Blockade der Fingersehnen.
  • Tendovaginitis de Quervain: Entzündung der Sehnen, die den Daumen bewegen.
  • Arthritis: Osteoarthritis oder rheumatoide Arthritis können Schmerzen und Steifheit in den Handgelenken verursachen.
  • Bandverletzungen: Überdehnung oder Riss der Bänder im Handgelenk.
  • Ganglienzysten: Flüssigkeitsgefüllte Zysten am Handgelenk können Nervenkompression und Schmerzen verursachen.

Übertragene Organprobleme

Hand- und Handgelenkschmerzen können mit viszerosomatischen Reflexen in Verbindung stehen, die von den inneren Organen ausgehen:

Mit Hand- und Handgelenkschmerzen in Verbindung stehende innere Organe:

  • Herz: Schmerzen in der linken Hand und im linken Handgelenk können ein Symptom von Herzerkrankungen wie Angina pectoris oder Myokardinfarkt sein.
  • Lunge: Insbesondere Schmerzen in der rechten Hand können von Lungenpathologien ausgehen.
  • Leber und Gallenblase: Schmerzen im rechten Handgelenk können mit einer Verstopfung der Gallenwege oder einer Leberfunktionsstörung in Zusammenhang stehen.
  • Verdauungssystem: Ösophagusspasmen sowie Magen- und Darmprobleme können reflexartig Schmerzen in Hand und Handgelenk hervorrufen.

Neurale und faszielle Verbindungen

  • Faszienketten: Das Handgelenk trägt Spannungen über faszielle Verbindungen, die sich entlang der oberen Extremität bis zu Schulter und Nacken erstrecken.
  • Plexus brachialis und N. medianus: Kompression oder Reizung dieser Nerven kann Schmerzen verursachen, die in Handgelenk und Hand ausstrahlen.

Dysfunktion des autonomen, auch vegetativen Nervensystems genannt

  • Sympathisches Nervensystem: Chronischer Stress und eine erhöhte sympathische Aktivität können zu Durchblutungsstörungen und Entzündungen in Handgelenk und Hand führen.
  • Parasympathisches Nervensystem: Eine unzureichende parasympathische Aktivität verzögert die Heilung und verstärkt chronische Schmerzen.

Diagnostische Methoden bei Hand- und Handgelenkschmerzen

Klinische Untersuchung

  • Anamnese: Dauer, Intensität, auslösende Faktoren des Schmerzes sowie Anzeichen übertragener Schmerzen werden erfragt.
  • Körperliche Untersuchung:
  • Bewegungsumfang des Handgelenks, Krafttests und Nervenfunktionen werden untersucht.
  • Mit dem Tinel- und Phalen-Test wird auf ein Karpaltunnelsyndrom untersucht.

Segmentale Untersuchung

  • Die Segmente C5–Th1, mit denen Handgelenk und Hand in Verbindung stehen, werden durch Palpation untersucht.

Bildgebende Verfahren

  • Röntgen: Zur Beurteilung von Gelenkdeformationen.
  • MRT und CT: Zur Untersuchung von Weichteilverletzungen und Nervenkompressionen.
  • Ultraschall: Zur Beurteilung von Sehnen- und Nervenstrukturen.

Labortests

  • Biochemische Analysen und Bluttests zur Erkennung von Organfunktionsstörungen.

Behandlungsansätze bei Hand- und Handgelenkschmerzen

Regulation mittels Neuraltherapie

Die Neuraltherapie ist eine wirksame Methode zur Regulierung des autonomen Nervensystems und viszerosomatischer Reflexe:

  • Behandlung von Störfeldern:
  • Die Behandlung alter Narben, Zahninfektionen und chronischer Entzündungsherde mit Lokalanästhetika-Injektionen verringert die sympathische Belastung.
  • Segmentale Neuraltherapie:
  • Injektionen in die Segmente C5–Th1 regulieren die viszerosomatischen Reflexe.
  • Regulation des autonomen Nervensystems:
  • Die Blockade des Ganglion stellatum ermöglicht die Kontrolle der sympathischen Dysfunktion.

Der Ansatz der manuellen Medizin

Manuelle Therapie wird eingesetzt, um mechanische Dysfunktionen von Handgelenk und Hand zu korrigieren:

  • Gelenkmobilisation: Beseitigt Bewegungseinschränkungen in Handgelenk und Fingern.
  • Faszientechniken: Lösen Spannungen in den Faszienketten und steigern die Durchblutung.
  • Muskelentspannungstechniken: Die Entspannung der Unterarm- und Handmuskulatur kann Schmerzen lindern.

Unterstützende Ansätze mittels Regulationsmedizin

  • Entzündungshemmende Ernährung:
  • Omega-3-Fettsäuren, Magnesium, Zink und Antioxidantien verringern Entzündungen.
  • Darmgesundheit:
  • Prä- und probiotische Präparate helfen, systemische Entzündungen unter Kontrolle zu bringen.
  • Lymphatische und venöse Drainage:
  • Wichtig zur Unterstützung der Durchblutung in Hand und Handgelenk.

Bewegung und Rehabilitation

  • Körperliche Übungen: Stärkung und Verbesserung der Beweglichkeit der Hand- und Handgelenkmuskulatur.
  • Haltungstraining: Vermittlung einer korrekten Körperhaltung bei der Nutzung von Computer und Mobiltelefon.

Psychologische Unterstützung und Stressmanagement

  • Stressmanagement: Meditations- und Achtsamkeitstechniken zur Entlastung des autonomen Nervensystems.

Ganzheitliches Behandlungsprotokoll

Beurteilung des Patienten:

  • Klinische Untersuchung, segmentale Analyse und Beurteilung der Dysfunktionen des autonomen Nervensystems werden durchgeführt.

Behandlungsplan:

  • Neuraltherapie: Behandlung von Störfeldern und segmentale Regulation.
  • Manuelle Medizin: Gelenkmobilisation, Faszientechniken und Muskelentspannungstechniken.

Regulationsmedizin: Ernährungsanpassungen und Entzündungskontrolle. Langfristige Unterstützung:

  • Programme für Bewegung, Haltungstraining und Stressmanagement.

Fazit

Hand- und Handgelenkschmerzen stehen nicht nur mit lokalen mechanischen Problemen in Zusammenhang, sondern auch mit Organfunktionsstörungen, viszerosomatischen Reflexen und Dysfunktionen des autonomen Nervensystems. Neuraltherapie, manuelle Medizin und Regulationsmedizin bieten eine wirksame Behandlung, indem sie gezielt auf die Ursachen dieser komplexen Schmerzen eingehen.

Angesichts der entscheidenden Bedeutung der Hände im menschlichen Leben verhindert eine frühzeitige Diagnose und wirksame Behandlung von Problemen in diesem Bereich sowohl funktionelle Einbußen als auch verbessert sie die Lebensqualität der Betroffenen.

Dr. Hüseyin Nazlikul, M.D., PhD.
Vorsitzender von IFMANT, BNR, MTAR
Facharzt für Allgemeinmedizin – Medizinische Biophysik

Präsident der IFMANT (International Federation of Medical Associations of Neural Therapy)
Präsident der Türkischen Gesellschaft für Neuraltherapie
Präsident der Türkischen Gesellschaft für Manuelle Medizin und Schmerzregulation
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