Fibromyalgie-Syndrom: Regulationsmedizinischer und neuraltherapeutischer Ansatz

Das Fibromyalgie-Syndrom (FMS) ist eine komplexe, multifaktorielle Erkrankung, die durch weitverbreitete Schmerzen des Bewegungsapparats, chronische Erschöpfung, Schlafstörungen, Depression und kognitive Dysfunktion (Brain Fog) gekennzeichnet ist. Obwohl die Ätiologie der Erkrankung nicht vollständig bekannt ist, wird davon ausgegangen, dass zentrale Sensibilisierung, Neuroinflammation, die Auswirkungen von Stress auf das autonome Nervensystem sowie Störfelder (z. B. Zahnherde, Narben) dazu beitragen.
Die Regulationsmedizin ist ein ganzheitlicher Ansatz, der darauf abzielt, die Selbstheilungsfähigkeit des Körpers zu unterstützen, und in diesem Zusammenhang ist die Neuraltherapie eine wirksame Methode, um insbesondere das autonome Nervensystem zu regulieren und Störfelder zu behandeln.
Fibromyalgie und Neuraltherapie
Die Neuraltherapie zielt mittels Injektionen von Lokalanästhetika darauf ab, die Wirkung von Störfeldern zu beseitigen und das autonome Nervensystem zu regulieren. Die Rolle der Neuraltherapie in der Behandlung der Fibromyalgie lässt sich unter folgenden Punkten betrachten:
Erkennung und Behandlung von Störfeldern
Bei Fibromyalgie-Patienten führen häufig vorkommende Störfelder (Zahnwurzelinfektionen, chronische Sinusitis, alte Operationsnarben oder traumatische Bereiche) zu einer dauerhaften Stressbelastung des Körpers, die eine Dysfunktion des autonomen Nervensystems verursacht.
- Wie funktioniert das? Neuraltherapeutische Injektionen mit Lokalanästhetika beseitigen die neurogenen Wirkungen der Störfelder und ermöglichen so eine Verringerung von Schmerz und anderen Symptomen.
- Beispiel: Die bei Fibromyalgie-Patienten häufig auftretende Darmdysbiose und das Leaky-Gut-Syndrom können als Störfeld betrachtet werden, und die Behandlung dieses Zustands trägt zur allgemeinen Besserung bei.
Regulation des autonomen Nervensystems
- Bei Fibromyalgie-Patienten werden in der Regel eine erhöhte Aktivität des sympathischen Nervensystems und eine parasympathische Dysfunktion beobachtet. Dieser Zustand führt zu einer Senkung der Schmerzschwelle und zu Schlafstörungen.
- Wirkung der Neuraltherapie: Durch die Ausbalancierung des autonomen Nervensystems verringert sich die Anspannung im Bewegungsapparat, die Durchblutung verbessert sich, und der Schmerz lässt nach.
Verringerung der chronischen Entzündung
Bei Fibromyalgie-Patienten werden häufig systemische Entzündung und mikrogliale Aktivierung (übermäßige Aktivität der Immunzellen im Gehirn) beobachtet. Die Neuraltherapie kann diese Prozesse regulieren und so die Entzündung verringern.
Der regulationsmedizinische Ansatz
Ganzheitliche Beurteilung und individualisierte Behandlung
In der Regulationsmedizin werden alle biopsychosozialen Aspekte des Patienten berücksichtigt. In diesem Ansatz:
- Psychologische Regulation: Stressreduktion, Meditation und Achtsamkeitstechniken.
- Ernährungsregulation: Eine entzündungshemmende Ernährung und der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln.
- Physische Regulation: Manuelle Therapie, Physiotherapie und niedrig dosierte Bewegungsprogramme.
Die Bedeutung der Ernährung
Bei der Behandlung der Fibromyalgie kommt der richtigen Ernährung entscheidende Bedeutung zu, um oxidativen Stress zu reduzieren, die Energieproduktion zu steigern und Entzündungen unter Kontrolle zu bringen.
Empfohlene Nährstoffe
- Coenzym Q10 (CoQ10): Unterstützt die mitochondrialen Funktionen und steigert die zelluläre Energieproduktion. Ein CoQ10-Mangel wird bei Fibromyalgie-Patienten häufig beobachtet.
- Magnesium: Verringert Muskelkrämpfe und Schmerzen und unterstützt die Energieproduktion.
- Omega-3-Fettsäuren: Lindern durch ihre entzündungshemmende Wirkung Schmerz und Entzündung.
- Vitamin D: Niedrige Werte wurden mit Fibromyalgie-Symptomen in Verbindung gebracht. Eine Supplementierung kann zur Besserung von Schmerz und Erschöpfung beitragen.
- Vitamin C und E: Verhindern durch die Reduktion von oxidativem Stress Zellschäden.
- B-Komplex-Vitamine: Unterstützen die Funktionen des Nervensystems. Besonders ein Mangel an B12 und B6 kann häufig beobachtet werden.
Kombination von Neuraltherapie mit anderen unterstützenden Methoden
Bei der Behandlung der Fibromyalgie ist ein multidisziplinärer Ansatz erforderlich. Neben der Neuraltherapie können folgende Maßnahmen empfohlen werden:
- Manuelle Medizin – Manuelle Therapie: Wirksam bei der Reduzierung von Anspannungen im Bewegungsapparat.
- Akupunktur: Kann eingesetzt werden, um Schmerzen zu lindern und die Auswirkungen von Stress zu verringern.
- Psychologische Unterstützung: Da Depression, Angst und Schlafstörungen bei Fibromyalgie häufig auftreten, sollte diese durch Methoden wie Psychotherapie, kognitive Verhaltenstherapie oder Achtsamkeit unterstützt werden.
Fallbericht: Behandlung der Fibromyalgie mit Neuraltherapie
Patientin: Eine 42-jährige Patientin stellte sich mit Beschwerden von weitverbreiteten Muskelschmerzen, Erschöpfung, Schlafstörungen und kognitiver Funktionsstörung vor.
Behandlungsplan:
Neuraltherapie:
- Injektionen von Lokalanästhetika an einer als Störfeld identifizierten alten Kaiserschnittnarbe sowie an Zahnwurzelinfektionen.
- Anwendungen am Ganglion stellatum zur Regulation des autonomen Nervensystems.
Ernährungsunterstützung:
- Supplementierung mit CoQ10, Magnesium und Omega-3-Fettsäuren.
- Je nach festgestellter Unverträglichkeit eine glutenfreie und zuckerarme Ernährung.
Manuelle Therapie: Verringerung der Muskelverspannungen durch wöchentliche Sitzungen.
Psychologische Unterstützung: Achtsamkeitstraining und Schlafhygieneprogramm.
Ergebnis: Nach dreimonatiger Behandlung waren die Schmerzen der Patientin um 80 % reduziert, und es zeigte sich eine Besserung von Erschöpfung und Schlafstörungen.
Fazit
Das Fibromyalgie-Syndrom kann im Rahmen der Regulationsmedizin durch Neuraltherapie, Ernährungsanpassungen und unterstützende Methoden wirksam behandelt werden. Die Neuraltherapie spielt eine wichtige Rolle bei der Linderung der Symptome, indem sie Störfelder gezielt behandelt und das autonome Nervensystem reguliert. Ein ganzheitlicher Ansatz unterstützt sowohl die körperliche als auch die psychische Genesung, sodass die Lebensqualität der Patienten deutlich verbessert werden kann.
Individualisierte, multidisziplinäre Protokolle sind bei der Behandlung der Fibromyalgie notwendig, um die langfristige Gesundheit des Patienten zu optimieren.
Dr. Hüseyin Nazlikul, M.D., PhD.
Präsident von IFMANT, BNR, MTAR
Specialist in General Medicine - Medical Biophysics
President of IFMANT (International Federation of Medical Associations of Neural Therapy)
President of the Turkish Neural Therapy Society
President of the Turkish Manual Medicine- Pain Regulation Association
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