Der Mensch, der zusammenbricht, während er sich beschleunigt: Meditation ist kein 'Selbstoptimierungs'-Spiel
Wir haben nie so schnell gelebt wie heute.
Aber wir waren auch nie so erschöpft, zerstreut, unruhig und körperlich am Ende.
Kaum wach, schauen wir schon auf den Bildschirm. Der Tag beginnt mit Nachrichten, Neuigkeiten, Listen, Krisen. Der Geist ist in Alarmbereitschaft, noch bevor wir aus dem Bett gestiegen sind. Der Körper hingegen trägt die Last dieses Geistes.
Der moderne Mensch versucht, die Zeit zu managen. Tatsächlich aber wird er von der Zeit gemanagt.
Der Preis dieses Tempos ist nicht nur psychologisch. Dieses Tempo erzeugt einen direkten, zerstörerischen Druck auf das Nervensystem. Insbesondere auf unser emotionales Gehirn, das limbische System.
Das limbische System ist das Zentrum, das eng verwoben mit Angst, Bedrohungswahrnehmung, Emotionen, Traumagedächtnis, Herzrhythmus, Hormonsystem und autonomem Nervensystem arbeitet. In der Natur arbeitete dieses System nur kurzzeitig: Es entsteht eine Gefahr, der Alarm schlägt an, das Problem endet, das System schaltet sich ab.
Im modernen Leben schaltet sich der Alarm hingegen fast nie ab.
Ständige Benachrichtigungen, ständige Erwartungen, ständige Ungewissheit, ständiger Vergleich, ständiges Tempo…
Das Gehirn nimmt dies nicht als „normales Leben“ wahr, sondern als ununterbrochene Bedrohung.
•Grundlose Ängste
• Herzklopfen
• Verdauungsstörungen
• Schlaflosigkeit
• Vergesslichkeit
• Erschöpfung
• Muskelschmerzen
• Hormonelle Störungen
• Geschwächtes Immunsystem
Bei vielen Menschen sind die Untersuchungsergebnisse heute „normal“, die bildgebenden Befunde „unauffällig“. Aber der Person geht es nicht gut.
Denn das Problem liegt nicht im Organ.
Das Problem liegt in der Regulation.
Nach der Regulationsmedizin ist Gesundheit nicht die Abwesenheit von Krankheit. Gesundheit ist die Fähigkeit des Organismus, sein eigenes inneres Gleichgewicht herzustellen. Und das Zentrum dieser Fähigkeit ist das autonome Nervensystem.
Das grundlegende biologische Problem des modernen Menschen ist Folgendes:
Das autonome Nervensystem ist auf der sympathischen Seite eingerastet. Das heißt, der Körper befindet sich ständig im „Kämpfen-oder-Fliehen“-Modus.
In diesem Modus versucht der Körper zu überleben, nicht zu heilen.
Genau an diesem Punkt hört Meditation auf, ein „Selbstoptimierungs-Accessoire“ zu sein, und wird zu einer biologischen Notwendigkeit.
Während der Meditation kommt es im Gehirn zu messbaren Veränderungen:
•Die Amygdala-Aktivität nimmt ab
• Das limbische System beruhigt sich
• Der Vagusnerv wird aktiviert
• Das parasympathische System wird gestärkt
• Der Herzrhythmus reguliert sich
• Das Cortisol sinkt
• Die Hirnwellen verlangsamen sich
• Der Zellstoffwechsel wechselt in den Reparaturmodus
Das heißt, der Körper erhält nach langer Zeit zum ersten Mal folgende Botschaft:
„Du bist sicher. Der Alarm ist ausgeschaltet.“
Dies ist nicht nur ein „Entspannungsgefühl“.
Dies ist eine biologische Richtungsänderung.
Meditation versetzt den Körper von der Verteidigung in die Reparatur.
Deshalb ist Meditation keine Zeitverschwendung, sondern verschafft dem Körper Zeit.
Im Zeitalter des Tempos ist die radikalste Handlung das Langsamerwerden.
Denn Tempo verbraucht.
Tiefe repariert.
Und der Mensch ist heute auf Reparatur angewiesen.
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