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Die Schäden des hastigen Essens

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 02.11.2025 5 min read

Die Angewohnheit, hastig zu essen, beeinträchtigt nicht nur die Verdauungsorgane, sondern hat auch negative Auswirkungen auf das Nervensystem und die Darm-Hirn-Achse. Aus pathophysiologischer Sicht betrachtet, führt ständiges hastiges Essen zu chronischem Stress im Verdauungssystem.

Mit dem schnellen Tempo unserer heutigen Zeit ändern sich auch unsere Essgewohnheiten. Leider nehmen wir unsere Mahlzeiten meist hastig zu uns und schlucken die Bissen hinunter, ohne sie richtig zu kauen. Doch hastiges Essen bedeutet nicht nur, den Tisch früh zu verlassen; es bringt eine Reihe von Gesundheitsrisiken mit sich, von Verdauungsproblemen über Adipositas bis hin zu Nährstoffmangel. Wie auch Dr. Hüseyin Nazlıkul betont, liegt das Geheimnis des guten Kauens nicht nur in der mechanischen Zerkleinerung der Bissen, sondern vor allem darin, von den sehr wichtigen Enzymen zu profitieren, die der Speichel bei der Interaktion mit der Nahrung produziert.

JENSEITS DES KAUENS: DER CHEMISCHE TANZ DER VERDAUUNG

Die meisten Menschen denken beim Kauen nur daran, Nahrung in kleine Stücke zu zerteilen. Dabei ist das Kauen einer der ersten und kritischsten Schritte der Verdauung. Im Mund werden durch den Kauvorgang die Speicheldrüsen aktiviert und Verdauungsenzyme wie Amylase (Ptyalin) abgesondert. Diese Enzyme sorgen dafür, dass Kohlenhydrate bereits im Mund zu zerfallen beginnen. Wird die Nahrung nicht ausreichend gekaut und nicht gut mit Speichel vermischt, gerät dieser Vorverdauungsprozess ins Stocken. Größere Nahrungsstücke, die den Magen erreichen, belasten das Verdauungssystem und zwingen den Magen, mehr Säure und Enzyme zu produzieren. Dieser Zustand kann mit der Zeit zu Problemen wie Verdauungsstörungen, Blähungen, Gas und Sodbrennen führen.

SÄTTIGUNGSGEFÜHL UND DER ZUSAMMENHANG MIT DER ZEIT: WARUM WIR STÄNDIG HUNGRIG SIND

Aus Sicht der Ernährungsphysiologie betrachtet, hängt der Sättigungsreflex weniger von der verzehrten Menge als vielmehr von der Zeit ab. Unser Gehirn verarbeitet die vom Verdauungssystem kommenden Signale und erzeugt so das Sättigungsgefühl. Diese Signale benötigen eine gewisse Zeit, um das Gehirn zu erreichen und verarbeitet zu werden. Wenn wir hastig essen, hat unser Gehirn das Sättigungssignal möglicherweise noch nicht empfangen, obwohl der Magen bereits voll ist. Dies führt dazu, dass wir mehr essen als nötig und somit unsere Kalorienaufnahme steigt.

Studien zeigen, dass Menschen, die langsam essen, weniger Kalorien zu sich nehmen und länger satt bleiben. Eine 2014 im Journal of the American Dietetic Association veröffentlichte Studie hat beispielsweise gezeigt, dass Menschen, die hastig essen, ein höheres Adipositasrisiko haben. Dies lässt sich dadurch erklären, dass der Körper die Ausschüttung von Sättigungshormonen wie Leptin nicht zulässt und Hungerhormone wie Ghrelin länger auf hohem Niveau bleiben.

PATHOPHYSIOLOGIE UND DER NEURALTHERAPEUTISCHE ANSATZ: DAS GANZHEITLICHE FUNKTIONIEREN DES VERDAUUNGSSYSTEMS

Die Angewohnheit, hastig zu essen, beeinträchtigt nicht nur die Verdauungsorgane, sondern hat auch negative Auswirkungen auf das Nervensystem und die Darm-Hirn-Achse. Aus pathophysiologischer Sicht betrachtet, führt ständiges hastiges Essen zu chronischem Stress im Verdauungssystem. Dieser Stress kann das Gleichgewicht der Darmmikrobiota stören und den Boden für das sogenannte „Leaky-Gut-Syndrom“ (durchlässiger Darm) bereiten. Ein durchlässiger Darm kann dazu führen, dass unverdaute Nahrungspartikel und Toxine in den Blutkreislauf gelangen, was zu einer systemischen Entzündung führen kann.

Aus biophysikalischer und regulationsmedizinischer Perspektive betrachtet, wird die Funktion des Verdauungssystems durch das autonome Nervensystem (ANS) reguliert. Während hastigen Essens ist meist das sympathische Nervensystem (mit Stress assoziiert) aktiv, während für die Verdauung die Aktivität des parasympathischen Nervensystems (Ruhe und Verdauung) erforderlich ist. Dieses Ungleichgewicht kann die Produktion von Verdauungsenzymen, die Darmmotilität und die Nährstoffaufnahme negativ beeinflussen.

Der neuraltherapeutische Ansatz betont die Bedeutung der funktionellen Integrität des Nervensystems. Die Gewohnheit, hastig und gestresst zu essen, kann die Aktivität wichtiger Nerven wie des Vagusnervs verringern und dadurch die Darm-Hirn-Kommunikation stören. Diese Störung der Kommunikation trägt nicht nur zu Verdauungsproblemen bei, sondern auch zu Stimmungsstörungen, Angstzuständen und Depressionen. Der Darm produziert einen großen Teil wichtiger Neurotransmitter wie Serotonin, und es besteht ein starker Zusammenhang zwischen der Darmgesundheit und der psychischen Gesundheit.

ERNÄHRUNGSPSYCHOLOGIE UND DER WEG ZUR ADIPOSITAS

Die Gewohnheit, hastig zu essen, ist auch aus Sicht der Ernährungspsychologie von Bedeutung. Emotionales Essen, hastiges Essen als Bewältigungsmechanismus für Stress und achtloses Essen sind Verhaltensweisen, die das Adipositasrisiko erhöhen. Essen unter Zeitdruck oder in Eile hindert uns häufig daran, den Geschmack der Speisen zu genießen und das Esserlebnis bewusst wahrzunehmen. Dies kann unsere Beziehung zum Essen negativ beeinflussen und zu einem Gefühl der Unzufriedenheit führen.

Einer der ersten Schritte auf dem Weg zur Adipositas ist das fehlerhafte Funktionieren dieses Sättigungsreflexes. Wenn wir weiterhin mehr konsumieren, als unser Körper benötigt, wird der Kalorienüberschuss als Fett gespeichert. Dieser Zustand führt mit der Zeit zu Übergewicht und Adipositas. Adipositas wiederum ist ein Auslöser für viele chronische Erkrankungen wie Herzkrankheiten, Diabetes, Bluthochdruck und bestimmte Krebsarten.

NEUE STUDIEN UND EIN BLICK IN DIE ZUKUNFT

Aktuelle wissenschaftliche Studien konzentrieren sich auf die langfristigen Auswirkungen hastigen Essens auf die Gesundheit. Ein 2023 in der Fachzeitschrift Nutrients veröffentlichter Artikel hat beispielsweise gezeigt, dass langsames Essen die Blutzuckerkontrolle verbessert und die Insulinresistenz verringert. Diese Ergebnisse stützen die Hypothese, dass hastiges Essen das Risiko für Typ-2-Diabetes erhöhen kann.

Zudem zeigen Studien zur Darmmikrobiota, dass hastiges Essen die Vielfalt und das Gleichgewicht der Darmflora negativ beeinflussen kann. Eine gesunde Darmmikrobiota ist nicht nur für die Verdauung, sondern auch für das Immunsystem und die allgemeine Gesundheit von entscheidender Bedeutung.

ACHTSAME ERNÄHRUNG UND EINE GESUNDE ZUKUNFT

Hastiges Essen ist nicht nur eine Angewohnheit, sondern ein komplexes Thema, das unsere Gesundheit tiefgreifend beeinflusst. Von den Verdauungsenzymen über die Darm-Hirn-Kommunikation bis hin zum Sättigungsreflex und dem Adipositasrisiko beeinflusst dieser Zustand viele Faktoren und stellt eine Gesundheitsbedrohung des modernen Lebens dar.

Aus diesem Grund ist es von großer Bedeutung, unsere Essgewohnheiten zu überdenken und uns einer achtsamen Ernährung zuzuwenden. Langsames und gründliches Kauen der Bissen, das Genießen des Geschmacks der Speisen und das Einplanen ausreichender Zeit für unsere Mahlzeiten wird nicht nur unser Verdauungssystem entlasten, sondern auch dafür sorgen, dass wir Sättigungssignale richtig empfangen und unnötige Kalorienaufnahme vermeiden. Diese einfachen Veränderungen werden uns langfristig helfen, ein gesundes Leben zu führen und ernsten Gesundheitsproblemen wie Adipositas vorzubeugen.

Nehmen auch Sie sich beim Essen mehr Zeit, oder essen Sie unbemerkt hastig und schnell?

Weitere Informationen zur Neuraltherapie und den anderen Behandlungsmethoden von Hüseyin Nazlıkul finden Sie hier.

Hüseyin Nazlıkul

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