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Geschichte der Neuraltherapie

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 09.10.2023 4 Min. Lesezeit

Die Begründer der Neuraltherapie sind die beiden deutschen Ärzte Walter und Ferdinand Huneke. Eigentlich begann alles durch einen Zufall. Im Jahr 1925 injizierte Walter Huneke seiner an Migräne leidenden Schwester ein procainhaltiges Schmerzmittel versehentlich nicht in den Muskel, sondern in eine Vene. Der Migräneanfall seiner Schwester verschwand daraufhin schlagartig. Dr. Huneke stellte fest, dass der procainhaltige Bestandteil des Medikaments für die Schmerzlinderung verantwortlich war. Gemeinsam mit seinem ebenfalls als Arzt tätigen Bruder (1898–1974) begann er, die Wirkungen von Procain zu erforschen, und machte drei Jahre später (1928) eine weitere Entdeckung. Dr. Huneke verabreichte einer an Kopfschmerzen leidenden Patientin Procain – diesmal jedoch nicht in eine Vene, sondern in das Gewebe injiziert. Auch diese Patientin wurde, ebenso wie zuvor seine Schwester, rasch von ihren Schmerzen befreit.

Daraufhin erklärte Huneke, dass die Besserung bei diesen beiden Patientinnen auf eine elektrische Reaktion des vegetativen Nervensystems zurückzuführen sei. Gemeinsam mit seinem Bruder veröffentlichte er 1928 den Artikel „Unbekannte Fernwirkungen der Lokalanästhesie“. In der Folge behandelten die Brüder Huneke ihre Patienten, indem sie Procain in den betroffenen Bereich injizierten.

Nöralterapinin TarihçesiFerdinand Huneke entdeckte 1940 erstmals das Störfeld. Als Dr. Huneke eine Patientin mit chronischer Entzündung im rechten Schultergelenk untersuchte, bemerkte er an ihrem linken Unterschenkel eine schmerzhafte Wunde. Als Huneke rund um diese Wunde Injektionen setzte, beobachtete er, dass auch die Schmerzen in der Schulter der Patientin verschwanden. Heute ist die Neuraltherapie, ausgehend von Huneke, über Deutschland hinaus in zahlreichen Ländern der Welt verbreitet. Sie ist beispielsweise in Ländern wie Österreich, der Schweiz, Belgien, Kolumbien, Argentinien, Peru, den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Italien, der Tschechischen Republik, Russland, Griechenland, Bulgarien, der Türkei, Mexiko, Lateinamerika, den USA und Kanada als weit verbreitete Regulationstherapie im Einsatz.

Seit 1958 besteht die Internationale Gesellschaft für Neuraltherapie (IGNH), der Ärzte angehören, die Neuraltherapie anwenden. Zudem wird an zahlreichen medizinischen Fakultäten, allen voran der Universität Heidelberg, Neuraltherapie als eigener Wissenschaftszweig gelehrt. Medizinstudierende müssen dort nachweisen, dass sie an einer 18-stündigen Vorlesungsreihe zur Neuraltherapie teilgenommen haben, bevor sie zur staatlichen Abschlussprüfung zugelassen werden. Darüber hinaus werden an diesen Universitäten zahlreiche wissenschaftliche Forschungsarbeiten durchgeführt. An der Universität Bern in der Schweiz besteht seit 2002 ein offizieller Lehrstuhl für Neuraltherapie. Für die Studierenden der Medizinischen Fakultät Bern ist die Neuraltherapie fester Bestandteil der medizinischen Ausbildung. In Mexiko ist die Neuraltherapie ein eigenes Fachgebiet. In Kolumbien handelt es sich um eine Oberspezialisierung. In Österreich ist sie ein Zusatzfach. Auch dort werden die Forschungsarbeiten intensiv fortgeführt.

In früheren, mit erheblichem Aufwand durchgeführten Studien wurden die Wirksamkeit, der wirtschaftliche Nutzen und die Zweckmäßigkeit der Neuraltherapie nachgewiesen. Weitere Lehrstühle für Neuraltherapie bestehen an verschiedenen Universitäten in Ländern wie Mexiko, Kuba und Kolumbien. Zudem findet die Neuraltherapie auch in der Veterinärmedizin Anwendung.

Nöralterapinin TarihçesiIn unserem Land wurde die Wissenschaftliche Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulation (BNR) am 01.12.2004 von Dr. Hüseyin Nazlikul mit dem Ziel gegründet, die Neuraltherapie – eines der bedeutendsten Elemente der Komplementärmedizin – türkischen Ärztinnen und Ärzten näherzubringen und ihre Anwendung in der ärztlichen Praxis zu fördern. Seit diesem Zeitpunkt wurden zahlreiche Kongresse, Symposien und Weltkongresse für Neuraltherapie veranstaltet. Auch die Fortbildungsangebote für Ärztinnen und Ärzte werden kontinuierlich ausgebaut.

Die Ärztinnen und Ärzte, die aus allen Teilen der Türkei an den Fortbildungsprogrammen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulation (BNR) teilnehmen, haben sich insbesondere der Komplementärmedizin verschrieben und sind in ihren jeweiligen Städten Vorreiter auf diesem Gebiet. Ebenso wie in Europa setzen sich auch diese Ärztinnen und Ärzte in unserem Land mit großem Engagement dafür ein, dass sich die Komplementärmedizin zunehmend weiter verbreitet.

Dr. Hüseyin Nazlikul, Gründungsmitglied, zweiter Vorsitzender und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats der 2012 gegründeten IFMANT, wurde am 05.10.2019 auf der Generalversammlung des Internationalen Kongresses „Forum Neuraltherapie“ in Wien zum Präsidenten der IFMANT gewählt. Die IFMANT ist die von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) anerkannte und mit 28 Fachgesellschaften unter ihrem Dach aktivste Institution auf diesem Gebiet. Die IFMANT ist zudem Mitglied der Europäischen Fachkommission. Dr. Hüseyin Nazlikul ist im Namen dieser Institution der Sprecher dieser Kommission für Neuraltherapie. Er brachte die Neuraltherapie in die Türkei und ist zugleich Präsident der unter dem Dach der IFMANT tätigen Türkischen Gesellschaft für Neuraltherapie. Neben der IFMANT ist Dr. Nazlikul Mitglied der HUNTER-Forschungsgruppe für Neuraltherapie der Medizinischen Fakultät Heidelberg, Mitglied des wissenschaftlichen Beirats sowie Ehrenmitglied der IGNH, Ehrenmitglied und Mitglied der wissenschaftlichen Arbeitsgruppe der SANTH (Schweizerische Ärztegesellschaft für Neuraltherapie) sowie Mitglied zahlreicher weiterer Neuraltherapie-Fachgesellschaften; im Jahr 2008 wurde ihm zudem die Huneke-Medaille, die höchste Auszeichnung der Neuraltherapie, verliehen.

Dr. Hüseyin NAZLIKUL
Präsident der IFMANT = Internationale Föderation der Ärztegesellschaften für Neuraltherapie
Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulation

Verwendete Quellen:
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie Lehrbuch
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas
•    L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
•    James W. McNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie
•    Fischer, L. et al.: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie