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Neuraltherapie – Gibt es Nebenwirkungen? Was Patienten wirklich wissen sollten

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 10.08.2026 2 Min. Lesezeit

Kaum eine Frage wird mir häufiger gestellt als diese: "Ist Neuraltherapie gefährlich?" Oder etwas vorsichtiger formuliert: "Welche Nebenwirkungen hat die Neuraltherapie?"

Ich verstehe diese Sorge gut. Wer sich behandeln lässt, möchte nicht nur wissen, ob eine Therapie helfen kann. Er möchte auch wissen, ob er ihr vertrauen darf.

Vertrauen beginnt mit ehrlichen Antworten. Nicht mit Werbung. Nicht mit Heilsversprechen. Sondern mit medizinischer Aufklärung.

Jede wirksame Therapie hat auch Grenzen

Immer wieder begegne ich Aussagen wie: "Neuraltherapie ist völlig ungefährlich."

Solche Behauptungen halte ich für unseriös. Es gibt keine medizinische Behandlung ohne Risiken.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht: "Gibt es Nebenwirkungen?" Sondern: Wie häufig treten sie auf und wodurch entstehen sie?

Die meisten Reaktionen sind keine Komplikationen

Nach einer Neuraltherapie berichten manche Patienten über:

  • Leichte Druckempfindlichkeit,
  • Kleine Blutergüsse,
  • Kurzfristige Müdigkeit,
  • Wärmegefühl,
  • Vorübergehende Schmerzverstärkung,
  • Vegetative Reaktionen wie leichtes Schwitzen oder Schwindel.

Viele erschrecken darüber. Dabei handelt es sich häufig nicht um Nebenwirkungen, sondern um Regulationsreaktionen des Organismus.

Der Körper beginnt, auf einen Reiz zu reagieren. Genau das erwarten wir in der Regulationsmedizin.

Procain wirkt nur für wenige Minuten – warum hält der Effekt länger an?

Eine weitere häufige Internetfrage lautet: "Wie lange wirkt Procain?"

Pharmakologisch ist die Antwort einfach: nur wenige Minuten.

Biologisch ist die Antwort wesentlich interessanter. Die eigentliche Wirkung der Neuraltherapie entsteht nicht durch Betäubung.

Sie entsteht dadurch, dass gestörte Regelkreise des vegetativen Nervensystems wieder miteinander kommunizieren können.

Die Injektion dauert Sekunden. Die biologische Antwort kann Tage oder sogar Wochen anhalten.

Wann darf keine Neuraltherapie durchgeführt werden?

Verantwortungsvolle Medizin bedeutet auch, Nein sagen zu können.

Keine Neuraltherapie erfolgt beispielsweise bei:

  • Bekannter Procain-Allergie,
  • Akuten schweren Infektionen,
  • Bestimmten Gerinnungsstörungen,
  • Fehlender medizinischer Indikation.

Jeder Patient benötigt zunächst eine sorgfältige Untersuchung. Nicht jeder Schmerz braucht sofort eine Injektion.

Der wichtigste Sicherheitsfaktor ist nicht das Medikament

Viele Menschen fragen nach Procain. Ich frage zuerst nach der Diagnose.

Denn dieselbe Injektion kann beim richtigen Patienten außerordentlich hilfreich sein und beim falschen Patienten keinerlei Nutzen bringen.

Die Qualität einer Neuraltherapie hängt deshalb weniger vom Medikament als von der Erfahrung des behandelnden Arztes ab. Anatomische Kenntnisse, präzise Diagnostik und langjährige klinische Erfahrung entscheiden über Sicherheit und Erfolg.

Warum ich meine Patienten ausführlich aufkläre

In meiner Praxis gehört das Gespräch zur Behandlung. Ich erkläre immer:

  • Warum wir behandeln,
  • Warum wir genau diese Region auswählen,
  • Welche Reaktionen möglich sind,
  • Welche Veränderungen wir erwarten.

Ein gut informierter Patient erlebt selbst vorübergehende Reaktionen deutlich entspannter. Angst entsteht häufig dort, wo Informationen fehlen.

Mein persönliches Fazit

Nach mehreren Jahrzehnten klinischer Erfahrung kann ich sagen:

Die Neuraltherapie gehört bei korrekter Indikationsstellung und fachgerechter Durchführung zu den sichersten Verfahren der Regulationsmedizin.

Nicht weil sie keine Risiken besitzt. Sondern weil wir ihre Möglichkeiten und Grenzen kennen.

Medizin beginnt dort, wo Ehrlichkeit wichtiger ist als Perfektion. Genau dieses Vertrauen möchte ich meinen Patientinnen und Patienten vermitteln.