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Für Übergewichtige nehmen die Probleme kein Ende... Nehmen Sie zuerst für Ihre Gesundheit ab

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 21.01.2024 4 min read
Psychische Störungen und soziale Ausgrenzung: Übergewicht wird heute ästhetisch nicht gerne gesehen. Dieser Umstand kann besonders bei jungen Menschen zu ernsten Neurosen führen. In der Therapie kann dies genutzt werden. Dabei muss jedoch darauf geachtet werden, dass beim Patienten keine schweren Komplexe entstehen.

Atembeschwerden: Übergewicht stellt eine mechanische Belastung für die Atmung dar. Das Atmen wird erschwert. Bei ausgeprägtem Übergewicht steigt der Kohlendioxidgehalt im Blut an. Dies macht den Patienten schläfrig. Bei übergewichtigen Menschen kommt häufig eine Schlafapnoe vor, also ein nächtlicher Atemstillstand. Bei starkem Schnarchen kann der Atemvorgang bis zu 2 Minuten aussetzen. Dieser Vorgang belastet das Herz.

Negative Auswirkungen auf Skelett und Muskulatur: Skelett und Muskulatur werden jahrelang durch eine zusätzliche schwere Last beansprucht. Dies führt bei übergewichtigen Menschen häufiger zu Plattfüßen sowie Knie- und Hüftarthrosen. Unter normalen Bedingungen können die Venen in den unteren Extremitäten (Armen und Beinen) das Blut durch die Kontraktion (Zusammenziehen) der Muskeln leichter zum Herzen zurückbefördern. Bei übergewichtigen Menschen jedoch können die von Fett umgebenen Muskeln nicht ausreichend kontrahieren und somit auch nicht auf die Gefäße einwirken. Dadurch entfällt für die Gefäße die Massagewirkung der Muskeln. In der Folge entstehen leichter Krampfadern und Krampfaderngeschwüre. Zudem schwächt die Fettansammlung im Bauchraum und in der Bauchwand die Bauchmuskulatur, wodurch leicht ein Bruch (Hernie) entstehen kann.

Endokrine und metabolische Komplikationen: An erster Stelle dieser Gruppe von Störungen steht die Zuckerkrankheit. Übergewicht ist die wichtigste Ursache für die Entstehung von Typ-2-Diabetes. Je ausgeprägter und je länger anhaltend das Übergewicht ist, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, an Diabetes zu erkranken. 8 von 10 Diabetikern (Typ 2) sind übergewichtig. Eine Person, die innerhalb von acht Jahren 20 Kilogramm zunimmt, erhöht ihr Diabetesrisiko um das 12-Fache. Eine Person, die im gleichen Zeitraum abgenommen hat, senkt ihr Diabetesrisiko dagegen um 87 %.

Bei übergewichtigen Menschen steigen der Triglyceridspiegel und die freien Fettsäuren an, während der HDL-Cholesterinspiegel sinkt. Dieses Dreiergespann führt zu Arteriosklerose (Gefäßverkalkung). Eine Hypertriglyceridämie verursacht eine Leberverfettung. Bei Übergewicht steigt zudem der Harnsäurespiegel an, was den Boden für die Gicht bereitet.

Herz-Kreislauf-Komplikationen: Bei übergewichtigen Menschen kommt häufig Bluthochdruck vor. Nach einer Gewichtsabnahme sinkt der Bluthochdruck auf normale Werte. Bluthochdruck führt zusammen mit erhöhten Triglyceriden und niedrigem HDL zu einer arteriosklerotischen koronaren Herzerkrankung. Angina pectoris (ein Engegefühl bzw. Druckgefühl, das durch eine regionale Minderdurchblutung entsteht und häufig in der Brustmitte wahrgenommen wird), Myokardinfarkt (das Absterben von Herzmuskelgewebe in einem bestimmten Bereich infolge einer unzureichenden koronaren Durchblutung dieses Bereichs) und Herzinsuffizienz treten bei übergewichtigen Menschen häufiger auf. Mit der Gewichtsabnahme des Patienten zeigen sich bei diesen Erkrankungen positive Verbesserungen. Bei der Entstehung von Bluthochdruck bei übergewichtigen Menschen kann eine Verlangsamung der Funktion der Natriumpumpe eine Rolle spielen. Die American Heart Association führt an, dass sich das Risiko eines Myokardinfarkts bei einem Anstieg des BMI (Body-Mass-Index) von 25 auf 28 von 50 % auf 70 % erhöht.

Zu viel Essen führt zu vorzeitiger Alterung: Studien an 100-jährigen Menschen haben gezeigt, dass die meisten von ihnen sehr schlank waren, körperlich und geistig aktiv waren und wenig Kalorien zu sich nahmen. Eine Einschränkung der Nahrungszufuhr trägt dazu bei, jung zu bleiben. Denn je weniger Kalorien dem Körper zugeführt werden, desto geringer ist der Energieumsatz. Dadurch entstehen weniger schädliche Nebenprodukte. Der Sauerstoff, der bei der Verstoffwechselung von Nährstoffen im Körper als „Brennstoff" dient, ist in hohen Dosen toxisch und trägt zur Alterung bei.

Bei übergewichtigen Menschen kommt es häufiger zu Gallensteinen und deren Komplikationen.

Bei Übergewicht treten postoperative Komplikationen wie Wundinfektionen und das Aufgehen von Nähten häufiger auf. Auch die Geburt ist bei übergewichtigen Frauen schwieriger und risikoreicher.

Ein Übermaß an subkutanem Fettgewebe erhöht die Häufigkeit von Hautinfektionen. Pilzinfektionen an Muskeln und Füßen treten häufig auf.

Bei übergewichtigen Menschen treten gynäkologische Komplikationen häufiger auf.

Übergewichtige Menschen sind häufiger von Haus-, Arbeits- und Verkehrsunfällen betroffen.

Im Vergleich zu normalgewichtigen Menschen ist bei übergewichtigen Menschen das Krebsrisiko höher.

Aufgrund der oben genannten Komplikationen verkürzt sich bei Übergewicht die Lebenserwartung. Übergewicht ist in den USA jedes Jahr für den Tod von 300.000 Menschen verantwortlich und kostet die Gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland jährlich 30 Milliarden Euro. Übergewicht verkürzt die Lebenserwartung von Frauen nicht in dem Maße wie bei Männern. Allerdings sind Knie- und Hüftarthrosen bei übergewichtigen Frauen häufiger und ausgeprägter, was das Leben stark beeinträchtigt. All diese Komplikationen zeigen, dass Übergewicht eine Krankheit ist, die vollständig behandelt werden muss.

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