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Von Dr. Hüseyin Nazlıkul: Sexualität – ein wichtiger Teil unserer Gesundheit und die Kraft des…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 9 min read
Von Dr. Hüseyin Nazlıkul: Sexualität – ein wichtiger Teil unserer Gesundheit und die Kraft des ganzheitlichen Ansatzes

Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde,

Sexualität ist zweifellos eines der spannendsten und natürlichsten Themen unseres Lebens. Für die meisten Menschen ist sie nicht nur eine Quelle des Vergnügens, sondern bietet auch erstaunlich wichtige Vorteile für unsere Gesundheit. So sehr, dass manche Ärzte Sexualität geradezu wie ein Rezept verschreiben und dringend empfehlen, sie drei- bis viermal pro Woche auszuüben. Wissenschaftliche Studien zeigen jedoch, dass der Nutzen von Sexualität von Person zu Person unterschiedlich ausfallen kann und jeder Mensch seine eigenen, individuellen Bedürfnisse hat. Wie ich es auch in meiner Regulationsmedizin-Philosophie betone: In der Gesundheit gibt es nichts Einheitliches; alles ist individuell und eng mit der Fähigkeit des Körpers zur Selbstregulation verbunden.

Doch welche Vorteile sind das, und wie unterstützt Sexualität unsere ganzheitliche Gesundheit?

Die Auswirkungen von Sexualität auf Lebensdauer und Immunsystem

Es gibt zahlreiche Studien, die die Auswirkungen von Sexualität auf die Gesundheit untersuchen. Eine zehnjährige Langzeitstudie mit 1000 männlichen Probanden im Alter von 45-59 Jahren an der Universität Bristol in England zeigte, dass mehr sexuelle Aktivität mit besserer Gesundheit verbunden ist. Dies gilt jedoch nicht immer; eine weitere im Jahr 2016 an 2204 Personen durchgeführte Studie ergab einige Unterschiede in diesem Zusammenhang:

  • Kardiovaskuläre Gesundheit bei älteren Frauen: Die Studie zeigte, dass ältere Frauen mit zunehmender Häufigkeit sexueller Kontakte seltener an Herz-Kreislauf-Erkrankungen erkrankten.
  • Gegenteiliger Effekt bei älteren Männern: Bei älteren Männern wurde hingegen genau das Gegenteil beobachtet; es wurde festgestellt, dass häufige sexuelle Aktivität zu mehr Herz-Kreislauf-Beschwerden führen kann. Dieser Umstand zeigt einmal mehr, wie wichtig der individuelle Gesundheitszustand und die Regulationsfähigkeit des Körpers sind.

Sexualität und Immunsystem: Eine andere Studie zeigte, dass häufiger Partnersex bei Frauen mit Depression das Immunsystem schwächt, während bei depressiven Männern der Geschlechtsverkehr positive Auswirkungen auf das Immunsystem hatte. Diese widersprüchlichen Befunde zeigen, wie eng die Auswirkungen von Sexualität mit dem individuellen Hormonhaushalt, dem Stressniveau und der psychischen Verfassung verwoben sind.

Perspektive der Regulationsmedizin: Das Wichtigste, was uns diese Studien lehren, ist, dass der menschliche Körper ein komplexes System ist. Die Wirkungen einer so kraftvollen physiologischen und psychologischen Erfahrung wie der Sexualität hängen von vielen Faktoren ab, wie dem allgemeinen Gesundheitszustand, dem Hormonprofil und der Regulation des autonomen Nervensystems. Es gibt nicht das eine "Richtige" oder "Falsche"; wichtig ist, auf die eigenen Signale des Körpers zu hören und ein ausgeglichenes Leben zu führen.

Masturbation, sexuelle Fantasien und hormonelle Vorteile

Die heilende Kraft der Masturbation: Zahlreiche aktuelle Studien zeigen, dass Masturbation äußerst heilsam sein kann. Neben der Stressreduktion und allen gesundheitlichen Vorteilen kann Masturbation – insbesondere mit einem Vibrator – zahlreiche weitere gesundheitliche Vorteile bieten:

  • Stärkung des Beckenbodens: Die Stärkung der Beckenbodenmuskulatur trägt dazu bei, viele Beschwerden im Unterleib wie Orgasmusschwierigkeiten, Harninkontinenz oder eine erhöhte Anfälligkeit für Blasenentzündungen zu lindern oder zu beheben. (Selbstverständlich kann ein Vibrator auch beim Sex mit einem Partner eingesetzt werden.)

Die gesunden Auswirkungen sexueller Fantasien: Sogar sexuelle Fantasien sind gesundheitsförderlich. Das heißt, es ist nicht zwingend notwendig, körperlich aktiv zu werden; man kann stattdessen auch die Augen schließen, sich behaglich zurücklehnen und in aufregende Vorstellungen eintauchen. Männer hingegen bevorzugen es, die Augen offen zu halten – aus gutem Grund.

Wenn ein Mann eine Frau sieht, die er attraktiv findet, wird in seinem Gehirn insbesondere der Bereich aktiviert, der als Belohnungssystem bezeichnet wird. Das heißt, der Mann fühlt sich beim Anblick der Frau in gewisser Weise (unabhängig von den Umständen) belohnt. Anders als Frauen können Männer dies nicht rein gedanklich vollziehen.

Eine spezielle Magnetresonanzuntersuchung hat nachgewiesen, dass die Aktivität des Nucleus accumbens (ein Bereich im vorderen Gehirn, das "Belohnungssystem") zunimmt, wenn eine dem Mann gefallende Frau in sein Blickfeld tritt. Gefällt ihm die Frau nicht, passiert im Körper des Mannes nichts – zumindest nichts, was nicht auch ohne die Frau geschehen würde.

Schon ein Gespräch oder ein Flirt mit einer attraktiven Frau löst bei einem Mann eine körperliche Reaktion aus, da er sich dann weniger auf den Inhalt des Gesprächs konzentriert und bereits in sexuelle Fantasien abdriftet. Eine Studie der Universität Chicago zeigte, dass das Gehirn in dieser Situation mehr LH (luteinisierendes Hormon) produziert.

LH stimuliert in den Hoden die Testosteronproduktion. Wenn ein Mann also seinen Testosteronspiegel erhöhen möchte, muss er nichts weiter tun, als sich an entsprechenden Bildern oder Filmen zu erfreuen. Eine praktische Nebenwirkung des erhöhten Testosteronspiegels ist die Beschleunigung der Fettverbrennung. Gleichzeitig produzieren die Fettzellen mehr Leptin, einen Botenstoff, der ein Sättigungsgefühl vermittelt. Sex macht also schlank und attraktiv.

Muskelaufbau ohne Nebenwirkungen: Testosteron ist nicht nur ein Schlankmacher. Testosteron spielt auch beim Muskelaufbau eine wichtige Rolle. So bietet Sex eine großartige Gelegenheit, den Muskelaufbau ohne die Einnahme künstlicher Hormone und somit ohne Nebenwirkungen zu unterstützen. Denn Geschlechtsverkehr liefert nicht nur die für den Muskelaufbau notwendigen Hormone, sondern sorgt auch durch die rhythmische Bewegung für die notwendige Muskelstimulation.

Erektion, Küssen und die Dauer der Sexualität: Ganzheitliche Vorteile

Die unglaublichen Vorteile der Erektion: Schon die Erektion selbst – zum Beispiel während eines Flirts – ist ein unglaublich gesunder und wünschenswerter Zustand. Denn jede Erektion bringt letztlich frisches Blut in die Schwellkörper. Der Penis wird steif. Häufige Erektionen trainieren die Erektionsfähigkeit kontinuierlich, indem sie den Penis flexibilisieren. Dies ist von entscheidender Bedeutung für die Gesundheit von Durchblutung und Gewebe.

Kein Sex ohne Küssen: Speichel und Immunsystem: Küssen fördert die Speichelproduktion, und eine gute Speichelproduktion hat eindeutig gesundheitliche Vorteile. Der beim Küssen produzierte Speichel ist zum Beispiel besonders reich an Immunglobulinen des Typs A. Diese sind die körpereigenen Antikörper des Immunsystems, die gegen viele Krankheitserreger vorgehen, wobei man davon ausgeht, dass sie besonders stark gegen Karies verursachende Bakterien wirken.

Der Speichel hat außerdem die Aufgabe, den Zahnschmelz mit Mineralien zu versorgen. Deshalb sind auch Maßnahmen, die den Speichelfluss fördern, sehr vorteilhaft für die Zahngesundheit. Die gesteigerte Speichelproduktion hält nach dem Küssen noch lange an. Küssen kann also zu schönen Zähnen führen.

Nehmen Sie sich Zeit: Die Kraft von Dopamin und Endorphinen: Die gesundheitlichen Vorteile der Sexualität zeigen sich, wenn die Aktivität mindestens zwanzig Minuten dauert, denn erst nach dieser Zeit wird die Produktion des Botenstoffs Dopamin angeregt und spürbar. Dopamin bewirkt eine intensive und anhaltende Stressreduktion, weshalb es nicht ohne Grund ist, dass Geschlechtsverkehr eine der Maßnahmen des ganzheitlichen Stressmanagements ist.

Auch die Endorphinausschüttung nimmt mit der Dauer der sexuellen Aktivität zu. Dies sind opiumähnliche Stoffe, die nicht nur ein Glücksgefühl vermitteln, sondern auch Schmerzen vergessen lassen und besonders intensiv gegen Kopf- und Gelenkschmerzen wirken können. Deshalb ist es keinesfalls ratsam, bei Kopfschmerzen unbedingt auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Denn Sex ist eindeutig gesünder als Aspirin!

Prostatagesundheit, Kondomgebrauch und die Auswirkungen von Sexualität auf den Schlaf

Vorteile für die Prostatagesundheit: Etwa 30 % der männlichen Samenflüssigkeit werden in der Prostata produziert. Beim Erreichen des sexuellen Höhepunkts ziehen sich die Wandmuskeln der Prostata zusammen, und die Samenflüssigkeit wird in die Harnröhre gepumpt. Leidet ein Mann an einer Prostataentzündung (Prostatitis), fördert jede Ejakulation zusätzlich die Ausscheidung infektiöser Keime in den unteren Harn- und Samenwegen. So dient jeder Samenerguss auch der Reinigung der Prostata.

Um zu verhindern, dass ausgeschiedene Keime in die Vagina der Frau gelangen, wird bei einer entsprechenden Infektion des Mannes die Verwendung eines Kondoms empfohlen.

Sexualität ohne Kondom und psychotrope Substanzen: Sind Mann und Frau jedoch – in jeder Hinsicht – gesund und ist der Einsatz von Kondomen weder zur Empfängnisverhütung notwendig noch gewünscht, kann es besser sein, auf Kondome zu verzichten. Sex ohne Kondom ist gesünder – besonders für die Frau. Denn Samenflüssigkeit enthält psychotrope Substanzen, die bei der Frau das durch (guten!) Sex ausgelöste Glücksgefühl verstärken können. Diese Substanzen scheinen sowohl bei vaginaler als auch bei oraler Aufnahme auf diese Weise zu wirken.

Eine gute Lösung für Schlaf und Schlafstörungen: Nach dem Geschlechtsverkehr zeigt sich besonders bei Männern eine starke Neigung, rasch einzuschlafen. Verantwortlich dafür ist das Hormon Oxytocin, ein natürliches und wirkungsvolles Schlafmittel. Zudem steigt bei Männern nach dem Orgasmus das schlaffördernde Hormon Prolaktin an. Doch auch Frauen bleiben nach dem Orgasmus nicht immer hellwach. Bei ihnen steigt der Spiegel von Östrogen, das nach dem Orgasmus einen tieferen Schlaf ermöglicht.

Sexualität im Alter: Sollten Sie denken, für all dies bereits zu alt zu sein, irren Sie sich! Auch wenn im Alter beim Geschlechtsverkehr oft ganz andere Bedürfnisse und Prioritäten bestehen als in jungen Jahren, kann er im Alter immer noch prickelnd und wunderschön sein.

Die Unterstützung der sexuellen Funktion und die Rolle der Regulationsmedizin

Liebe Freunde, wir haben über die zahlreichen Vorteile der Sexualität für unsere Gesundheit gesprochen. Doch manchmal, auch wenn wir all diese Vorteile nutzen möchten, können in unserem Sexualleben oder mit unserem Partner Unstimmigkeiten oder Schwierigkeiten auftreten. In meiner Regulationsmedizin-Philosophie ist das optimale Funktionieren der sexuellen Funktion ein Indikator für die allgemeine Regulation und das Gleichgewicht des Körpers. Störungen in einem System können sich auch auf andere auswirken.

Unterstützung für die sexuelle Funktion: Bei sexuellen Funktionsstörungen oder verringerter Libido können neben regelmäßigen Beckenbodenübungen auch bestimmte natürliche Nahrungsergänzungsmittel sehr hilfreich sein und sich positiv auf Potenz und Libido auswirken:

  • Arginin (Aminosäure): Kann durch die Erweiterung der Blutgefäße den Blutfluss verbessern, was die Erektionsqualität unterstützt.
  • Maca: Eine in den Anden heimische Pflanze, der bekanntermaßen energie-, ausdauer- und libidosteigernde Wirkungen zugeschrieben werden.
  • Capsaicin: Diese in rotem Pfeffer enthaltene Verbindung kann die Durchblutung anregen und die allgemeine Erregung unterstützen.
  • Cordyceps (Vitalpilz): Auch dieser Vitalpilz gilt als natürliche Substanz zur Steigerung von Potenz und Libido. Cordyceps unterstützt die Libido auf verschiedenen Ebenen und wirkt gegen Potenzstörungen. So kann der Vitalpilz Cordyceps beispielsweise die Durchblutung des Penis fördern und dadurch die Erektion unterstützen. Zudem verbessert Cordyceps die Spermienqualität und wirkt sich positiv auf den Hormonhaushalt aus.

Regulationsmedizin und sexuelle Gesundheit: Der Grundlage der sexuellen Gesundheit liegt das reibungslose Funktionieren der Durchblutung, des Hormonhaushalts und der Regulation des Nervensystems im Körper zugrunde. Chronischer Stress, Durchblutungsstörungen oder hormonelle Ungleichgewichte können das sexuelle Verlangen und die sexuelle Funktion unmittelbar beeinträchtigen. Genau an dieser Stelle kommen Neuraltherapie und die ganzheitliche Regulationsmedizin ins Spiel:

  • Regulierung der Durchblutung: Die Neuraltherapie kann durch die Regulierung des Nervensystems und damit des Gefäßtonus die Durchblutung der Geschlechtsorgane optimieren. Dies ist ein Faktor, der die Erektionsqualität und bei Frauen die genitale Erregung unmittelbar beeinflusst.
  • Stressmanagement: Chronischer Stress ist einer der wichtigsten Faktoren, die das sexuelle Verlangen unterdrücken. Die Neuraltherapie reduziert den Stress im autonomen Nervensystem und ermöglicht so die Entspannung des Körpers sowie die Konzentration auf die sexuelle Aktivität. Dies kann helfen, psychologische Hindernisse zu überwinden und die Libido zu steigern.
  • Ausbalancierung der hormonellen Achsen: Die Neuraltherapie kann durch die Verbesserung der allgemeinen Regulation des Körpers dazu beitragen, dass die hormonellen Achsen (zum Beispiel die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse) ausgeglichener funktionieren. Dies unterstützt sexuelles Verlangen und sexuelle Funktion, indem es dazu beiträgt, dass Sexualhormone wie Testosteron und Östrogen auf einem optimalen Niveau bleiben.

Vergessen Sie nicht: Sexualität kann in jeder Lebensphase erfüllend und gesund sein. Auftretende Schwierigkeiten können Signale sein, die uns unser Körper sendet. Es liegt in unserer Hand, diese Signale zu verstehen und mit einem ganzheitlichen Ansatz, mit den Möglichkeiten der Regulationsmedizin, unsere Gesundheit und damit auch unser Sexualleben zu unterstützen. Wichtig ist, sich stets an einen Spezialisten zu wenden und nach Lösungen zu suchen, die den individuellen Bedürfnissen entsprechen.

Ich wünsche Ihnen gesunde und ausgeglichene Tage und bin jederzeit bereit, für Sie da zu sein.

Dr. Hüseyin Nazlıkul