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Was passiert im Körper, wenn Krankheit entsteht? Unsere Gesundheit gerät in Gefahr, wenn das…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 27.03.2022 6 min read
Was passiert im Körper, wenn Krankheit entsteht? Unsere Gesundheit gerät in Gefahr, wenn das stabile und empfindlich aufrechterhaltene Gleichgewicht zwischen allen Organsystemen gestört wird.
Unsere Gesundheit gerät in Gefahr, wenn das stabile und empfindlich aufrechterhaltene Gleichgewicht zwischen allen Organsystemen gestört wird.

Unsere Gesundheit gerät in Gefahr, wenn das stabile und empfindlich aufrechterhaltene Gleichgewicht zwischen allen Organsystemen gestört wird. Selbstverständlich können Krankheiten auch durch Verletzungen oder Giftstoffe entstehen. Doch auch Überlastungen, denen man lange ausgesetzt war und bei denen keine ausreichende Erholung möglich war, können Ursache einer Erkrankung sein.

Unter normalen Bedingungen hält unser Körper selbst in einem Notfall die lebenswichtigen Prozesse problemlos aufrecht. Brechen wir uns beispielsweise bei einem Unfall den Arm, laufen Atmung und Verdauung weiter, als wäre nichts geschehen. Zusätzlich muss der Körper die schwere Last des Heilungsprozesses übernehmen. Kommen zu solchen Situationen weitere gesundheitsgefährdende Belastungen hinzu, gerät das System aus dem Gleichgewicht. In all diesen Prozessen spielt unser Nervensystem eine sehr wichtige Rolle.

Der Krankheit liegen neben dem Nervensystem auch die im Körper angesammelten Abbauprodukte zugrunde, wie etwa „im Bindegewebe abgelagerte Toxine, die vom Körper nicht ausgeschieden werden können“. Gleich welcher Art die Beschwerde des Patienten ist – können diese Toxine nicht aus dem Körper entfernt und die notwendige Ordnung (Regulation) des Körpers nicht wiederhergestellt werden, entstehen in einem nächsten Schritt funktionelle Störungen in Organen und Geweben. Halten diese Störungen längere Zeit an, zeigen sie sich als chronische Krankheiten und führen zu strukturellen Schäden an den Organen.

Der SCHMERZ, eines der wichtigsten Symptome von Krankheiten, entsteht ausschließlich über nervale Mechanismen. Schmerz entsteht nicht ohne die Beteiligung des sympathischen Systems. Neue und umfassende Studien zum Thema Schmerz bestätigen die Beobachtungen, die im Bereich der Neuraltherapie seit über 100 Jahren gemacht werden. Schlagen wir bei Reparaturarbeiten zu Hause mit dem Hammer statt auf den Nagel auf unseren Daumen, oder verstauchen wir uns beim Sport den Fuß, werden die als unabhängige Nervenpunkte (Enden) bezeichneten, frei im Bindegewebe endenden sympathischen Nervenfasern aktiviert. Diese Nervenenden werden als „Nozizeptoren“ bezeichnet. Sie befinden sich überwiegend in der Haut, in den Muskeln und in den inneren Organen. Die Nervenfasern sind mit dem Rückenmark und dem Gehirn verbunden. Im Falle einer Verletzung senden diese Nervenenden als „Warnsignal“ die Schmerzempfindung (Information). Dieses Signal, das mit einer Geschwindigkeit von 120 m/s reist, wird über die Nervenfasern an den Körper übermittelt, und der Körper reagiert sofort. Wir entfernen uns von der schadenverursachenden Quelle oder unterbrechen die Tätigkeit, die wir gerade ausführen. Dadurch wird der verletzte Bereich geschützt.

Bei einer Verletzung der Hand oder einer Verstauchung (Überdehnung) des Fußes ordnet das Gehirn sofort Ruhigstellung an. Das System schaltet in den Selbstschutzmodus. Sobald die Verletzung verheilt ist, verschwindet das Schmerzsignal. Das Signal zur Ruhigstellung endet. Die Nervennetze beruhigen sich, und der Schmerz nimmt ab. Bei der Entstehung von Krankheiten kann es allerdings auch Situationen geben, die sich nicht durch Schmerz äußern, oder es kann zu Entzündungen in inneren Organen wie „Magen oder Mandeln“ kommen, die nicht vollständig ausgeheilt sind. Diese stillen Entzündungen reagieren nicht wie eine offen brennende Glut, sondern senden über die Nervenfasern fortlaufend „stille Signale“ aus.

In manchen Fällen geben diese Organe zudem toxische Stoffe oder krankheitserregende Substanzen an ihre Umgebung ab. Trotz all dessen bemerken wir zunächst nichts – bis der Körper geschwächt ist und ein Punkt erreicht wird, an dem er diesen Problemen nicht mehr gewachsen ist. Genau dann flammt diese im Inneren glühende Kohle plötzlich auf. Zum Beispiel kann in einer Situation wie einer an sich harmlosen einfachen Infektion (Erkältung) oder unter Arbeitsstress die Widerstandsfähigkeit des Körpers zusammenbrechen, und Krankheitssymptome treten auf.

In diesem Fall können im Körper unerwartete Reaktionen auftreten. Denn die Nervenbahnen und insbesondere das sympathische System sind durch diesen verborgenen, symptomlosen Krankheitsprozess überermüdet und stärker belastet, als es sein sollte. Dadurch kommt es zu Fehlleitungen oder zu Kurzschlüssen im gesamten Nervennetzwerk. Aus diesem Grund treten Schmerzen oder Beschwerden meist nicht an der Stelle auf, an der das eigentliche Problem liegt, sondern an einer ganz anderen Stelle des Körpers. Das bedeutet, dass die Beschwerde, mit der der Patient zum Arzt geht, tatsächlich zu einer anderen, verborgenen Krankheit gehört. Dadurch werden die Diagnose und in der Folge auch die Behandlung der Krankheit erschwert. Diese Schwierigkeit macht die Suche nach den eigentlichen Ursachen der Krankheit zu einem regelrechten Katz-und-Maus-Spiel.

WIE VERHÄLT SICH DER KÖRPER, WENN KRANKHEIT ENTSTEHT?

Damit der Körper gesund sein kann, sollte ein ganzheitlicher Behandlungsansatz verfolgt werden, der auf der Grundlage der ständigen Selbstregulation und der automatischen Selbstheilung des Körpers beruht. Der verstorbene Prof. Dr. Herget, der Doyen der Komplementärmedizin und der maßgeblich dazu beigetragen hat, dass ich mit der Komplementärmedizin in Berührung kam und mich in diesem Bereich weiterentwickelte, bezeichnete diesen Ansatz als Behandlung im neurovegetativen Milieu. Ich selbst nenne die Gesamtheit dieser von mir durchgeführten Behandlungen die Regulation durch Behandlung der Neurovegetativen Matrix (Bindegewebe und Grundsubstanzsystem). Dabei geht es darum, ausgehend von der Neuraltherapie auch weitere Reiztherapien zur Reinigung und Regulation des Bindegewebes einzusetzen.

Wird die Regulation der neurovegetativen Matrix angewendet, wird der Körper dazu angeregt, „sich selbst zu heilen“, und so werden die Hindernisse oder Blockaden beseitigt, die die Störung der Regulation verursachen.

Dieser ganzheitliche Ansatz bedeutet zugleich eine Stärkung der Gesundheit. Das eigentliche Ziel besteht dabei nicht so sehr im Kampf gegen die Krankheit, sondern darin, den Körper darin zu unterstützen, dauerhaft gesund zu bleiben und nicht zu erkranken.

Krankheiten entstehen nicht plötzlich. Sie sind meist die Folge vieler kleiner, im Hintergrund liegender negativer Reize und einer anfänglich unbemerkten oder uns nicht belastenden Toxinbelastung.

Alle unsere Organe sind integriert mit dem Nervensystem und dem Rückenmark verbunden. Von den Austrittsstellen (Öffnungen) zwischen den Lendenwirbeln verlassen Nervenenden paarweise nach rechts und links das Rückenmark und erreichen von dort aus die Muskeln, Gelenke, Bänder, Sehnen, das Kreislaufsystem und die inneren Organe. Von den Organen aus verzweigen sie sich weiter bis in die Muskulatur und die Hautschichten. Dort befinden sich auf jedem Quadratzentimeter 200 Nervenenden. Diese Nervenenden registrieren mechanische Reize wie „Druck, Stoß“, von außen kommende thermische Signale (Temperaturänderungen) oder chemische Reize. Selbstverständlich reagieren diese Nervenenden auch auf Signale, die aus dem Inneren des Körpers kommen. Etwa 5 % der Schmerzreize im Körper stammen aus unterschiedlichen Organen und breiten sich zu den Nerven von Haut und Muskulatur aus. Dies erklärt, warum bei einem Herzinfarkt Schmerzen im linken Arm und in der linken Hand auftreten oder warum sich eine Gallenblasenstörung in die Schulterregion ausbreitet. Je nachdem, aus welchem Abschnitt der Wirbelsäule die Nerven austreten, spricht man von „unterschiedlichen Ebenen = unterschiedlichen Segmenten“. Durch die aus jedem Segment austretenden Nerven werden jeweils unterschiedliche Organe versorgt. Welches Organ in welchem Segment geschädigt ist und in welche Hautregion sich der Schaden ausbreitet, muss vom Arzt festgestellt werden.

Ein entsprechend ausgebildeter Neuraltherapeut erkennt die von uns als segmentale Störung bezeichnete Funktionsstörung sofort. Schmerzhafte oder übererregte Bereiche in bestimmten Hautregionen, die durch nervale Reflexe des betroffenen Organs entstehen, helfen bei dieser Feststellung.

Verborgene „stille“ Krankheitsprozesse werden als „Störfeld“ bezeichnet. Störfelder weisen meist auf verborgene chronische Entzündungen, chronische Probleme oder Verletzungen hin. Diese Erkrankungen verursachen keinerlei Symptome und bleiben daher häufig unbemerkt. Sie stellen jedoch eine dauerhafte Belastung für den Organismus dar und überlasten ihn mit der Zeit erheblich. Dadurch beeinträchtigen sie die Funktion des autonomen Nervensystems und behindern den gesunden Ablauf wichtiger Körperfunktionen.

Dr. Hüseyin NAZLIKUL
IFMANT = Präsident der Internationalen Neuraltherapie-Föderation
Präsident der Gesellschaft für Wissenschaftliche Neuraltherapie und Regulationsmedizin 

Verwendete Quellen:
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie-Lehrbuch 
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas 
•    L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
•    James W. NcNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie 
•    Fischer, L et al: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie