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Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Der Ansatz der Regulationsmedizin und Neuraltherapie unter…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 09.09.2025 4 min read
Chronisches Beckenschmerzsyndrom: Der Ansatz der Regulationsmedizin und Neuraltherapie unter Berücksichtigung der neuralen, vaskulären und faszialen Verbindungen der kleinen Beckenorgane

Das chronische Beckenschmerzsyndrom (CBSS) ist ein häufiger und multifaktorieller Zustand, der durch Schmerzen im Unterbauch, im Beckenbereich und im Genitalbereich gekennzeichnet ist, die länger als drei Monate anhalten. Eine wichtige Rolle beim CBSS spielt die Störung der neuralen, vaskulären, lymphatischen und faszialen Verbindungen der kleinen Beckenorgane (Gebärmutter, Eierstöcke, Prostata, Blase, Rektum usw.). Dieses komplexe Beziehungsnetzwerk kann sowohl eine neurale als auch eine zirkulatorische Dysfunktion hervorrufen und bei den Patienten anhaltende Schmerzen verursachen. Die Regulationsmedizin und die Neuraltherapie bieten wirksame Methoden zur Regulierung dieses komplexen Netzwerks.

Nervale Innervation und Durchblutung der Beckenorgane

Nervale Innervation

Die Beckenorgane werden vom somatischen und autonomen Nervensystem innerviert:

  • Somatisches Nervensystem: Unter den somatischen Nerven, die die Beckenbodenmuskulatur steuern, spielt der N. pudendus eine führende Rolle. Dieser Nerv gewährleistet die sensorischen und motorischen Funktionen des Damms, der Genitalorgane und des Analsphinkters.
  • Autonomes Nervensystem:
  • Sympathische Nerven: Über die Nn. hypogastrici werden der Gefäßtonus und die Kontraktionen von Organen wie Gebärmutter, Eierstöcken und Blase gesteuert.
  • Parasympathische Nerven: Über den Plexus sacralis ermöglichen sie eine gesteigerte Durchblutung im vaginalen und rektalen Bereich sowie den Ruhezustand der Organe.

Beim chronischen Beckenschmerz spielt die dysfunktionale nervale Übertragung (z. B. Überempfindlichkeit, neurogene Entzündung) eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des Schmerzes. Insbesondere Einklemmungen des N. pudendus und Dysfunktionen des vegetativen Beckenplexus können zu weitverbreiteten Schmerzen und Funktionsstörungen führen.

Arterielle, venöse und lymphatische Zirkulation

Die Beckenorgane werden durch ausgedehnte arterielle, venöse und lymphatische Netzwerke im Becken versorgt und gereinigt:

Arterielle Durchblutung:

  • Die A. iliaca interna und ihre Äste (z. B. A. uterina, A. vaginalis, A. prostatica) versorgen die Beckenorgane.
  • Eine unzureichende Durchblutung kann zu Gewebehypoxie und Schmerzen führen.

Venöse Durchblutung:

  • Die pelvine venöse Stauung ist ein häufiger Mechanismus beim chronischen Beckenschmerz. Eine unzureichende venöse Rückströmung kann zu einem Druckanstieg in den Beckenorganen und zu chronischer Entzündung führen.

Lymphatische Zirkulation:

  • Eine gestörte lymphatische Drainage trägt zur Ansammlung von Toxinen und zu Entzündungen bei. Insbesondere die Lymphknoten im Becken spielen eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung chronischer Entzündung und Schmerzen.

Beckenmuskulatur und faszialer Zusammenhang

Beckenmuskulatur und Bewegungsmuster

Die Beckenbodenmuskulatur bietet sowohl posturale Unterstützung als auch die Regulierung der Blasen-, Darm- und Sexualfunktionen. Allerdings können sowohl eine erhöhte Spannung als auch eine Schwäche dieser Muskulatur chronische Beckenschmerzen verursachen.

  • Hypertone Muskeln: Eine übermäßige Anspannung der Muskeln führt zu Nerveneinklemmungen und einer gestörten Durchblutung.
  • Schwache Muskeln: Aufgrund unzureichender Unterstützung kann es zu einer Lageverschiebung der Beckenorgane oder zu Funktionsstörungen kommen.

Faszien und Verbindungen

Das Becken ist ein wichtiger Knotenpunkt der faszialen Ketten. Insbesondere die Beckenfaszie spielt eine entscheidende Rolle bei der Unterstützung der Organe und ihrer Beziehungen zu benachbarten Bereichen:

  • Vordere Kette: Verbunden mit der Bauchmuskulatur und dem Zwerchfell. Atemunregelmäßigkeiten können den Druck im Becken erhöhen.
  • Hintere Kette: Verbindungen mit der Gesäßmuskulatur und der Wirbelsäule können dazu führen, dass sich Beckenschmerzen in Rücken und Hüfte ausbreiten.
  • Faszialer Spannungszustand oder Verklebungen können zu Durchblutungsstörungen und Nerveneinklemmungen führen.

Der Ansatz von Nazlikul zur Neuraltherapie und Regulationsmedizin bei chronischem Beckenschmerz

Regulation des vegetativen Nervensystems

Die nervale Steuerung der Beckenorgane erfolgt durch das vegetative Nervensystem (sympathisch und parasympathisch). Beim chronischen Schmerz spielt die Dysfunktion dieses Systems (z. B. sympathische Überaktivität) eine Rolle bei der Aufrechterhaltung des Schmerzes.

Neuraltherapie:

  • Anwendungen am Plexus hypogastricus, am Plexus sacralis und am N. pudendus stellen das sympathisch-parasympathische Gleichgewicht wieder her.
  • Blockade des Ganglion stellatum: Eine wirksame Methode zur Regulierung der Aktivität des sympathischen Nervensystems und zur Schmerzreduktion.

Erkennung und Behandlung von Störfeldern mit dem neuraltherapeutischen Ansatz

Zu den Störfeldern, die häufig zum chronischen Beckenschmerz beitragen, gehören:

  • Alte Operationsnarben (z. B. Kaiserschnitt, Blinddarmoperation).
  • Infektionsherde (z. B. chronische Zystitis, entzündliche Beckenerkrankung).
  • Zahn- und Mandelherde.

Die Neuraltherapie beseitigt die Wirkung dieser Störfelder und verringert dadurch die Belastung des vegetativen Nervensystems.

Regulierung der Durchblutung

  • Verbesserung der venösen und lymphatischen Zirkulation:
  • Lymphdrainage kann die Durchblutung unterstützen und Entzündungen verringern.
  • Faszientechniken zur Mobilisierung steigern den Blut- und Lymphfluss.

Regulation von Faszien und Muskulatur

Zur Lösung faszialer Verklebungen und muskulärer Hypertonie:

  • Manuelle Therapie: Verringert Spannungen in der Beckenmuskulatur und den faszialen Ketten.
  • Muskelentspannung mittels Neuraltherapie: Lokale Injektionen können Muskelkrämpfe lösen.

Entzündungshemmende Ernährung und Nährstoffunterstützung

  • Omega-3-Fettsäuren: Verringern Entzündungen und unterstützen die Geweberegeneration.
  • Magnesium und Vitamin-B-Komplex: Wirksam bei der Muskelentspannung und der Unterstützung der Nervenfunktionen.
  • Glutenfreie und entzündungshemmende Ernährung: Kann die Darm-Becken-Verbindung stärken.

Psychologische und kognitive Unterstützung

  • Bei Beckenschmerzsyndromen kann Stress die sympathische Aktivität steigern und dadurch den Schmerz verschärfen.
  • Achtsamkeit und Meditation: Steigern den parasympathischen Tonus.
  • Kognitive Verhaltenstherapie: Kann die Schmerzwahrnehmung verändern.

Fazit

Das chronische Beckenschmerzsyndrom entsteht durch die komplexen Zusammenhänge zwischen den neuralen, zirkulatorischen und faszialen Verbindungen der Beckenorgane. Die Regulationsmedizin und die Neuraltherapie bieten wirksame Instrumente zur Regulierung dieses komplexen Systems.

  • Während die Neuraltherapie durch die Behandlung von Störfeldern und die Regulation des vegetativen Nervensystems den Schmerz gezielt angeht, trägt die Korrektur der zirkulatorischen und faszialen Verbindungen zur Linderung der Symptome bei.
  • Ein ganzheitlicher Ansatz mit individuellen Behandlungsplänen geht auf die zugrunde liegenden Ursachen des Beckenschmerzes ein und verbessert die Lebensqualität der Patienten.

Bei der Lösung des Beckenschmerzsyndroms ermöglicht ein multidisziplinärer und individualisierter Ansatz sowohl kurzfristige Linderung als auch langfristige Heilung.

Dr. Hüseyin Nazlikul, M.D., PhD.
Vorsitzender von IFMANT, BNR, MTAR
Facharzt für Allgemeinmedizin – Medizinische Biophysik

Präsident der IFMANT (International Federation of Medical Associations of Neural Therapy)
Präsident der Türkischen Gesellschaft für Neuraltherapie
Präsident der Türkischen Gesellschaft für Manuelle Medizin und Schmerzregulation
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