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Chronisches Schmerzmanagement mit Neuraltherapie: Beiträge zur funktionellen Genesung Chronischer…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 06.10.2024 4 min read
Chronisches Schmerzmanagement mit Neuraltherapie: Beiträge zur funktionellen Genesung Chronischer Schmerz wird als Schmerz definiert, der länger als drei Monate anhält, und beeinträchtigt die Lebensqualität und die alltägliche Funktionsfähigkeit der Betroffenen erheblich.
Chronischer Schmerz wird als Schmerz definiert, der länger als drei Monate anhält, und beeinträchtigt die Lebensqualität und die alltägliche Funktionsfähigkeit der Betroffenen erheblich.

Konventionelle Ansätze im Management chronischer Schmerzen konzentrieren sich in der Regel auf die Unterdrückung der Symptome, ohne die zugrunde liegenden Ursachen des Schmerzes zu behandeln. Die Neuraltherapie (NT) bietet eine einzigartige und wirksame Behandlungsmethode, indem sie Dysregulationen im autonomen Nervensystem (ANS) und in den umfassenderen Regulationssystemen des Körpers gezielt angeht. Dieser Artikel zielt darauf ab, umfassend zu untersuchen, wie die Neuraltherapie im Management chronischer Schmerzen funktioniert und wie sie zur funktionellen Genesung beiträgt.

1. Chronischen Schmerz verstehen: Jenseits des Symptommanagements

Chronischer Schmerz ist nicht nur ein anhaltendes Unbehagen, sondern ein komplexer Zustand, der mehrere Systeme umfasst, darunter das Nervensystem, das Immunsystem und die Wege der emotionalen Regulation. Während akuter Schmerz den Körper schützt, indem er eine Verletzung oder Schädigung meldet, kann chronischer Schmerz häufig ohne fortbestehende Ursache oder sogar nach abgeschlossener Gewebeheilung fortbestehen. Zu den Faktoren, die zu chronischem Schmerz beitragen, gehören:

  • Störungen des Nervensystems: Fehlangepasste Veränderungen im zentralen und peripheren Nervensystem können die Schmerzwahrnehmung verstärken.
  • Entzündung: Chronische Entzündung kann den Schmerz aufrechterhalten oder verschlimmern.
  • Störfelder: Kleine Herde von Funktionsstörungen im Körper, wie alte Wunden oder Operationsnarben, können die normale Nervenkommunikation stören und zu Schmerzen führen.
  • Psychosoziale Faktoren: Emotionaler und psychologischer Stress kann chronischen Schmerz verstärken und zum Fortbestehen der Beschwerden beitragen.

2. Neuraltherapie: Konzept und Mechanismus

Die Neuraltherapie beruht auf dem Prinzip, das autonome Nervensystem zu regulieren und Störfelder zu korrigieren. Die Behandlung umfasst in der Regel die Injektion von Lokalanästhetika wie Procain oder Lidocain an bestimmten Punkten, wodurch die elektrische und nervale Kommunikation normalisiert wird. Durch die Korrektur von Störungen im Nervensystem bietet die Neuraltherapie einen tieferen und systemischeren Ansatz im Schmerzmanagement.

2.1. Grundlegende Mechanismen der Neuraltherapie

Die Neuraltherapie zielt auf folgende Mechanismen ab, um chronischen Schmerz zu lindern:

  • Regulation des autonomen Nervensystems: Das autonome Nervensystem (ANS) kontrolliert unwillkürliche Körperfunktionen wie Blutzirkulation, Verdauung und Immunreaktionen. Bei chronischen Schmerzzuständen ist das ANS in der Regel dysreguliert, was zu Ungleichgewichten in diesen Systemen führt. Die Neuraltherapie stellt das Gleichgewicht innerhalb des ANS wieder her und reduziert dadurch Schmerzsignale.
  • Unterbrechung pathologischer Reflexbögen: Chronischer Schmerz kann aus abnormalen Reflexbögen innerhalb des Nervensystems resultieren, wobei Schmerzsignale auch nach Abheilen der ursprünglichen Verletzung fortbestehen können. Die Neuraltherapie kann diese Reflexbögen unterbrechen und die Schmerzreaktionen des Körpers zurücksetzen.
  • Beseitigung von Störfeldern: Störfelder sind Bereiche, in denen die normale Funktion gestört ist, wie alte Wunden, Zahnprobleme oder frühere Traumata. Diese Bereiche können die Übertragung von Nervensignalen stören und zu chronischem Schmerz führen. Die Neuraltherapie lindert den Schmerz, indem sie durch Injektionen in diese Bereiche die Nervenkommunikation neu reguliert.
  • Regulation chronischer Entzündung: Die Neuraltherapie kann chronische Entzündungen reduzieren, die mit Beschwerden wie Arthritis und Fibromyalgie in Verbindung stehen. Die lokalanästhetischen Eigenschaften von Procain reduzieren entzündliche Zytokine und unterstützen die Gewebeheilung.

3. Arten chronischer Schmerzen, die mit Neuraltherapie behandelt werden können

3.1. Schmerzen des Bewegungsapparats

Chronische Schmerzen des Bewegungsapparats stehen häufig mit Zuständen wie Fibromyalgie, Osteoarthrose und chronischen Rückenschmerzen in Verbindung. Diese Beschwerden umfassen in der Regel Muskelkrämpfe, Bewegungseinschränkung und anhaltendes Unbehagen. Die Neuraltherapie reduziert durch lokale und systemische Nervenregulation die Muskelspannung, lindert Entzündungen und verbessert die Beweglichkeit.

  • Fallbeispiel: Ein Patient mit chronischen Rückenschmerzen im Zusammenhang mit dem Facettengelenksyndrom zeigt nach Procain-Injektionen in die betroffenen Wirbelsäulensegmente eine deutliche Verbesserung. Durch die Normalisierung der Nervenaktivität nimmt der Schmerz ab und die Beweglichkeit wird wiedererlangt.

3.2. Neuropathischer Schmerz

Neuropathischer Schmerz entsteht unmittelbar durch eine Nervenschädigung und ist durch Brennen, Kribbeln oder elektroschockartige Schmerzen gekennzeichnet. Beschwerden wie postherpetische Neuralgie, diabetische Neuropathie und Ischias können mit Neuraltherapie wirksam behandelt werden.

  • Fallbeispiel: Ein Patient mit diabetischer Neuropathie verspürt nach Neuraltherapie-Sitzungen, die auf autonome Ungleichgewichte abzielen und die Nervenfunktion wiederherstellen, eine Linderung durch die Korrektur der Anomalien in den Schmerzsignalen.

3.3. Kopfschmerzen und Migräne

Chronische Kopfschmerzen und Migräne stehen im Zusammenhang mit Funktionsstörungen des Nervus trigeminus, der Halswirbelsäule und des autonomen Nervensystems. Die Neuraltherapie reduziert durch die gezielte Behandlung autonomer Ungleichgewichte im Kopf-Hals-Bereich sowohl die Häufigkeit als auch die Schwere von Kopfschmerzen erheblich.

  • Fallbeispiel: Patienten mit chronischen Spannungskopfschmerzen berichten nach Neuraltherapie-Sitzungen an Nervus occipitalis und Segmenten der Halswirbelsäule von einer deutlichen Reduktion ihrer Kopfschmerzen.

4. Funktionelle Genesung durch Neuraltherapie

Das wirksame Management chronischer Schmerzen beschränkt sich nicht allein auf die Schmerzlinderung; es umfasst auch die Verbesserung der allgemeinen Funktionsfähigkeit des Betroffenen. Indem die Neuraltherapie Ungleichgewichte im Nervensystem korrigiert und Störfelder beseitigt, aktiviert sie die umfassendere Heilungs- und Regulationsfähigkeit des Körpers. Dies reduziert nicht nur den Schmerz, sondern verbessert auch das körperliche, emotionale und psychologische Wohlbefinden der Patienten. Aus diesem Grund besitzt die Neuraltherapie das Potenzial, sowohl kurzfristige Schmerzkontrolle als auch langfristige funktionelle Genesung zu ermöglichen.

Dr. Hüseyin NAZLIKUL
Präsident der IFMANT = Internationale Föderation für Neuraltherapie
Präsident der Gesellschaft für Wissenschaftliche Neuraltherapie-Regulation