Wie wird die Neuraltherapie angewendet? Was genau macht ein Arzt, der Neuraltherapie durchführt?…

Bei der Wahl des Arztes für Ihre Neuraltherapiebehandlung sollten Sie darauf achten, dass er über ein IFMANT- & BNR-Diplom verfügt. Denn Ausbildungen nach Weltstandard werden in der Türkei unter dem Namen IFMANT ausschließlich von der BNR (Gesellschaft für Wissenschaftliche Neuraltherapie und Regulationsmedizin) angeboten. Der Arzt hat mehrere Möglichkeiten, sich dem Krankheitsbild therapeutisch zu nähern. Zunächst wird er mit dem Patienten ein ausführliches und umfassendes Gespräch über dessen Krankengeschichte führen. Dieses Gespräch wird als „Anamnese“ bezeichnet. Dabei sind Informationen über alle früheren Erkrankungen, Unfälle oder Operationen des Patienten von großer Bedeutung. Zeitliche Zusammenhänge früherer Erkrankungen können auf ein „Störfeld“ hinweisen. Ein Beispiel hierfür sind Verdauungsprobleme, die nach einer Gallenblasenoperation auftreten.
Bei seiner ersten Grunduntersuchung wendet der Arzt verschiedene Techniken an. Mit diesen Techniken ertastet er mit der Hand die als Triggerpunkte bezeichneten Schmerz- und Reflexzonen. Dabei handelt es sich um regional begrenzte Muskelverspannungen, die auf Druck empfindlich reagieren. Schmerzen strahlen von diesen Bereichen häufig in andere Körperteile aus. So kann beispielsweise „ein Triggerpunkt im Nacken- oder Schulterbereich“ Kopfschmerzen auslösen.
Anschließend setzt der Arzt eine oder mehrere Procain- oder Lidocain-Injektionen direkt unter die Haut im Bereich des Schmerzes. Diese Methode wird als „Quaddel-Methode – subkutane Injektion“ bezeichnet. In der Regel bildet sich nach der Injektion kurzzeitig eine Erhebung auf der Haut (Quaddel). Diese verschwindet innerhalb weniger Minuten. Durch die Injektion löst der Körper über die empfindlichen Hautnerven und das Nervennetz eine Reaktion aus. Dies wird als diagnostische (befundende) Behandlung bezeichnet.

Manchmal setzt er die Injektionen auch in tiefer liegende Körperbereiche, die im Volksmund als „Hexenschuss“-Verhärtungen bekannten Muskelpartien, an Nervenenden oder an den Stellen, an denen der Nerv den Knochen verlässt. Ob diese Anwendung notwendig ist, hängt vollständig von der Art der Erkrankung und der Hartnäckigkeit der Schmerzen ab.
Zudem wird eine geringe Menge des Lokalanästhetikums verabreicht, um die Durchblutung und das vegetative Nervensystem zu beeinflussen. Bei Durchblutungsstörungen der Arterien erweisen sich Injektionen rund um die Arterie und in die Arterie hinein als erfolgreich. An den zum Gehirn führenden Gefäßen wird diese Anwendung jedoch niemals durchgeführt. Bei Gelenkschmerzen werden in der Regel in längeren Zeitabständen Injektionen in die Gelenkkapsel verabreicht. Deutet der Verdachtsbefund, der die Krankheitssymptome verursacht, auf das Vorliegen eines Störfelds hin, sucht der Arzt wie ein Detektiv nach Spuren, um den „Täter“ zu finden. Dabei hilft ihm sein Wissen und seine Erfahrung über den Zusammenhang (die Einheit) der Körperteile und Organe.
Hierbei muss insbesondere die Vorgeschichte des Patienten und, falls vorhanden, die Befunde früherer Erkrankungen berücksichtigt werden. Nach der ersten Behandlung können häufig auch Schmerzen und Beschwerden in anderen Körperteilen auftreten. Während die Patienten über diese zuvor nicht vorhandenen Schmerzen beunruhigt sind, stellen sie für den Neuraltherapeuten eine wichtige Information dar. Beginnt beispielsweise bei einem Patienten mit Rückenschmerzen nach der Segmenttherapie plötzlich ein zuvor unauffälliger, chronisch entzündeter und unbemerkter Zahn zu schmerzen, kann dies darauf hindeuten, dass die Rückenschmerzen von diesem Zahn ausgehen. Da in solchen Fällen zuvor nicht vorhandene Schmerzen plötzlich auftreten, weist dieses als „retrogrades Phänomen“ bezeichnete Ereignis auf das Vorliegen eines „Störfelds“ hin. In diesem Fall muss auch der schmerzende Bereich mitbehandelt werden.
Nimmt der Schmerz während der neuraltherapeutischen Behandlung des schmerzhaften Bereichs vorübergehend zu (was in der Regel im unteren Rückenbereich der Fall ist), kann dies auf das Vorliegen eines Störfelds hinweisen. Der Arzt wird bei seinen weiteren Behandlungen nach diesem Störfeld suchen. In manchen Fällen können sogar mehrere Störfelder gleichzeitig vorliegen. Damit die Behandlung erfolgreich sein kann, muss der Arzt diese Störfelder finden und behandeln.
In der Regel zeigt eine Injektion in den Bereich, von dem angenommen wird, dass die Reize dort ihren Ursprung haben – zum Beispiel „an den Mandeln oder an einer alten Narbe“ – unmittelbare Wirkung. Verschwinden die Schmerzen nach der Injektion plötzlich und dauerhaft, ist das Störfeld beseitigt und ausgeheilt. Dieses Ereignis wird als „Sekundenphänomen“ bezeichnet.
Verwendete Quellen:
• Nazlikul, H: Neuraltherapie-Lehrbuch
• Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
• H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas
• L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
• James W. NcNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
• Weinschenk, S: Neuraltherapie
• Fischer, L et al: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie