Neuraltherapie beim Weichteiltrauma des Fußes und Sprunggelenks Definition: Es handelt sich um eine…

Definition: Es handelt sich um eine Verstauchung, die häufig bei jungen, aktiven Menschen auftritt, wenn die Weichteile des Fußes und Sprunggelenks einer mechanischen Belastung ausgesetzt werden, die ihre Toleranzgrenze übersteigt. Am häufigsten werden die lateral gelegenen Bänder des Sprunggelenks verstaucht. Am häufigsten ist dabei das Ligamentum talofibulare anterius betroffen. Mit einer Häufigkeit von 1/10.000 pro Tag handelt es sich um ein ernstzunehmendes gesellschaftliches Problem. In etwa 90 % der Fälle tritt die Verstauchung auf, wenn das Sprunggelenk in Plantarflexion oder Supination einer Inversionsbelastung ausgesetzt wird. Dies ist eine Situation, der man beim Volleyball, Basketball und Fußball häufig ausgesetzt ist.
Bei der Patientin/dem Patienten festgestellte Befunde:
Vorderer Schubladentest: Zeigt die Laxität des Ligamentum talofibulare anterius. Eine Vorwärtsverschiebung des Talus ist ein Zeichen dafür, dass der Test positiv ist.
Talar-Tilt-Test: Ein Test, der Verletzungen des Ligamentum talofibulare anterius und des Ligamentum calcaneofibulare aufzeigt.
Syndesmosenriss: Ein Riss oder eine Schädigung des anatomischen Komplexes, der aus dem Ligamentum tibiofibulare anterius inferius, dem Ligamentum tibiofibulare posterius inferius und der Membrana interossea besteht.
Verletzung an der Innenseite des Sprunggelenks: Die wichtigste Struktur, die medial für Stabilität sorgt, ist das Ligamentum deltoideum. Kommt es an der Ansatzstelle des Malleolus medialis zu einer Avulsionsfraktur, ist die Behandlung in der Regel chirurgisch.
Grad I: Minimale Schmerzen, minimale Schwellung, keine Laxität.
Grad II: Beim Talar-Tilt-Test und beim vorderen Schubladentest ist Laxität feststellbar, Schmerzen und Schwellung sind vorhanden.
Grad III: Ausgeprägte bis mäßige Schmerzen und Schwellung. Die Patientin/der Patient kann sich in der Regel ohne Gips- oder Schienenstütze nicht mobilisieren. Vorderer Schubladentest und Talar-Tilt-Test sind positiv.
KLASSISCHE BEHANDLUNG:
Konservative medizinische Behandlung:
Eisanwendung: Wird in den ersten 3 Tagen in Perioden von mindestens 20 Minuten angewendet.
Kompression mit elastischer Bandage: Die geschwollenen Knöchel werden mit einer kreuzweisen Bandage umschlossen fixiert und komprimiert. Dabei ist darauf zu achten, die Durchblutung des distalen Bereichs nicht zu beeinträchtigen.
Hochlagerung: In den ersten 48–72 Stunden wird die Extremität so hochgelagert, dass sie sich oberhalb des Herzniveaus befindet.
DIE WIRKSAMSTE BEHANDLUNG: NEURALTHERAPIE:
Bei Weichteilverletzungen beschleunigt zusätzlich zu den oben genannten Basisbehandlungen die regionale Neuraltherapie sowie die segmentale Quaddelbehandlung die rasche Erholung des Gewebes und den Genesungsprozess der Patientin/des Patienten. Die mit der Neuraltherapie durchgeführte Maßnahme besteht darin, die akute Reizung im vegetativen Nervensystem (VNS) aufzuheben. Ziel ist die Aktivierung des Lymphsystems und die Entfernung von Abbauprodukten. Patientinnen und Patienten, bei denen eine Neuraltherapie durchgeführt wird, verbringen selbst am ersten Tag nach dem Trauma hinsichtlich Schwellung und Schmerz eine angenehmere Nacht.
Die Behandlung beginnt mit der Untersuchung der Adler-Langer-Punkte.
Mit dem Kibler-Hautverschiebetest werden die positiven Segmente ermittelt.
Lokale Behandlung: Rund um das Gelenk werden kreisförmig Quaddeln gesetzt und Haut, Unterhaut, Bänder und Gelenkkapsel neuraltherapeutisch stimuliert. Bei akuten Verletzungen wird die lokale Anwendung täglich wiederholt. Nach der akuten Phase (nach 72 Stunden) kann 1–2 Mal pro Woche behandelt werden, in der Regel wird innerhalb von 3 Wochen eine komplikationslose Heilung erzielt.
Segmentale Behandlung: Entsprechend der Innervation von Fuß und Sprunggelenk wird von L1 bis S5 eine Quaddelbehandlung durchgeführt. Mit der segmentalen Behandlung werden alle Segmente (Dermatom, Myotom, die knöcherne Einheit innerhalb des Segments (Osteotom), Viszerotom) reguliert. Nach jeder lokalen Anwendung muss unbedingt auch das Segment stimuliert werden.
Behandlung des oberen Segments: Durch Stimulation des L2-Plexus und Anwendung am Canalis sacralis wird die sympathische und parasympathische Regulation der unteren Extremität erreicht. Die afferenten und efferenten motorischen und sensiblen Nerven der unteren Extremität werden stimuliert. Die Anwendung erfolgt 1–2 Mal pro Woche.
Regulation des Störfeldes: Es wird nach jedem möglichen Herd gesucht, dem die distal von L1 gelegenen Segmente ausgesetzt sind. Es erfolgt eine kinesiologische Beurteilung. Die Störfeldbehandlung wird durchgeführt. Eine in diesem Bereich erlittene und komplikationslos verheilte Fraktur kann ein Störfeld sein. Bei der durchzuführenden Störfeldregulation ist die periostale Reizung von Bedeutung. Auch bei der Periostreizung müssen die Regeln der Asepsis und Antisepsis sorgfältig eingehalten werden. Die Störfeldstimulation kann im gesamten Behandlungsverlauf nur einmal ausreichend sein. Es sollte jedoch kinesiologisch getestet werden, ob das Störfeld reguliert ist, und falls es nicht reguliert ist, muss die Neuraltherapie erneut durchgeführt werden.
Durchblutungsprotokoll der unteren Extremität: Das Vorhandensein einer guten Durchblutung und lymphatischen Flüssigkeitsbewegung der vom Trauma betroffenen Extremität ist sehr wichtig. Aus diesem Grund ist das Durchblutungsprotokoll eine wichtige Maßnahme, die nicht ausgelassen werden darf.
Verwendete Quellen:
• Nazlikul, H: Neuraltherapie-Lehrbuch
• Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
• H. Barops (Übersetzer H. Nazlikul) Neuraltherapie-Atlas
• L. Fischers (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam) Neuraltherapie-Buch
• James W. NcNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam) Gelenk- und Weichteilinjektionen
• Weinschenk, S: Neuraltherapie
• Fischer, L et al.: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie