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Wie werden das Myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) und Triggerpunkte (TP) am wirksamsten behandelt?…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 13.03.2022 5 min read
Wie werden das Myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) und Triggerpunkte (TP) am wirksamsten behandelt? Behandlung des Myofaszialen Schmerzsyndroms - Triggerpunktbehandlung - Neuraltherapie Manuelle Medizin Chiropraktik
Behandlung des Myofaszialen Schmerzsyndroms - Triggerpunktbehandlung - Neuraltherapie Manuelle Medizin Chiropraktik

Für das Myofasziale Schmerzsyndrom (MSS) und Triggerpunkte (TP) gibt es unterschiedliche Behandlungsansätze.

Dies sind vor allem folgende:

  • Neuraltherapie / Therapeutische Lokalanästhesie (Injektion): Hierbei wird eine Injektion mit Procain oder einem anderen Lokalanästhetikum in den Triggerpunkt verabreicht. Diese Injektion betäubt die Schmerzfasern, löst den Spannungspunkt und ist wirksamer als eine trockene Nadelung. Sie ist der erste Behandlungsansatz für die Triggerpunkttherapie.
  • Einzelnadel-Akupunktur / Triggerpunkt-Akupunktur (Dry Needling): Bei dieser Methode wird eine Akupunkturnadel in den TP eingeführt und der Patient kräftig stimuliert, bis er einen ausstrahlenden Schmerz verspürt. In den meisten Fällen wird die Nadel sofort wieder entfernt. Die Triggerpunkt-Akupunktur kann auch in Kombination mit der traditionellen chinesischen Akupunktur angewendet werden.
  • PIR - Dehnungstherapie: Zusätzlich zur Triggerpunktbehandlung helfen Dehnübungen meist dabei, verspannte Muskeln zu lösen. In manchen Fällen treten TP auch in geschwächten Muskeln auf. In diesem Fall wird eine Kombination aus Kräftigungs- und Dehnübungen empfohlen.
  • Kinesiotape: Hierbei handelt es sich um eine Behandlung mit elastischen Tape-Verbänden, die dabei helfen können, einen Triggerpunkt zu lösen oder einen Muskel zu dehnen.
  • Haltungskorrektur: Fehlhaltung oder Fehlbelastung sind oft die Ursache eines Triggerpunkts. Deshalb sollten Haltungsstörungen untersucht und korrigiert werden (z. B. nicht immer die Umhängetasche auf der rechten Schulter tragen).
  • Faszientherapie: Hierbei wird die Spannung in Geweben und Muskeln durch manuelle Techniken (mit der Hand) und Hilfsmittel gelöst.
  • Manuelle Medizin - Physiotherapie / Manuelle Therapie: Bei komplexen oder chronischen Störungen kann unterstützende Physiotherapie hilfreich sein. Dies gilt besonders für Beckenschiefstand, Skoliose und Erkrankungen des Kiefergelenks.

MEINE PERSÖNLICHE ERFAHRUNG: DIE WIRKSAMSTE KOMBINATION IST NEURALTHERAPIE + PIR.

TRIGGERPUNKTINJEKTION IN DER NEURALTHERAPIE

Die Neuraltherapie ist ein Verfahren, bei dem durch die Applikation von 0,5-1 % Procain oder Lidocain an bestimmten „Störfeldern und Segmentbereichen“ Wirkungen auf das autonome Nervensystem erzielt werden. Dies führt in der Regel zu einer Verringerung der Schmerzen. Neben der Behandlung dysfunktionaler Bereiche – allen voran der Behandlung des Myofaszialen Schmerzsyndroms (MSS) und der Triggerpunktbehandlung (TP) – ist auch die Behandlung von Narben und Segmenten von Bedeutung.

Die Neuraltherapie ist eine Behandlung mit bedeutender Wirkung auf die Schmerzlinderung bei minimalem Risiko.

Die Neuraltherapie ist ein integraler Bestandteil der dauerhaften Lösung der Schmerzbehandlung.

Das vegetative Nervensystem, auch autonomes Nervensystem genannt, ist an allen lebenswichtigen Organfunktionen beteiligt und unterstützt die körpereigenen Regulationsmechanismen. Diese Wirkung wird auch von der Neuraltherapie genutzt, einer regulationsmedizinischen Methode, die von Ärzten mit einem speziellen Diplom der Ausbildungen von IFMANT, BNR, ÖNR, SANTH und IGNH angewendet wird.

Die Neuraltherapie ist eine ganzheitliche, die Regulation umfassende Behandlungsmethode. Im Wesentlichen besteht sie aus der Injektion eines Lokalanästhetikums, meist Procain, an bestimmte Reflexpunkte. Sie erfolgt in der Regel im Bereich der festgestellten Dysfunktion, das heißt direkt am betroffenen Triggerpunkt, und umfasst Quaddeln unter die Haut für das Segment sowie Injektionen an das betroffene Ganglion, die Facettengelenke oder die Bänder. Auf diese Weise können über das darunterliegende Gewebe oder über den segmentalen Reflex positive Wirkungen auf bestimmte Organe erzielt werden. Daneben gibt es auch Injektionsverfahren, die direkt an bestimmten Schmerzstellen erfolgen. Bei der Facettenblockade wird der kleine Wirbelgelenkbereich, der zwei Wirbel miteinander verbindet, kurzzeitig mit einem Lokalanästhetikum (LA) infiltriert, sodass der betroffene Bereich mit LA umspült wird. Wird dies wiederholt, nehmen die Rückenschmerzen ab und der Heilungsprozess beschleunigt sich. Zudem werden bestimmte Nervenwurzeln, Ganglien und sogar Plexus für kurze Zeit mit Lokalanästhetika (LA) blockiert. Dies ist eine reversible Blockade. Die Wirkdauer entspricht dabei insbesondere bei den in der Neuraltherapie verwendeten Lokalanästhetika Procain und Lidocain der jeweiligen Halbwertszeit.

Die Anwendung von Lokalanästhetika (LA) bietet dem Arzt eine unkomplizierte und risikoarme Methode. Sie ist innerhalb weniger Minuten wirksam und sicher bei der Linderung von Beschwerden. Es werden Infiltrationen der Muskeln und Schmerzpunkte durchgeführt. Darüber hinaus hat die Störfeldtherapie eine Bedeutung, die über die Schmerzbehandlung hinausgeht und auch andere Funktionsstörungen betrifft. Es handelt sich übrigens um eine von praktizierenden Ärzten entwickelte Therapiemethode (nach Ferdinand und Walter Huneke wurde die Neuraltherapie erstmals 1928 veröffentlicht und 1940 weiterentwickelt). Heute sind IFMANT, IGNH, SANTH, ÖNR und die Gesellschaft für Wissenschaftliche Neuraltherapie für die wissenschaftliche Weiterentwicklung und Fortbildung zuständig.

Allen diesen Methoden ist gemeinsam, dass die Injektion schmerzhaft ist. Ohne diesen Schmerz besteht keine Indikation. Der Patient sollte darauf vorbereitet werden. Der rasche Wirkungseintritt sorgt in kurzer Zeit für Zufriedenheit beim Patienten. Kurzwirksame Lokalanästhetika wie Procain oder Lidocain werden ohne Zusätze und ohne Kortison verwendet.

DEN REIZ VOM SCHMERZPUNKT UNTERBRECHEN UND LÖSCHEN

Die Infiltration von Schmerzpunkten und Schmerzbereichen im Bindegewebe oder in den Muskeln lässt sich wie folgt erklären: Schmerz zeigt sich am Muskelursprung, an den Kollateralbändern des Kniegelenks, in der Bursa, an posttraumatisch schmerzhaften Periostpunkten und bei Myogelosen. Sofern sich in dem Bereich keine problematischen Gefäße oder anderen Strukturen befinden, wird die Injektion „dort, wo es schmerzt“ verabreicht. Deshalb wird sie etwas scherzhaft „Behandlungsmethode ‘dort, wo es weh tut’“ genannt.

NEURALTHERAPEUTISCHE TECHNIK BEIM MYOFASZIALEN SCHMERZSYNDROM

TRIGGERPUNKT

Das Lokalanästhetikum wird zunächst in den als aktiv oder latent festgestellten Triggerpunkt injiziert, ein Teil wird zudem in der Nähe von Sehnen, Bändern, Periost oder anderen schmerzhaften Strukturen oder direkt in schmerzhafte Muskeln (Enthesopathien oder Myogelosen) injiziert.

Wirkung des LA

Folgende Wirkungen können erwartet werden:

  • Es unterbricht den Schmerz und entspannt die Muskulatur.
  • Die Durchblutung verbessert sich.

Hält die Schmerzlinderung länger an als die unmittelbare Wirkung des Lokalanästhetikums selbst – also länger als zwei Stunden und bis zum nächsten Termin –, kann die Infiltration wiederholt werden. Ist keine weitere Besserung zu erzielen, sollte die Indikation überprüft oder die zugrunde liegenden Faktoren beseitigt werden. Bei einer Epikondylitis sollte beispielsweise die Spannung im zervikothorakalen Übergang gelöst werden.

Procain hemmt motorische und vegetative Nervenfasern reversibel, begrenzt ihre Erregung lokal und unterbricht deren Weiterleitung. Zuerst nimmt die Schmerzempfindung ab, dann die Temperaturwahrnehmung (Kälte, Wärme) und schließlich das Tast- und Druckempfinden (Nazlikul 2017).

Darüber hinaus beeinflusst Procain die Erregungsleitung des Herzens, wirkt antiarrhythmisch und senkt den Tonus der glatten Muskulatur. Zudem besitzt es eine schwache parasympatholytische Wirkung.

Es gibt verschiedene neuraltherapeutische Techniken:

  • Segmentale Therapie: Quaddelbehandlung, Infiltration der Triggerpunkte, Gelenke, Periost, Strukturen der Wirbelsäule
  • Ganglientherapie: Infiltration der Spinalganglien, Plexus
  • Störfeldtherapie: Injektion in einen Bereich, bei dem der Verdacht besteht, dass er als Störfeld wirkt.
  • Systemische Anwendungen: Intravenöse Injektion, Infusion, extravasale Injektion, Injektion in vegetative Ganglien.

Dr. Hüseyin Nazlıkul
Präsident der Gesellschaft für Manuelle Medizin und Schmerzregulation (MTAR)
Präsident der Gesellschaft für Wissenschaftliche Neuraltherapie und Regulationsmedizin
Präsident der IFMANT

Verwendete Quellen:

•    Nazlikul, H: Neuraltherapie-Lehrbuch 
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas 
•    L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
•    James W. NcNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie 
•    Fischer, L et al: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie