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Neuraltherapie und komplementärmedizinische Anwendungen bei Endometriose Die Ursache der…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 20.06.2021 6 min read
Neuraltherapie und komplementärmedizinische Anwendungen bei Endometriose Die Ursache der Endometriose ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Daher wird im schulmedizinischen Ansatz häufig symptomorientiert vorgegangen.
Die Ursache der Endometriose ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Daher wird im schulmedizinischen Ansatz häufig symptomorientiert vorgegangen.

KONVENTIONELLE SCHULMEDIZINISCHE BEHANDLUNGSOPTIONEN

Die Ursache der Endometriose ist nach wie vor nicht vollständig geklärt. Daher wird im schulmedizinischen Ansatz häufig symptomorientiert vorgegangen.

Es bestehen zwei Möglichkeiten. Entweder wird der Zyklus für einige Jahre mithilfe von Hormonpräparaten (künstliche Menopause) gestoppt, oder das Schleimhautgewebe wird chirurgisch entfernt.

Die Hormontherapie bringt eine Reihe von Nebenwirkungen mit sich (wie Gewichtszunahme, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, Stimmungsschwankungen, Schweißausbrüche, Kopfschmerzen). Darüber hinaus ist nach Absetzen des Medikaments mit einer relativ hohen Rückfallrate zu rechnen.

Auf die Hormontherapie folgt in der Regel eine Operation, die bestimmte Nebenwirkungen mit sich bringt. Zusätzlich werden bei manchen Patientinnen während der Operation auch die Eierstöcke entfernt, was zu einer vorzeitigen Menopause führt.

Keine dieser beiden Optionen bringt der betroffenen Person eine vollständige Lösung. Sie führen dazu, dass die Person zusätzlich nach unterstützenden Behandlungen sucht.

DIE ERKRANKUNG ENDOMETRIOSE

Die Endometriose wird definiert durch das Vorhandensein von Endometrium außerhalb der Gebärmutterhöhle. Bei den meisten Patientinnen tritt sie im kleinen Becken auf. Die ektopen endometrialen Inseln sind von den hormonellen Veränderungen des Menstruationszyklus abhängig und verursachen typischerweise zyklusabhängige Unterbauchschmerzen.

Die häufigsten Symptome der Endometriose sind zunächst periodisch auftretende, später aber dauerhaft werdende Unterbauchschmerzen sowie Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Diese Schmerzen können mäßig bis stark ausgeprägt sein. Häufig halten Frauen diese Schmerzen, die sie jahrelang erleben, für normale Regelschmerzen.

Die Menstruation ist schmerzhaft (Dysmenorrhoe), und die Blutung ist stärker. Frauen haben häufig Schwierigkeiten, schwanger zu werden. Wenn die Endometriose den Darm betrifft, kommt es zu schmerzhaftem Stuhlgang und Verstopfung. Ist die Blase betroffen, treten Brennen beim Wasserlassen und blutiger Urin auf.

Für die Diagnosestellung ist eine sorgfältige Anamnese unerlässlich. Darauf folgen eine körperliche Untersuchung durch den Gynäkologen sowie diagnostische Verfahren wie Ultraschall, MRT und Laparoskopie.

DIE ENDOMETRIOSE BETRIFFT 10-15 % ALLER FRAUEN

Die Endometriose ist eine chronisch rezidivierende Erkrankung, die eine fachärztliche Betreuung und Geduld seitens der Patientin erfordert. Die Primärbehandlung der Endometriose ist die laparoskopische Sanierung, die von einem erfahrenen chirurgischen Team durchgeführt werden sollte.

In den letzten Jahren wurden Endometriosezentren gegründet, in denen chirurgische Behandlung, medikamentöse Therapie, Rehabilitation und psychologische Betreuung unter einem Dach vereint werden. In diesen Zentren wird die komplexe und chronische Natur der Erkrankung ganzheitlich behandelt, sodass Patientinnen, die unter lang anhaltenden, einschränkenden Schmerzsymptomen leiden, zu einem normalen Leben zurückfinden können.  

REGULATIONSMEDIZIN, NEURALTHERAPIE UND KOMPLEMENTÄRE BEHANDLUNGSOPTIONEN

Die Endometriose ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung. Die Entzündung gehört zu den am längsten in der Medizingeschichte beschriebenen Krankheitszuständen.

Eine chronische Entzündung entsteht, wenn eine Infektion nicht vollständig beseitigt werden kann oder sich der Gewebeschaden hinzieht. Chronische Entzündung bedeutet, dass eine akute Entzündung aufgrund einer fehlgesteuerten Auflösungsphase der kontrollierten Entzündung dauerhaft wird.

Nach aktuellem Forschungsstand wird die Endometriose in der Regulationsmedizin und Komplementärmedizin als eine entzündlich-proliferative Erkrankung angesehen. Dies erfordert bestimmte grundlegende Behandlungsstrategien.

  • Es wird empfohlen, auf entzündungsfördernde Faktoren wie Nikotin, Alkohol und Zucker zu verzichten.
  • Ziel ist die Sättigung mit entzündungshemmenden Stoffen durch vermehrte Zufuhr von Lignanen (aus frischen Blättern und Leinsamenöl) und aktiven Polyphenolen (aus Obst, Gemüse und Olivenöl).
  • Die Reintegration der schmerzhaften Körperregion „Becken“ kann durch Neuraltherapie, Akupunktur, manuelle Techniken, Tanz, Yoga (Luna-Yoga) und Hypnoanalgesie erreicht werden.

KOMPLEMENTÄRE BEHANDLUNGSANSÄTZE MIT REGULATIONSMEDIZINISCHER NEURALTHERAPIE

Bei Patientinnen mit chronisch rezidivierender Endometriose können regulationsmedizinische und komplementärmedizinische Behandlungen wie Neuraltherapie, Akupunktur und traditionelle chinesische Medizin, Homöopathie, Homotoxikologie, Phytotherapie und Physiotherapie die Symptome lindern und die Lebensqualität verbessern.

KOMPLEMENTÄRE BEHANDLUNGSMODALITÄTEN

Zusätzlich zu chirurgischen und hormonellen Behandlungen werden komplementäre Therapieansätze für die Endometriosebehandlung zunehmend häufiger eingesetzt. In Ländern, in denen vor allem die Regulationsmedizin, die NEURALTHERAPIE und die Komplementärmedizin weit verbreitet sind, allen voran Deutschland, sind sie bereits in das Behandlungsprotokoll integriert.

Der chronisch rezidivierende Charakter der Endometriose, die Verstärkung der Symptome infolge des Schmerzgedächtnisses und die zunehmende Erschwerung der Behandlung erfordern einen ganzheitlichen Behandlungsansatz.

NEURALTHERAPIE

Die Neuraltherapie ist eine Regulationstherapie, die mithilfe niedrig konzentrierter Lokalanästhetika (Procain/Lidocain) die Stimulation und Regulation des vegetativen (autonomen) Nervensystems bewirkt, das ein sehr weitreichendes elektrisches Netzwerk in unserem Körper bildet.

Mit der Neuraltherapie wird sowohl diagnostiziert als auch behandelt.

Das sympathische Nervensystem ist an der Regulation des Immunsystems, an Schmerzreaktionen, an der Entstehung neurogener Entzündungen sowie an pro- oder antiinflammatorischen Antworten beteiligt. Der entzündliche Prozess und die neurogenen Reaktionen bei der Schmerzentstehung können durch die antiinflammatorische Wirkung der im Rahmen des segmentalen neuraltherapeutischen Ansatzes verabreichten Lokalanästhetika sowie deren Einfluss auf das sympathische Nervensystem reguliert werden.

Die Neuraltherapie bewirkt die Stimulation und Regulation des vegetativen (autonomen) Nervensystems, das ein sehr weitreichendes elektrisches Netzwerk in unserem Körper bildet. In der Neuraltherapie werden durch an bestimmten Stellen verabreichte Lokalanästhesie-Injektionen Blutzirkulation, Lymphzirkulation und neuronale Erregungsleitung reguliert. Wenn die Durchblutung, also die Perfusion eines Gewebes, zunimmt, wird dieses Gewebe ernährt; wenn die Lymphzirkulation zunimmt, wird das Gewebe von Stoffwechselprodukten befreit, also gereinigt, und ein Gewebe mit erhöhter Nervenleitung arbeitet geordneter.

Chronische Entzündung beeinträchtigt den Mechanismus, der den gesamten Organismus im Gleichgewicht hält, und führt zu Multisystemerkrankungen, bei denen die Funktion zahlreicher Organsysteme gestört ist. Diabetes, Endometriose, rheumatische Erkrankungen, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Allergien, Morbus Parkinson und Multiple Sklerose gehören zu den Erkrankungen, die auf dem Boden einer chronischen Entzündung entstehen.

Schmerz ist ein unangenehmes sensorisches Gefühl, das mit einer tatsächlichen oder potenziellen Gewebeschädigung an einer beliebigen Stelle des Körpers verbunden ist und auch mit den früheren Erfahrungen des Betroffenen zusammenhängt.

Bei einer Patientin, die sich mit Schmerzen bei Endometriose vorstellt, ist es wichtig zu wissen, dass im Gegensatz zu rein lokal auf die Beschwerden ausgerichteten Behandlungen mit systematisch wirksameren Interventionen ein besseres Ansprechen erzielt werden kann.

Nach dem neuraltherapeutischen Ansatz steht die zugrunde liegende Pathophysiologie mit der neuronalen Erregungsleitung dieser Region in Zusammenhang. Der Teil des Nervensystems, der die Funktionen der inneren Organe steuert, wird als vegetatives oder autonomes Nervensystem (ANS) bezeichnet. Betrachtet man das gesamte Zirkulationssystem, so benötigen Arterien, Venen und das lymphatische System für ein gesundes Funktionieren ein gesundes ANS; ein gesundes ANS wiederum kann durch Neuraltherapie erreicht werden.  Die Neuraltherapie ist eine Behandlungsmethode, bei der durch Regulation des Organismus mittels lokalanästhetischer Substanzen das ANS stimuliert und gestörte Körperfunktionen normalisiert werden. Die Neuraltherapie kann die Wirkung der Lokalanästhetika nicht nur auf die lokal schmerzhaften Bereiche, sondern über die neurovegetativen Verbindungen des ANS auch auf entfernte Regionen ausdehnen, die Ursache der Beschwerden sein können.

Komplementäre Behandlungen können im Sinne eines ganzheitlichen Ansatzes mit der konventionellen Schulmedizin kombiniert werden.

Die Erkrankung betrifft nicht nur ein Organ, sondern den ganzen Körper. Neuraltherapeutische Anwendungen, bei denen ein Lokalanästhetikum in das dysfunktionale Gewebe injiziert wird, beseitigen zusammen mit richtiger Ernährung, Phytotherapie, homöopathischem Ansatz und regelmäßiger körperlicher Aktivität die Dysregulation im neurovegetativen System und sorgen für die Regulation der ausgleichenden Mechanismen.

Auf diese Weise wird durch die Regulierung der elektrischen Erregungsleitung in den Nervengeweben eine Normalisierung der gestörten Körperfunktionen erreicht, wodurch die Patientinnen ihre Gesundheit zurückgewinnen können.

Der die Endometriosebehandlung durchführende Arzt muss die Indikation für eine chirurgische und/oder medikamentöse Behandlung bestimmen und gleichzeitig, je nach Ansprechen auf die Behandlung und dem Krankheitsverlauf, weitere Maßnahmen neu bewerten.

Verwendete Quellen:

•    Nazlikul, H: Neuraltherapie Lehrbuch 
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas 
•    L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
•    James W. McNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie 
•    Fischer, L. et al.: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie