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Zu beachtende Punkte bei Neuraltherapie-Injektionen Vor allem muss vor jeder Injektion auf die…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 19.09.2021 5 min read
Zu beachtende Punkte bei Neuraltherapie-Injektionen Vor allem muss vor jeder Injektion auf die richtige Position der Patientin/des Patienten geachtet werden!
Vor allem muss vor jeder Injektion auf die richtige Position der Patientin/des Patienten geachtet werden!

Damit die Injektionen so sicher wie möglich durchgeführt werden können, sollte sich die Patientin/der Patient in einer bequemen, aber zugleich sicheren Position befinden.

Es sollte eine Position gewählt werden, bei der die Patientin/der Patient nicht bei jeder Injektion neu positioniert werden muss und die keine Unruhe verursacht.

Für den Neuraltherapie ausübenden Arzt ist es von größter Bedeutung, für die Injektionen möglichst standardisierte Positionen zu bevorzugen, um das Ziel sicher zu erreichen.

Die Rückenlage (dorsal) eignet sich für sämtliche Injektionen im vorderen (ventralen) und seitlichen (lateralen) Körperbereich.

Für Injektionen an der Rückseite des Körpers, vom Kopfbereich bis zum Steißbein, sollte eine bequeme Sitzposition auf der Untersuchungsliege gewählt werden, bei Injektionen in die dorsalen Bereiche der unteren Extremität die Seitenlage.

DESINFEKTION

Als Grundregel gilt, dass die Haut vor jeder Injektion desinfiziert werden muss.

Aus der praktischen Erfahrung mit Procain ist jedoch bekannt, dass auch bei Nichteinhaltung der Einwirkzeit der Desinfektion keine Zunahme der Inzidenz injektionsbedingter Infektionen zu verzeichnen ist.

Injektionen in Gelenke sowie in den Periduralraum, bei denen ein geringes Risiko einer Duraverletzung besteht, müssen unbedingt unter aseptischen Bedingungen durchgeführt werden. Das Infektionsrisiko an der Injektionsstelle ist aufgrund der starken perfusionssteigernden Wirkung des Diethylaminoethanols sehr gering.

DIE INJEKTIONSTECHNIK IN DER NEURALTHERAPIE

Jede Injektion sollte möglichst schmerzfrei durchgeführt werden. Es wird empfohlen, jede Injektion nach Möglichkeit mit einer frei abgestützten Hand durchzuführen. Bei Injektionen ohne Abstützung besteht das Risiko einer Fehlinjektion und einer Verletzung der Patientin/des Patienten.  

Um die richtige Injektionsstelle zu erreichen, wird beim langsamen Vorschieben der Kanüle durch die verschiedenen Gewebearten, die dabei teils in der Tiefe passiert werden müssen (z. B. paravertebraler Grenzstrang, prävertebrales Ganglion, retroperitonealer Raum des kleinen Beckens), durch leichten Druck auf den Kolben eine geringe, begleitende Infiltration vorgenommen.

Dadurch wird der Vorgang für die Patientin/den Patienten weniger schmerzhaft. Zu diesem Zweck wird die Verwendung von wechselbaren, scharfen und möglichst dünnen Einmalkanülen empfohlen. 

Der Neuraltherapie ausübende Facharzt muss lernen, Spritze und Kanüle mit einer Hand zu führen. Dieser scheinbar alltägliche Vorgang kann, wenn er im neuraltherapeutischen Alltag nicht korrekt durchgeführt wird, zu Fehlinjektionen führen.

Die Spritze, ein einfaches Instrument, ermöglicht nicht nur die Verabreichung des Lokalanästhetikums in die anatomische Struktur, sondern dient dank einer sorgfältigen Injektionstechnik zugleich als „Tastsinn“ für die unterschiedlichen Gewebearten.

NEBENWIRKUNGEN UND RISIKEN DER NEURALTHERAPIE

Es ist wichtig, die Patientin/den Patienten nicht nur über die Risiken, sondern auch über den Sinn der Injektionen aufzuklären. Über injektionsbedingte Schmerzen, etwa dass es bei der Injektion in periphere Nerven zu einem blitzartigen Schmerz kommen kann, sollte die Patientin/der Patient informiert werden.

Während der Injektion muss auf die Schmerzrückmeldung der Patientin/des Patienten geachtet werden, da diese Rückmeldung auf eine falsche Nadellage hindeuten kann. Bei keiner Injektion sollte ein starker Schmerz auftreten. In solchen Fällen muss die Injektion gestoppt und die Nadelposition überprüft und korrigiert werden.

Als Grundregel sollte jede Patientin/jeder Patient nach der neuraltherapeutischen Behandlung möglichst für die Dauer der Wirkzeit der verwendeten Lokalanästhetika unter medizinischer Beobachtung bleiben.

Neben zu erwartenden Reaktionen wie Schwindel, leichten Sensibilitätsstörungen und vorübergehendem Verlust motorischer Fähigkeiten muss auch auf unerwartete Reaktionen wie vasovagale Kreislaufstörungen und frühzeitige allergische Reaktionen geachtet werden.

KOMPLIKATIONEN DER NEURALTHERAPIE

Komplikationen dürfen niemals vollständig außer Acht gelassen werden.

Jede während der Behandlung auftretende Komplikation muss dokumentiert werden.

INTRAVASALE (INTRAARTERIELLE) INJEKTION

Die Injektion eines Lokalanästhetikums in ein Gefäß ist eine selten auftretende, aber schwerwiegende Komplikation, die eine sofortige medizinische Intervention erfordert.

In der Regel liegt die Ursache dieser Komplikation darin, dass die zweifache Aspirationstechnik mit 180°-Drehung der Nadel nicht korrekt durchgeführt wurde.

ANAPHYLAXIE

Die sehr selten auftretende Anaphylaxie ist unabhängig von der Injektionstechnik und erfordert eine sofortige Intervention unter klinischen Bedingungen.

BLUTUNG/HÄMATOM

Hämatome gehören zu den Komplikationen, die je nach Lokalisation und Ausdehnung eine konservative Behandlung oder, sehr selten, einen chirurgischen Eingriff erfordern.

Bei der konservativen neuraltherapeutischen Behandlung eines Hämatoms werden zur schnelleren Resorption und zur Infektionsprophylaxe möglichst frühzeitig wiederholte Infiltrationen mit Procain durchgeführt.

ORGANVERLETZUNGEN

Bei durch die Nadel verursachten Organverletzungen (z. B. Lunge, Niere, Leber) ist in der Regel kein chirurgischer Eingriff erforderlich.

Im Zweifelsfall sollte die betroffene Person jedoch im Krankenhaus überwacht werden.

Diese Komplikationen können sowohl durch Injektionsfehler als auch durch anatomische und topografische Varianten verursacht werden.

PUNKTION DER SPINALEN DURA MATER

Die versehentliche Punktion der spinalen Dura mater während einer peridural durchgeführten Infiltration ist eine selten auftretende Komplikation. Diese Komplikation tritt eher im Rahmen spinaler oder paraspinaler Anästhesieverfahren auf als bei neuraltherapeutischen Anwendungen.

Man geht davon aus, dass diese Komplikation häufig einen mehrere Tage andauernden postspinalen Kopfschmerz verursacht.

DOSIERUNG DES LOKALANÄSTHETIKUMS IN DER NEURALTHERAPEUTISCHEN ANWENDUNG

 Die maximale Dosis einer 1%igen Procainlösung beträgt für die extravasale Anwendung 500 mg (50 ml einer 1%igen Lösung).

Eine derart hohe Menge ist bei neuraltherapeutischen Anwendungen niemals erforderlich.

Die Obergrenze liegt bei 15–30 ml pro Sitzung, und es besteht keine Notwendigkeit, diese Menge zu überschreiten.

Sollte es in manchen Fällen notwendig sein, diese Grenze zu überschreiten, empfiehlt sich zwischen der ersten und zweiten Injektion eine Pause von ½–1 Stunde.

Ziel der Behandlung sollte stets sein, das erkrankte Gewebe mit einer möglichst niedrigen Dosis Procain und einer sorgfältigen Injektionstechnik zu erreichen.

Das Gewebe einer übermäßigen Menge an Procain auszusetzen, muss als ein eigentlich vermeidbarer Fehler betrachtet werden.

  1. Nazlikul, H: Nöralterapi – Nobel Kitabevleri 2010 İstanbul
  2. Nazlikul, H: Nöralterap – Başa Bir Tedavi Mümkün – Destek yayınları 2019
  3. Nazlikul, H: Dissertation (Doktor medicinae) im Rahmen des postgradualen Universitätslehrganges für Ganzheitsmedizin –Regulationsmedizin „Neuraltherapie Naturheilverfahren, Regulationsverfahren und Herdgeschehen“ von PD. Dr. med. Hüseyin Nazlikul 2010 Die Medizinische Fakultät Charité.
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  10. Barop, H.: Lehrbuch Neuralthererapi , Haug Verlag 1996
  11. Barop, H.: Lehrbuch Neuralthererapi , 2. Überarbeitet Auflage Haug Verlag 2015
  12. Fischer, L: Neuraltherapie nach Huneke 2004 HD