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Neuraltherapie bei Plantarfasziitis (Fersenschmerz) Die Plantarfasziitis ist eine schmerzhafte…

Dr. Hüseyin Nazlikul
Dr. Hüseyin Nazlikul 25.09.2022 8 min read
Neuraltherapie bei Plantarfasziitis (Fersenschmerz) Die Plantarfasziitis ist eine schmerzhafte Entzündung der Plantarfaszie, auch Sehnenplatte genannt, die sich von der Ferse bis zur Fußsohle erstreckt.
Die Plantarfasziitis ist eine schmerzhafte Entzündung der Plantarfaszie, auch Sehnenplatte genannt, die sich von der Ferse bis zur Fußsohle erstreckt.

Es handelt sich um eine dornartige Knochenneubildung (Kalkablagerung) im Bereich der Fußsohle (plantar) oder am Ansatz der Achillessehne (dorsal/kranial), die in der Regel durch eine über Jahre andauernde Überlastung des betroffenen Fußes entsteht. Sie kann Risse und Entzündungen im umliegenden Gewebe auslösen. Neuere Studien kommen jedoch zu dem Schluss, dass der Fersensporn eher eine Folge als die Ursache der plantaren Tendinitis ist.

Die Plantarfasziitis entsteht meist durch intensive körperliche Belastung. Alle Arten des Laufens (Kurz-, Mittel- und Langstreckenlauf), Fußball, Basketball, Tanzen und Tennis gelten als Risikosportarten .

Was sind die Symptome und Ursachen der Plantarfasziitis? Ist die zugrunde liegende Ursache immer ein Fersensporn? Welche Behandlung ist am wirksamsten, um den Schmerz zu lindern?

Die Plantarfasziitis (auch plantare Tendinitis, Plantarfasziose oder Plantarfasziopathie genannt) ist eine schmerzhafte, meist einseitige und chronische Entzündung der Plantarfaszie.

Die Plantarfaszie ist die Sehnenplatte der Fußsohle, bestehend aus straffem Fasziengewebe (Bindegewebe), die die Zehen, die Mittelfußknochen und das Fersenbein miteinander verbindet und das Längsgewölbe des Fußes stützt. Zusätzlich sorgt die Plantarfaszie beim Gehen für Stabilität. Zugleich handelt es sich um eine Struktur, die auch der Orientierung dient. Man geht davon aus, dass etwa 80 % aller Fersenschmerzen auf eine Plantarfasziitis zurückzuführen sind.

Man geht davon aus, dass die Erkrankung weit verbreitet ist. Allerdings gibt es keine verlässlichen Zahlen zu ihrer Häufigkeit. Experten schätzen, dass jeder zehnte Mensch mindestens einmal einen mit einer Entzündung verbundenen Fersenschmerz erlebt. Besonders Menschen zwischen 45 und 65 Jahren sind von dieser Erkrankung betroffen. Eine Plantarfasziitis kann in jedem Alter auftreten, wobei Frauen anfälliger sind als Männer.

Ursachen und Risikofaktoren der Plantarfasziitis

In der Regel führt eine Kombination unterschiedlicher Faktoren zur Entzündung der Plantarfaszie, weshalb Experten von einer multifaktoriellen Entstehung sprechen. Auslöser ist meist eine Überlastung oder Reizung der Plantarsehne.

Zu den wichtigsten Risikofaktoren der Plantarfasziitis zählen:

  • Übergewicht, Adipositas (Body-Mass-Index / BMI > 27)
  • Anatomisch bedingt verkürzte Wadenmuskulatur, die mit einer erhöhten Spannung der Plantarsehne einhergeht
  • Fehlstellungen des Fußes (z. B. Hohl-, Plattfuß usw.)
  • Unterschiedliche Beinlängen (Beckenschiefstand)
  • Muskuläre Dysbalancen (z. B. in Hüfte, Lendenwirbelsäule, Kniegelenk oder Rumpfmuskulatur)
  • Mikrotraumata im Bereich des Fußes und der Ferse
  • Bursitis im Bereich des Plantarfaszienansatzes
  • Häufiges Verweilen im Straßenverkehr und Autofahren
  • Häufiges Tragen zu enger oder hoher Absatzschuhe
  • Unzureichend entwickelte Fußmuskulatur

Charakteristische Symptome der Plantarfasziitis

Eine typische Entzündung der Plantarfaszie äußert sich durch einen starken (oft als messerstichartig beschriebenen) Fersenschmerz im Fuß. Dieser Schmerz tritt vor allem bei den ersten Schritten nach dem Aufstehen oder in der Regel nach einer längeren Ruhephase auf, sobald die Sehne erstmals wieder belastet wird (Anlaufschmerz). Im fortgeschrittenen Stadium der Entzündung breitet sich der Schmerz meist auf die gesamte Fußsohle und die Achillessehne aus oder ist sogar im Liegen deutlich spürbar. Die meisten Patienten haben Schwierigkeiten, den entzündeten Fuß zu bewegen.

Klassischerweise verspüren Sportler den Fersenschmerz zunächst beim Aufwärmen. Im Verlauf der Belastung schwächen sich die Symptome ab oder verschwinden ganz. Intensive Sprints und Sprünge oder eine dauerhaft hohe Belastung des Fußes können die Symptome erneut auslösen. Wird die Ferse weiterhin stark belastet, nimmt der Schmerz in der Regel zu.

Die wichtigsten Differenzialdiagnosen der Plantarfasziitis sind:

  • Arthrose des Sprunggelenks 
  • Morbus Reiter
  • Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans)
  • Rheumatoide Arthritis 
  • Knochenbrüche
  • Weichteilabszesse (insbesondere bei Vorerkrankungen wie Diabetes)
  • Tumoren im Bereich des Fußes

Wie wird eine Plantarfasziitis diagnostiziert?

Ist der Fersenschmerz nicht eindeutig zuzuordnen oder besteht der konkrete Verdacht auf eine plantare Tendinitis, ist es sinnvoll, einen Facharzt für Physiotherapie, Orthopädie, Manuelle Medizin oder Neuraltherapie aufzusuchen. Auf Grundlage einer ausführlichen Anamnese und klinischen Untersuchung kann die Diagnose Plantarfasziitis häufig schnell gestellt werden, oft sogar ohne Zuhilfenahme bildgebender Verfahren.

Bei der Anamneseerhebung fragt der Arzt beispielsweise nach Art, Entstehung und Ort des Schmerzes sowie nach dem Krankheitsverlauf, früheren Erkrankungen und regelmäßiger sportlicher bzw. beruflicher Belastung der Ferse.

Die klinische Untersuchung des Fersenschmerzes beginnt in der Regel mit einer Palpationsuntersuchung: Verstärken sich die Symptome beim Ertasten oder Drücken des Plantarfaszienansatzes an der Ferse, spricht dies für eine Plantarfasziitis.

Eine Röntgenaufnahme des Fußes wird in der Regel nur dann angefertigt, wenn der Fersenschmerz trotz längerer konservativer Behandlung fortbesteht. So lassen sich beispielsweise ein Fersensporn oder Verkalkungen und Verdickungen des Bindegewebes deutlich erkennen.  Weitere bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Magnetresonanztomographie oder Skelettszintigraphie kommen ebenfalls bei der Diagnostik zum Einsatz. Ihre Notwendigkeit ist jedoch unter Experten umstritten.

Welche Behandlungsmethoden gibt es bei Plantarfasziitis?

In zahlreichen medizinischen Publikationen wird berichtet, dass sich der Fersenschmerz unabhängig von der Behandlung innerhalb eines Jahres zurückbildet oder ganz verschwindet. Diese These wird bislang jedoch nicht durch wissenschaftliche Studien gestützt. Sicher ist, dass konservative Behandlungsansätze bei mehr als 90 % der Betroffenen innerhalb von sechs Monaten gute Ergebnisse zeigen.

Medikamentöse Behandlung:

Bei akuter und schmerzhafter Plantarfasziitis werden nichtsteroidale Antirheumatika eingesetzt. Zu diesen Medikamenten zählen vor allem Acetylsalicylsäure, Derivate der Arylpropionsäure (z. B. Ibuprofen) oder Derivate der Arylessigsäure (z. B. Diclofenac). Auch topisch angewendete Salben oder Gele mit Ibuprofen oder Diclofenac, die parallel entzündungshemmend wirken, können gegen Fersenschmerzen hilfreich sein. Aufgrund ihrer geringen Eindringtiefe sind sie jedoch weniger wirksam als Tabletten. 

Viele Betroffene erzielen positive Ergebnisse mit Kortisoninjektionen (Glukokortikoidinjektionen). Langfristig können Kortisonanwendungen jedoch bleibende Schäden in diesem Bereich verursachen. Das entzündungshemmende Steroidhormon kann Nebenwirkungen wie eine Atrophie des Fersenfettpolsters oder einen Sehnenriss verursachen.

Die Neuraltherapie mit Lokalanästhetika ist bei Plantarfasziitis äußerst wirksam!

Auch Injektionen mit Lokalanästhetika in den schmerzhaften Fersenbereich lindern die durch die Plantarfasziitis verursachten Symptome.  Werden diese Injektionen im Sinne des neuraltherapeutischen Ansatzes zusammen mit der lokalen Injektion durch eine Segment- und erweiterte Segmenttherapie ergänzt, führt dies zu einer dauerhaften Lösung. Wird keine Neuraltherapie durchgeführt und lediglich lokal behandelt, kann dies lediglich eine vorübergehende Linderung bewirken. 

Entlastende Maßnahmen:

In diese Kategorie fallen alle Maßnahmen, die die chronische Überlastung der Plantarfaszie verringern.

Zum Beispiel:

  • Gewichtsabnahme durch gesunde Ernährung bei übergewichtigen oder adipösen Personen 
  • Regelmäßiges Hochlagern des schmerzenden Fußes
  • Bei bestehenden Fehlstellungen die Versorgung mit an die Fußstruktur angepassten, korrigierenden Einlegesohlen zur Stützung des Längsgewölbes (Druckentlastung)
  • Das Anlegen einer Nachtschiene (Orthese), die die Fußspitze in Richtung Schienbein zieht, kann die Sehnenplatte dehnen und den Heilungsprozess beschleunigen
  • Reduzierung sportlicher Aktivitäten, die zu einer Überlastung der Plantarfaszie führen könnten
  • Kurz gehaltene Übungseinheiten (ohne Schmerzen auszulösen)
  • Auswahl geeigneter, gut gepolsterter Schuhe für Sport bzw. Aktivität
  • Nicht dauerhaft in derselben Position verharren, sondern die Position in regelmäßigen Abständen wechseln

Stimulierende Behandlungen:

Unmittelbar im Anschluss an die neuraltherapeutische Behandlung sind regelmäßige Dehn- und isometrische Übungen für Wadenmuskulatur und Plantarfaszie hilfreich. Zudem sollten dem Patienten entsprechende Übungen auch als Hausaufgabe empfohlen werden. Studien zufolge lassen sich dadurch sowohl kurz- als auch langfristig gute Ergebnisse erzielen (einschließlich einer vollständigen Schmerzfreiheit). 

Eine niedrig dosierte Röntgenbestrahlung (Radiotherapie in niedriger Dosis) kann unter anderem dazu beitragen, die Durchblutung des entzündeten Gewebes zu fördern und den Schmerz zu lindern.

Die extrakorporale Stoßwellentherapie, bei der mithilfe einer Ultraschallsonde elektromagnetisch erzeugte, präzise ausgerichtete Druckwellen schmerzhafte Ablagerungen wie den Fersensporn zerstören, kann eine weitere Behandlungsoption darstellen. Auch Fersenmassage und Kinesio-Taping können durch die Förderung der Durchblutung den Schmerz lindern.

Wann ist eine Operation zur Entlastung der Plantarfaszie erforderlich?

Im Allgemeinen ist bei Plantarfasziitis nur sehr selten eine Operation notwendig. Denn multimodale konservative Behandlungen sind in der Regel wirksam.

Die Kombination von Neuraltherapie mit postisometrischer Dehnung liefert hervorragende Ergebnisse!

Hält der Fersenschmerz trotz konservativer Behandlung und diagnostischem Ausschluss anderer Ursachen länger als zwölf Monate an und schränkt er die Lebensqualität erheblich ein, sollten Ärzte abwägen, ob eine Operation sinnvoll sein könnte. Gegebenenfalls kann es sehr hilfreich sein, eine zweite ärztliche Meinung einzuholen. Von 100 Personen mit Plantarfasziitis wird nur etwa 1 Person operiert. 

Wie verläuft eine Plantarfasziitis typischerweise?

Der Fersenschmerz tritt anfangs nur gelegentlich auf und verschwindet in Ruhephasen wieder. Bleibt die Belastung oder Reizung der Plantarsehne jedoch bestehen, treten die Symptome häufiger und mit zunehmender Intensität auf.

Da Menschen mit Fersenschmerzen beim Gehen häufig in eine Schonhaltung wechseln (z. B. Fersenauftritt oder besonders leises Gehen), kann eine chronische Plantarfasziitis langfristig zu Schäden an Wirbelsäule, Knien, Hüften oder Sprunggelenken führen. Die Schonhaltung führt langfristig zu starken und schmerzhaften Muskelverspannungen. Bleibt die plantare Tendinitis unbehandelt, kann sie die Beweglichkeit einschränken.

Wie lässt sich einer Plantarfasziitis vorbeugen?

Da eine Entzündung der Plantarsehne in der Regel durch Überlastung entsteht, kann das Erkrankungsrisiko durch folgende vorbeugende Maßnahmen deutlich gesenkt werden:

  • Der BMI sollte im Normbereich liegen. Bei Übergewicht oder Adipositas wird eine Gewichtsabnahme empfohlen.
  • Der gesamte Fuß sollte gut durchblutet sein. Regelmäßige Bewegung und Muskelübungen sowie Fußmassagen (z. B. mit einem Igelball oder einer Faszienrolle) und kalte Wasseranwendungen (Kneipp-Anwendungen) sind hilfreich.
  • Da Rauchen die Blutgefäße verengt und die Sauerstoffversorgung des Gewebes beeinträchtigt, sollte unbedingt darauf verzichtet werden.
  • Zur Entlastung der Füße sollten diese hochgelagert und die Muskulatur entspannt werden. 
  • Hornhaut an Fußsohle und Ferse lässt sich durch pflegende Fußbäder, weichmachende Cremes und gegebenenfalls die Entfernung durch eine podologische Fachkraft vorbeugen. Bei Problemfüßen wird eine regelmäßige medizinische Fußpflege empfohlen.
  • Schuhe für Beruf und Freizeit sollten flach und bequem sein und häufiger gewechselt werden.
  • Bei stehender Tätigkeit sollte die Position häufig gewechselt werden.
  • Freizeitsportler, die zu Sehnenproblemen neigen, sollten Hochrisikosportarten wie Laufen, Tennis, Tanzen, Basketball und Fußball meiden, da hierbei Ferse und Fußsohle stark belastet werden, und stattdessen auf Alternativen wie Radfahren oder Schwimmen umsteigen.
  • Grundsätzlich sollte beim Sport speziell an die Person angepasstes Schuhwerk getragen werden (viele Fachgeschäfte bieten Fuß- und Laufanalysen an).
  • Besonders bei Laufdisziplinen und Training sollte das Tempo langsam gesteigert werden. Andernfalls kommt es schnell zu Überlastungssituationen.
  • Regelmäßige Dehn- und Kräftigungsübungen für Muskeln und Sehnen halten die Füße kräftig und gesund und beugen einer Plantarfasziitis wirksam vor.

Dr. Hüseyin NAZLIKUL
IFMANT = Präsident der Internationalen Neuraltherapie-Föderation
Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Neuraltherapie und Regulationsmedizin 

Verwendete Quellen:
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie-Lehrbuch 
•    Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
•    H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas 
•    L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
•    James W. NcNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
•    Weinschenk, S: Neuraltherapie 
•    Fischer, L et al: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie