Die wirksame Behandlung neuropathischer und polyneuropathischer Schmerzen mit Regulationsmedizin…

Da neuropathische Schmerzen nicht akut auftreten und langsam fortschreiten, versagen konventionelle medizinische Ansätze in den meisten Fällen. Für die neuropathische Schmerzerkrankung werden mehr als 200 Ursachen genannt.
Die häufigsten Ursachen sind Diabetes, Alkoholabhängigkeit, chronischer Medikamentengebrauch, in der Krebsbehandlung eingesetzte Chemotherapeutika, chronische Infektionen, aus der Umwelt aufgenommene Toxinbelastungen sowie Spurenelement- und Vitaminmangel.
Trotz aller medizinischen Fortschritte ist die Ursache von etwa 20-30 % der neuropathischen bzw. polyneuropathischen Schmerzen nach wie vor unbekannt.
Der neuropathische Schmerz, eine chronische Schmerzform, die die Lebensweise des Betroffenen sehr ernsthaft aus dem Gleichgewicht bringt, ist ein Schmerz, der mit einer Schädigung, Funktionsstörung oder veränderten Erregbarkeit eines Teils des peripheren oder zentralen Nervensystems zusammenhängt.
Für das Auftreten des Schmerzes gibt es nicht immer eine feststellbare konkrete Ursache; dennoch kann der neuropathische Schmerz unabhängig von der Schädigung oder deren Schweregrad fortbestehen und sich sogar über Wochen, Monate und Jahre hinweg verstärken. Dies unterscheidet sich stark vom nozizeptiven Schmerz, da sich dieser nach Wegfall des Reizes rasch zurückbildet.
Betrachtet man die aktuellen Studien, lassen sich die Ursachen des neuropathischen Schmerzes in zentrale und periphere Ursachen unterteilen.
Ursachen des neuropathischen Schmerzes und der Polyneuropathie
Die Polyneuropathie ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Es gibt mehr als 600 mögliche Ursachen:
- Meist entsteht die Polyneuropathie als Langzeitfolge von Diabetes oder langjähriger Alkoholabhängigkeit.
- Auch Medikamente, Infektionen, Vitaminmängel, Autoimmunerkrankungen und genetische Faktoren können eine Polyneuropathie auslösen, indem sie die Nervenhülle oder das Innere der Nerven schädigen.
Trotz aller diagnostischen Fortschritte bleibt in mindestens einem von fünf Fällen die Ursache unklar („idiopathische Neuropathie“). Im klassischen schulmedizinischen Ansatz können häufig nur die Symptome behandelt werden. Unabhängig von der Ursache gilt: Je früher neuropathischer Schmerz und Polyneuropathie erkannt und behandelt werden, desto besser.
Der neuropathische Schmerz wird von den Patienten meist als brennendes, kribbelndes und unangenehm-fremdartiges Gefühl beschrieben. Die von mir am häufigsten beobachteten neuropathischen Schmerzsyndrome sind die diabetische Neuropathie, die postherpetische Neuralgie sowie alkohol- und chemotherapiebedingte Schmerzen.
Diagnose und Behandlung des neuropathischen Schmerzes gehören in den letzten Jahren zu den Schmerzsyndromen, mit denen sich sowohl Kliniker als auch Forscher am intensivsten befassen.
Die Gründe dafür:
- Das zunehmende Erkennen der nach Schädigungen des Nervensystems auftretenden Schmerzsyndrome,
- Das Fehlen ausreichender Behandlungserfolge bei Patienten mit neuropathischem Schmerz,
- Die Entwicklung von Tiermodellen, an denen mögliche Behandlungsmodalitäten für die Mechanismen des neuropathischen Schmerzes untersucht werden können.
In unserem Land bildet die diabetische Polyneuropathie die wichtigste Gruppe unter den neuropathischen Schmerzsyndromen. Obwohl die Diagnose des durch Diabetes bedingten neuropathischen Schmerzes einfach zu stellen ist, gestaltet sich die Behandlung recht schwierig.
Es ist bekannt, dass mindestens 40-50 % aller neuropathischen Schmerzen auf dem Boden eines Diabetes entstehen. Obwohl hinsichtlich der bei Diabetes mellitus auftretenden Neuropathiemechanismen sehr unterschiedliche Auffassungen vertreten werden, lässt sich der Mechanismus, wie auch bei anderen neuropathischen Schmerzsyndromen, nicht eindeutig klären.
Man geht davon aus, dass auch Autoimmunmechanismen eine Rolle spielen. Diese Sichtweise ist jedoch von einer ganzheitlichen Betrachtung weit entfernt. In neueren Studien wird der Einfluss mikrovaskulärer Mechanismen betont, wonach die durch endoneurale und epineurale Gefäßveränderungen verursachte Ischämie zu einer Nervenschädigung führt. Betrachtet man die diesem Problem zugrunde liegende Situation, zeigt sich, dass das vegetative Nervensystem nicht ordnungsgemäß funktioniert.
Die eigentliche Ursache der gestörten Mikrozirkulation ist der erhöhte sympathische Tonus sowie die infolge sympathischer Überlastung entstehende Entzündung und Durchblutungsstörung.
Diagnose des neuropathischen Schmerzes
Wichtig ist vor allem, die subjektiven und objektiven Parameter des Schmerzes gut zu erfassen. Dazu sind neben einer detaillierten Anamnese eine sorgfältige und umfassende körperliche Untersuchung unerlässlich. Die wichtigsten Faktoren der subjektiven Beurteilung sind die Bestimmung von Schmerztyp und Schmerzstärke.
Bei dieser Beurteilung werden zwar zahlreiche unterschiedliche Schmerzskalen empfohlen, doch unabhängig davon, welche Skala verwendet wird, darf nicht vergessen werden, dass eine detaillierte Anamnese für die Diagnose äußerst wichtig ist.
Die körperliche Untersuchung ist für die richtige Diagnose von Bedeutung; dabei sollte neben einer umfassenden manuellen diagnostischen Beurteilung des motorischen Systems auch eine Untersuchung des sensorischen Systems und des autonomen Nervensystems erfolgen.
Klassische Behandlung nach schulmedizinischem Ansatz
Bei der Behandlung des neuropathischen Schmerzes eingesetzte Medikamente:
- Trizyklische Antidepressiva
- Antikonvulsiva
- Antiarrhythmika
- Opiate
- Orale und topische Lokalanästhetika
- Ketamin
- Capsaicin-Creme
lassen sich wie folgt klassifizieren.
Der Ansatz der Regulationsmedizin und Neuraltherapie bei neuropathischem Schmerz:
Die Behandlung des neuropathischen Schmerzes ist ebenso vielfältig wie seine Ursachen. Die ursachenbezogene Behandlung der Erkrankung ist der wirksamste Weg. Das bedeutet im Fall von Diabetes die Regulierung des Blutzuckers oder im Fall von Alkoholmissbrauch das Meiden von Alkohol.
Zur Behandlung der Symptome wird häufig eine ganzheitliche Therapie empfohlen, die sowohl die konventionelle Medizin als auch die Regulationsmedizin einbezieht.
- Neuraltherapie
- Entgiftungs- und Chelattherapie
- Behebung von Vitaminmängeln
- Triggerpunkt-Therapie
- Manualmedizinische Anwendungen
- Physiotherapeutische Unterstützung zur Kräftigung der Muskulatur
- Traditionelle Chinesische Medizin – Akupunktur
- Ernährungsumstellungen
- Phytotherapie
- Homöopathie
Angesichts der in den letzten Jahren stetig zunehmenden Studien werden die wachsenden Erkenntnisse über den Mechanismus des neuropathischen Schmerzes dazu führen, dass die Komplementärmedizin und Regulationsmedizin in dessen Behandlung einen zunehmend festeren Platz einnehmen.
Anwendungsvoraussetzungen der Neuraltherapie:
Im Gegensatz zum konventionellen medizinischen Ansatz betrachtet die Neuraltherapie den polyneuropathischen und neuropathischen Schmerz als eine ganzheitliche Funktionsstörung.
Beim neuraltherapeutischen Ansatz wird nicht nur das Symptom des Patienten behandelt; Ziel ist es, den allgemeinen Gesundheitszustand zu verbessern.
Die Voraussetzung für eine korrekte neuraltherapeutische Anwendung ist sehr gute Kenntnis der Anatomie und der topografischen Anatomie. Neben anatomischem Wissen ist auch die Beherrschung der richtigen Anwendungstechniken unverzichtbar. Dazu bedarf es weniger reinen Buchwissens als vielmehr eines Meister-Schüler-Verhältnisses und eines fundierten Ausbildungsprogramms. Die Neuraltherapie ist ein invasives Verfahren. Um sich damit behandeln zu lassen, sollten Sie sich an einen dafür ausgebildeten Facharzt wenden. Eine Liste der in der Türkei wissenschaftlich ausgebildeten Ärzte auf diesem Gebiet finden Sie auf der Website www.noralterapi.com. Ich rate davon ab, sich von Personen behandeln zu lassen, die nicht auf dieser Liste stehen. Wie bei allen invasiven Anwendungen ist daher ein sorgfältiges Vorgehen erforderlich. Aus dieser Perspektive sollte gut abgewogen werden, ob dieser Eingriff überhaupt notwendig ist.
Aus dieser Perspektive sollten die Antworten auf die folgenden Fragen gesucht werden, die ich in meinem 2010 veröffentlichten Lehrbuch „Neuraltherapie“ besonders hervorgehoben habe.
- Ist die Anwendung überhaupt erforderlich?
- Beherrschen Sie die für die geplante Anwendung nötige Fertigkeit und Technik?
- Wurden Diagnose und Ursache der Erkrankung ausreichend abgeklärt?
- Haben Sie für die geplante Injektion eine ausreichende Ausbildung erhalten?
Es darf nicht vergessen werden, dass jeder Mensch mit seiner eigenen Matrix, also seiner Grundsubstanz, gleichaltrig ist.
Betrachtet man den Entstehungsmechanismus des neuropathischen Schmerzes und die Gesamtheit der Beschwerden, zeigt sich grundlegend eine Dysfunktion des vegetativen Nervensystems (VNS) und eine Durchblutungsstörung.
Es wird sich zeigen, dass die meisten der beim neuropathischen Schmerzbild als druckempfindlich und schmerzhaft festgestellten Punkte auf eine Dysfunktion des vegetativen Systems zurückzuführen sind. Betrachtet man den Ursprung der Dysfunktion des VNS, so zeigt sich als zugrunde liegendes Bild ein Sauerstoffmangel, also eine HYPOXIE.
Beurteilt man den Säure-Basen-Haushalt der Patienten, fällt eine ausgeprägte azidotische Stoffwechsellage auf.
Neuraltherapie und die Bedeutung des vegetativen Nervensystems?
Der Begriff Neuraltherapie bezeichnet eine Behandlungsform, die über das körpereigene neurovegetative System wirkt. Die Regulation des autonomen bzw. vegetativen Nervensystems, das den gesamten Körper wie ein Netz umspannt, sollte den zentralen Ansatz im Umgang mit neuropathischem Schmerz bilden. Sämtliche neuraltherapeutischen Methoden versorgen entweder gestörtes Gewebe mit Energie oder lösen Energieblockaden.
Die Neuraltherapie ist eine Regulationstherapie. An bestimmten Punkten oder Bereichen des Körpers wird mit Lokalanästhetika ein Reiz gesetzt, auf den der Körper mit einer segmentalen oder segmentübergreifenden Antwort reagiert. Diese Reaktion liefert uns sowohl für die Diagnosestellung als auch für die Behandlung eine Orientierung.
Meiner persönlichen Erfahrung nach können wir insbesondere bei einem großen Teil der Patienten mit neuropathischem Schmerz durch die neuraltherapeutische Behandlung von Störfeldern gute Erfolge erzielen.
Das heißt, die Erkrankung betrifft nicht nur ein Organ, sondern den ganzen Körper. Eine Dysfunktion im VNS oder eine Dysfunktion bzw. Stase an einem Triggerpunkt betrifft nicht nur den lokalen Ort und das jeweilige Segment; je nach Chronizität des Reizes betrifft sie das gesamte System. Die mit Lokalanästhetikum durchgeführte neuraltherapeutische Anwendung am gestörten segmentalen Gewebe unterbricht nicht nur die pathologischen Reflexbahnen, sondern repolarisiert auch die gestörte Zellmembran auf das richtige Potenzial und trägt so dazu bei, dass die vegetativen Funktionen sich normalisieren.
Mit anderen Worten reguliert die neuraltherapeutische Anwendung die komplexe, vom vegetativen Nervensystem ausgehende Dysfunktion.
Bei Patienten mit NEUROPATHISCHEM SCHMERZ zeigen sich bei genauer Betrachtung zwei Hauptprobleme: SCHMERZ und SCHLAFLOSIGKEIT.
Wird der hier vorliegende Schmerz eingehend hinterfragt und untersucht, zeigt sich, dass er vom oben beschriebenen ANS (Autonomes Nervensystem) / VNS (Vegetatives Nervensystem) ausgeht. Solange das VNS seine Aufgabe nicht in gesunder Weise erfüllt, wird die Durchblutung gestört, es kommt zur Ansammlung von im Körper entstehenden Abbauprodukten, und der Körper übersäuert. Unter normalen Bedingungen können toxische Stoffe über das lymphatische System ausgeschieden werden.
Schlaflosigkeit
Untersucht man die durch NEUROPATHISCHE Schmerzen bedingte Schlaflosigkeit eingehend, zeigt sich, dass in ihrer Pathogenese eine hormonelle Dysfunktion eine Rolle spielt. Bekannt ist die Wirkung von Stress auf das Kortison sowie die Veränderungen des Kortisolspiegels nach dem Aufwachen. Auch bei diesen Patienten lassen sich erhebliche Veränderungen der Kortisol- und Melatoninspiegel feststellen.
Anwendung von Lokalanästhetika in der Neuraltherapie
Bei der Neuraltherapie müssen Injektionen an schmerzhafte Punkte verabreicht, Triggerpunkte stimuliert, das betroffene Segment in die Behandlung einbezogen und die in der Anamnese und/oder bei der körperlichen Untersuchung durch Inspektion festgestellten Störfelder reguliert werden.
Die neuraltherapeutische Behandlung bei neuropathischem und polyneuropathischem Schmerz erzielt Erfolg, indem sie die sympathische Überlastung beseitigt, den in der betroffenen Region entstandenen Hypoxie-Kreislauf durchbricht, die Entzündung stoppt und durch die Lösung der auf Segmentebene entstandenen Blockade die Durchblutung verbessert.
Verwendete Quellen:
• Nazlikul, H: Neuraltherapie Lehrbuch
• Nazlikul, H: Neuraltherapie – Eine andere Behandlung ist möglich
• H. Barop (Übersetzer H. Nazlikul), Neuraltherapie-Atlas
• L. Fischer (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Neuraltherapie-Buch
• James W. McNabb (Übersetzer H. Nazlikul und Y. Tamam), Gelenk- und Weichteilinjektionen
• Weinschenk, S: Neuraltherapie
• Fischer, L. et al.: Lehrbuch Integrative Schmerztherapie